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StartseiteWirtschaftsgesprächNiedrigzins und Digitalisierung13.02.2020

Bilanz der CommerzbankNiedrigzins und Digitalisierung

In wenigen Tagen wird die Commerzbank 150 Jahre alt. Heute hat sie ihre Bilanz für das Jahr 2019 vorgelegt. Die ist nicht unbedingt ein Grund zum Feiern.

Von Klemens Kindermann

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Logo der Commerzbank an der Zentrale der Commerzbank AG im Commerzbank Tower in Frankfurt am Main (dpa / imageBROKER / Stefan Kiefer)
Die Bilanz der Commerzbank ist kein Grund zum Feiern - das 150jährige Gründungsjubiläum schon (dpa / imageBROKER / Stefan Kiefer)

Wie fällt die Bilanz der Commerzbank aus?

Im Moment geht es der Bank nicht so gut: Der Gewinn bricht ein, die Dividende sinkt. Das Konzernergebnis liegt bei nur noch 644 Millionen Euro für das Jahr 2019. Im vorbörslichen Handel steigt die Aktie zwar - aber nur, weil man noch schlimmere Nachrichten von der Commerzbank erwartet hatte. Denn: Wenn der Gewinn um ein Viertel fällt, dann hat jedes Unternehmen und jede Bank ein Problem.

Warum kommt die Commerzbank auf keinen grünen Zweig?

Die Commerzbank hat das Problem, das alle Banken in Deutschland in diesen Niedrigzinszeiten haben: Sie können nicht mehr am Zinsüberschuss verdienen so wie früher. Das Verleihen von Geld gegen einen höheren Zins als den, den die Bank den Spareinlegern zahlt, rentiert sich nicht mehr. Außerdem haben wir seit sechs Jahren die berühmten negativen Einlagezinsen: Die Institute der Europäischen Zentralbank müssen noch Geld geben, wenn sie dort Liquidität parken.

Bei der Commerzbank kommt hinzu, dass sie sich dringend modernisieren muss. Das heißt für Commerzbank-Chef Martin Zielke:
dass das Geschäftsmodell digitalisiert und die technischen Entwicklungen genutzt werden müssen.

Digitalisierung bedeutet, die traditionsreiche Commerzbank muss sich  gegen die Fintechs behaupten, die schnellen, wendigen Startups aus dem Finanzbereich – in deren Welt man jetzt gerade in der zweiten Staffel der TV-Serie "Bad Banks" eintauchen kann.

Digitalisierung - wie will die Commerzbank das finanzieren?

Es gibt den Plan, die 70-Prozent-Beteiligung an der polnischen mBank zu verkaufen, geschätzt sind die zwei Milliarden Euro wert. Aber die Interessenten stehen offenbar nicht gerade Schlange.

Das liegt an den Haftungsrisiken der mBank. Die Bank hatte vielen Polen Kredite in Franken gegeben zur Hausfinanzierung. Dann verlor aber die polnische Währung Zloty stark gegenüber dem Franken, viele Polen hatten Schwierigkeiten, mit ihrem Zloty-Einkommen die Kredite zu bedienen. Die rechtsnationale Regierung in Warschau will die Banken, auch die mBank, nun zwingen, die Darlehen in Zloty-Hypotheken umzutauschen. Das wäre schlecht für die mBank und damit für die Commerzbank.

Welche Pläne gibt es für neue Geschäftsmodelle?

Im Moment macht sie das, indem sie Kosten spart. Jede fünfte der 1.000 Filialen soll geschlossen werden. Bei den Beschäftigten sollen unter dem Strich weitere 2.300 Stellen wegfallen.

Aber das ist natürlich keine Strategie für die Zukunft. Die Fusion mit der Deutschen Bank war letztes Jahr ja gescheitert, aber vielleicht muss sich die Commerzbank, die ja immerhin uns Steuerzahlern immer noch zum Teil gehört, doch mit einer anderen Bank aus Frankreich oder Italien zusammenschließen. Das war eigentlich schon die Idee des Commerzbankgründers Theodor Wille vor 150 Jahren: mit den deutschen Firmen muss die Bank hinaus in die Welt.

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