Mittwoch, 21.11.2018
 
Seit 00:05 Uhr Fazit
StartseiteKultur heuteBilderschatz fürs Städel28.06.2013

Bilderschatz fürs Städel

Der Fotogalerist Rudolf Kicken gibt seine Privatsammlung nach Frankfurt

Seine Sammlung habe er an das Frankfurter Städel gegeben, weil Frankfurt in der Mitte Deutschlands liege, sagt Fotogalerist Rudolf Kicken. Sein langjähriger Freund Wilfried Wiegand habe seine Sammlung ebenfalls dem Frankfurter Museum anvertraut. Wiegand und seine Frau hätten ihn zu seiner Entscheidung "verführt".

Rudolf Kicken im Gespräch mit Stefan Koldehoff

Galerist Rudolf Kicken (dpa picture alliance / XAMAX)
Galerist Rudolf Kicken (dpa picture alliance / XAMAX)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast

Stefan Koldehoff: Und dort, in Frankfurt, geht es auch weiter – in einem anderen Museum, im Städel nämlich. Das erhält, wie heute bekannt wurde, die Privatsammlung von Rudolf und Annette Kicken. Von Rudolf Kicken, dem großen, dem wohl größten deutschen Fotogaleristen, ohne den es die Fotografie hier viel, viel schwerer gehabt hätte und ohne den diese Kunst in Deutschland wahrscheinlich auch viel, viel später erst in die musealen Sammlungen gefunden hätte.
Seine erste Fotogalerie hat er in Köln gegründet. Seit langer Zeit schon lebt er in Berlin. Die grandiosen Arbeiten von August Sander und Rudolf Koppitz, Man Ray und Hugo Erfurth, Albert Renger-Patzsch und Toni Schneiders und vielen anderen, die Rudolf Kicken und seine Frau Annette über die Jahre zusammengetragen und behalten haben, die gehen nun aber trotzdem nach Frankfurt in die Obhut von Kurator Felix Krämer. Am Tag, an dem diese Sensation bekannt wurde, ist Rudolf Kicken mit seiner Familie klugerweise weit weg von Deutschland im Urlaub. Dort habe ich ihn gefragt, warum er sich ausgerechnet für Frankfurt und das Städel entschieden hat – Interesse hätte es ja sicher bis zum Getty Museum in Los Angeles gegeben.

Rudolf Kicken: Ach, das war im Endeffekt so: Ich war zur Eröffnung von Wilfried Wiegand und Ute Wiegand und die haben mich so sozusagen verführt, als ich nach Frankfurt zur Eröffnung kam, als die Wiegands entschieden haben, mit ihrer Sammlung dahin zu gehen. Es war ja so: Am Anfang hatten wir alle Angst gehabt, dass das Getty wie ein Staubsauger alles wegschluckt und als dann wir hörten, dass Wilfried Wiegand und seine Frau das sozusagen für sich entschieden hatten, das nach Frankfurt zu geben, war ich so begeistert und bin ich abends zurückgekommen noch und habe zu meiner Frau gesagt, das ist genau der richtige Ort dafür.
Ich finde, auch wenn man das geografisch sich mal anschaut – Frankfurt ist einfach wirklich ein guter Ort. Der ist genau in der Mitte Deutschlands, und so haben wir uns dafür entschieden und dann haben wir relativ schnell mit Krämer und Hollein gemeinsam einen Weg gefunden, das Ganze möglich zu machen. Ich bin sehr froh, dass das so gekommen ist, muss ich sagen.

Koldehoff: Bislang hat das Städel vor allen Dingen zeitgenössische Fotografie gehabt, die große Sammlung der DZ Bank beispielsweise.

Kicken: Ja genau.

Koldehoff: Geben Sie dem Ganzen jetzt sozusagen eine kunsthistorische Grundlage, wie alles anfing?

Kicken: Das kann man nicht so sagen. Das Witzige ist ja im Endeffekt das: Die DZ Bank hat uns gefragt, als ich schon in Berlin war, 'ob Sie nicht Ihre Fotografien nach Berlin geben wollten', und dann habe ich gesagt, das macht keinen Sinn. Und dann haben wir als Nächstes gesagt, im Grunde genommen, nachdem Wilfried Wiegand gesagt hat, wir wollen unseren Teil auch dahin geben, das ist genau der richtige Weg. Ich glaube, das ist die richtige Entscheidung und wir sind froh darum, dass wir das alles gebündelt haben. Außerdem ist ja mein Freund Wilfried Wiegand – den kenne ich ja seit 40 Jahren - und wir haben ja gemeinsam angefangen, Fotografie zu sammeln. Da war das einfach plötzlich ganz logisch.

Koldehoff: Was macht das Städel mit Fotografie anders als beispielsweise andere Museen? Gibt es auch einen inhaltlichen Grund, die Sachen dorthin zu packen?

Kicken: Ja, und zwar ich wollte es gerade erzählen. Ich bin 1974 oder 1975 nach New York gekommen und habe im MoMa eine Ausstellung gesehen, da war auf der einen Seite ein Gemälde von Georgia O’Keeffe und direkt nebenan war ein Foto von Alfred Stieglitz. Diese beiden Dinge hingen nebeneinander und ich habe immer gedacht, so muss es sein, Fotografie und Malerei müssen gemeinschaftlich so auftreten und das hat mich damals nicht mehr losgelassen, diese Vorstellung, und das war für mich immer meine Priorität. Es hat zwar länger gedauert, als ich gedacht habe, und im Endeffekt, als dann Wiegand nach Frankfurt ging und plötzlich die Malerei und die Fotografie zusammen ausgestellt wurden, habe ich gesagt, genau so würde ich das gerne im Städel haben.

Koldehoff: Wie würden Sie Ihre Sammlung denn beschreiben? Oder anders herum gefragt: Welches waren denn die Bilder, die bei Ihnen nicht in die Galerie, sondern in die privaten Räume gekommen sind?

Kicken: Das kann man nicht so wirklich sagen. Das würde auch zu weit führen. Das sind einfach Dinge, die sich ergeben haben über die Jahre. Das kann man nicht so richtig spezifizieren. Da würde ich aber auch mal sagen, man muss einfach, man sollte einfach mal abwarten und mal gucken, was alles Schönes dann plötzlich erscheint. Da freue ich mich selber schon drauf, wenn ich mal sehe, wie Felix Krämer die unterschiedlichen Dinge nebeneinander hängen wird. Da freue ich mich wirklich drauf. Das ist etwas, was mich schon seit Langem beschäftigt, dass Krämer dann damit das richtige machen wird. Insofern, glaube ich, sollten wir das einfach nicht vorweg greifen, sondern die nächste Hängung im Herbst sollten wir dann schon mal abwarten.

Koldehoff: Der Sammler und Galerist Rudolf Kicken, dessen Fotosammlung ans Frankfurter Städel geht.


Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk