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StartseiteNachrichten vertieftSoziale Herkunft bleibt entscheidend09.09.2014

Bildung in DeutschlandSoziale Herkunft bleibt entscheidend

Die Einkommenskluft zwischen Akademikern und beruflich ausgebildeten Fachkräften ist in Deutschland drastisch gewachsen. Zugleich bleibt der Bildungserfolg von Menschen in Deutschland eng an ihre soziale Herkunft gekoppelt, berichtet die OECD.

Studenten sitzen in einem Hörsaal bei der Erstsemesterbegrüßung der Universität Koblenz-Landau im April 2014 im Hörsaal. (dpa / picture-alliance / Thomas Frey)
Studenten sitzen in einem Hörsaal bei der Erstsemesterbegrüßung der Universität Koblenz-Landau im April 2014 im Hörsaal. (dpa / picture-alliance / Thomas Frey)
Weiterführende Information

Arbeitsmarktbericht der OECD - Ermutigende Signale aus Spanien und Griechenland (Deutschlandfunk, Wirtschaft am Mittag, 03.09.2014)

Der Bildungserfolg eines jungen Menschen hängt in Deutschland nach Angaben des OECD-Bildungsberichts stärker als in den meisten anderen Industriestaaten von der sozialen Herkunft ab. Gerade für Schüler aus ärmeren Familien bleibe das Versprechen "Aufstieg durch Bildung" häufig in weiter Ferne, kritisierte der Leiter des Berliner OECD-Center, Heino von Meyer.

Der Bildungsbericht der OECD

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat ihren Bildungsbericht 2014 am Dienstag in Berlin veröffentlicht. Verglichen werden darin die Bildungssysteme der 30 wichtigsten Industriestaaten sowie einiger Partnerländer mit Blick auf den wachsenden Fachkräftebedarf der Wirtschaft.

Große Einkommensunterschiede

Akademiker in Deutschland verdienen im Schnitt 74 Prozent mehr als Erwerbstätige, die trotz Abitur oder Realschulabschluss weder zur Universität noch zur Fachhochschule gegangen sind oder einen Meisterkurs besucht haben. Im Jahr 2000 lag der Akademiker-Vorsprung beim Einkommen in Deutschland erst bei 45 Prozent. Im Schnitt der anderen Industrienationen beträgt der Lohnvorteil von Studierten 59 Prozent.

In Deutschland streben so viele junge Leute wie nie zuvor einen Hochschulabschluss an. Trotzdem wachse in Deutschland der Anteil der Hochgebildeten mit akademischen Abschluss so langsam wie in kaum einem anderen Industriestaat. Während in Deutschland inzwischen 28 Prozent der 25- bis 64-Jährigen über einen Studienabschluss verfügen, sind dies im OECD-Schnitt 33 Prozent.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) , dass in Deutschland den jungen Menschen mit dem Studium wie der beruflichen Bildung "zwei gleichwertige Alternativen zu Verfügung stehen". Beide böten optimale Möglichkeiten für die berufliche Zukunft.

Bildung schützt vor Arbeitslosigkeit

(v.r.) Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU), die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Sylvia Löhrmann (Grüne), und Heino von Meyer, Leiter OECD Berlin mit dem Bildungsbericht. (dpa / picture-alliance / Stephanie Pilick)(v.r.) Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU), die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Sylvia Löhrmann (Grüne), und Heino von Meyer, Leiter OECD Berlin mit dem Bildungsbericht. (dpa / picture-alliance / Stephanie Pilick)

Eine qualifizierte Bildung sei der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit, schreibt die OECD - selbst in Krisenländern wie Spanien und Griechenland. Weltweit ist danach in den vergangenen Jahren vor allem die Arbeitslosigkeit von Geringqualifizierten gewachsen. In Deutschland hingegen sind die Erwerbslosenquoten für alle Bildungsstufen zurückgegangen. Mit 12,8 Prozent sind aber noch immer weit mehr Menschen mit geringer Qualifikation ohne Job als in höheren Bildungsstufen. Bei Personen mit Abitur oder Lehre liegt die Arbeitslosenquote bei 5,3 Prozent, bei Akademikern bei 2,4 Prozent.

Grundsätzlich sei das deutsche Bildungssystem im internationalen Vergleich relativ gut an die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes angepasst. 86 Prozent der Erwachsenen in Deutschland haben das Abitur oder eine abgeschlossene Berufsausbildung. Im OECD-Schnitt sind es nur 75 Prozent. Ein Abschluss im Sekundarbereich II sei die Mindestvoraussetzung für einen "erfolgreichen Einstieg in den Arbeitsmarkt", heißt es in der OECD-Untersuchung.

(nch/jcs)

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