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Bildungsforscher Klieme"Bildungs-Elan nach ersten Pisa-Studien ist verebbt"

Eine Lehrerin der Oberschule an der Ronzelenstraße in Bremen steht in einem Klassenraum an einer Tafel und schreibt. (Mohssen Assanimoghaddam / dpa)
Eine Lehrerin an einer Schule in Bremen. (Mohssen Assanimoghaddam / dpa)

Nach den Ergebnissen der neuen Pisa-Studie hat der Frankfurter Bildungsforscher Klieme die deutsche Schulpolitik kritisiert.

Der bildungspolitische Elan nach der ersten Pisa-Studie sei nach zehn Jahren verebbt, sagte Klieme im Deutschlandfunk. Das damals ausgerufene Projekt "Bildungsrepublik" sei in den vergangenen Jahren durch andere relevante Schul-Themen wie Inklusion und Integration verdrängt worden. Hier müsse die Politik nun nacharbeiten, betonte der Forscher am Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation in Frankfurt am Main.

Mängel vor allem beim Lesen

Der Nachholbedarf zeigt sich nach Kliemes Worten vor allem beim Lesen. Hier mangele es an einer systematischen und koordinierten Förderung der Lesefähigkeiten.

Als zentrales Problem nannte Klieme die Ungleichheit bei den schulischen Leistungen. Am unteren Ende der Leistungsskala gebe es zu wenig Kapazitäten, um systematisch zu fördern. Nun räche es sich, dass die Lehrkräfte in Deutschland nach Pisa 2000 nicht entsprechend intensiv geschult worden und keine neuen Konzepte erprobt worden seien.

Seiteneinsteiger für gewisse Zeit nötig

Hinzugekommen sei das Problem des Lehrermangels, so der Bildungsforscher. Man werde für eine gewisse Zeit nicht ohne Seiteneinsteiger auskommen. Für diese sei aber eine intensive Rekrutierungs- und Ausbildungspolitik nötig. Die Politik handele hier leider nicht adäquat - stattdessen konkurrierten die Bundesländer um die Seiteneinsteiger.

Die OSZE hatte gestern in Berlin die neue Pisa-Studie vorgestellt. Ihr zufolge haben sich die schulischen Leistungen in Deutschland leicht verschlechtert. Demnach ging der Punktwert sowohl im Lesen als auch in Mathematik und Naturwissenschaften im Vergleich zur letzten Erhebung vor drei Jahren nach unten. Deutschland bleibt zwar über dem OECD-Durchschnitt, zählt jedoch weiterhin nicht zur Spitzengruppe. An der Studie nahmen auf deutscher Seite rund 5.500 Schülerinnen und Schüler im Alter von 15 Jahren aus 223 Schulen teil.

Bundesbildungsministerin Karliczek zeigte sich besorgt über die Leistungen in Deutschland. Die CDU-Politikerin forderte eine nationale Kraftanstrengung für bessere Bildung. Die Gewerkschaft GEW verlangte mehr Chancengleichheit im deutschen Schulsystem. Kritik kam auch vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag. Man dürfe sich nicht mit durchschnittlichen Ergebnissen zufrieden geben, hieß es.