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StartseiteCampus & KarriereKeine Fortschritte, neue Herausforderungen18.08.2016

BildungsmonitorKeine Fortschritte, neue Herausforderungen

Einmal im Jahr bewertet der Bildungsmonitor der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft die Bildungssituation der Bundesländer. Es ist sozusagen die Bundesligatabelle der verschiedenen Bildungssysteme. Wie beim Fußball gibt es im neuen Monitor wenig Bewegung in der Tabellenspitze, dafür aber zwei Überraschungsteams.

Von Claudia von Laak

Eine Lehrerin steht mit einem Tablet in der Hand an der Tafel und schreibt Mathe-Aufgaben an (dpa / picture alliance / Julian Stratenschulte)
Der Bildungsmonitor 2016 bescheinigt nur wenigen Bundesländern Fortschritte. (dpa / picture alliance / Julian Stratenschulte)
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Die Rangliste bleibt stabil: die ersten drei Plätze belegen die Länder Sachsen, Thüringen und Bayern, Schlusslichter sind Brandenburg und Berlin. Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, lobt besonders Hamburg und das Saarland – diese beiden Länder konnten sich im Bildungsmonitor am stärksten verbessern.

 "Aber es gibt eben auch ein unrühmliches Beispiel: Denn sehr undynamisch im Vergleich zu unserem Referenzjahr 2013 zeigt sich Schleswig-Holstein. Das Bundesland im hohen Norden ist das einzige, das sich im Vergleich zu 2013 verschlechtert hat."

Insgesamt gesehen geht es nicht so recht voran mit der Leistungsfähigkeit des deutschen Bildungssystems. Die von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft beauftragten Forscher des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln stellten zum ersten Mal keine Verbesserungen fest - Axel Plünnecke:

 "Erstmals gibt es keinen Fortschritt zum Vorjahresvergleich, aber neue Herausforderungen für das Bildungssystem. Wir haben den Bildungsmonitor zum 13. Mal erstellt, und zum ersten Mal stellen wir fest, dass sich das Ergebnis gegenüber dem Vorjahr im Bundesdurchschnitt nicht mehr verändert, sogar leicht stagniert."

Es fehlen Milliarden für Lehrer und Kitaplätze

Neue Herausforderungen: Damit ist natürlich die Integration der Flüchtlinge gemeint. Die arbeitgebernahe Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft fordert in diesem Zusammenhang die öffentliche Hand auf, massiv in die Bildung von jungen Flüchtlingen zu investieren. Das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln hat ausgerechnet, dass zusätzlich 3,5 Milliarden Euro im nächsten Jahr benötigt werden. Gebraucht werden zum Beispiel 30.000 neue Lehrerinnen und Lehrer sowie knapp 100.000 Kitaplätze. Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer der Initiative ue Soziale Marktwirtschaft.

"Dieses Geld brauchen wir vor allem für zusätzliche Lehrkräfte an den Schulen sowie für Kapazitäten in der Ausbildungsvorbereitung. Wer das nicht tut, kann die Wirtschaft nicht kritisieren, dass sie zu wenige Anstrengungen unternimmt."

Damit spielt die arbeitgebernahe Initiative den Ball zurück an die Politik – zuvor hatte ja Bundeswirtschaftsminister Siegmar Gabriel (SPD) einen Brief an die deutschen DAX-Konzerne geschrieben. Der Vorwurf: Sie täten zu wenig für die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt. 

Rückschritte bei der Integration

3,5 Milliarden Euro, das ist eine Menge Geld. Nach Ansicht von Axel Plünnecke vom Institut der Deutschen Wirtschaft Köln ist dieses Geld allerdings langfristig sehr gut angelegt.

 "Es kann sich auch fiskalisch lohnen, denn eine bessere Arbeitsmarktintegration spart Kosten, Sozialkosten, führt zu Steuermehreinnahmen. Und langfristig, wenn sie an die Schüler denken im Bildungssystem, können sie auch zur Fachkräftesicherung beitragen und das Wachstum stärken. Also mittel- bis langfristig sind diese Ausgaben fiskalisch lohnend, und natürlich in jedem Fall humanitär geboten, damit die Flüchtlinge eine vollwertige Teilhabe am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben in Deutschland haben."

Das Institut der Deutschen Wirtschaft hält auch deshalb massive Investitionen in die Bildung von jungen Flüchtlingen für nötig, weil der aktuelle Bildungsmonitor Rückschritte festgestellt hat bei der Integration von Migranten. So haben mehr ausländische Schülerinnen und Schüler die Schule ohne Abschluss verlassen als im Jahr zuvor.

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