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StartseiteVerbrauchertippWeiterbildungsauszeit für Arbeitnehmer21.06.2019

BildungsurlaubWeiterbildungsauszeit für Arbeitnehmer

In vielen Bundesländern gibt es ein Anrecht auf den Bildungsurlaub: Fünf Tage im Jahr können Arbeitnehmer nutzen, um sich beruflich und persönlich weiterzubilden. Die Zeit bezahlt der Arbeitgeber, die Weiterbildungskosten der Arbeitnehmer - die können dann von der Steuer abgesetzt werden.

Von Margret Bielenberg

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Workshop an einer Scheibe: Eine junge, lachende Frau heftet eine Haftnotiz an. (imago/Westend61)
Kreatives Arbeiten oder die Selbstorganisation als Workshop: Ob entsprechende Seminare als Bildungsurlaub möglich sind, ist von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich. (imago/Westend61)
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Bildungsurlaub Geschenkte Zeit für die Weiterentwicklung

Emmanuel Lichéron hat bisher in Hamburg zweimal Bildungsurlaub genommen - einmal mit ganz konkreten beruflichen Zielen und einmal eher zur allgemeinen Weiterbildung.

"Das eine war mit der Fernuni Hagen. Es war eine Woche Klausurvorbereitung. Und das andere war mit der Volkshochschule. Und das war dann mehr für mich."

Nicht alle Kurse, die Arbeitnehmer interessant finden, werden als Bildungsurlaub anerkannt. Die Klausurvorbereitung von Emmanuel Lichéron im Bereich Betriebswirtschaftslehre hatte direkten Bezug zu seiner Arbeit. Das Stimm- und Entspannungstraining an der Volkshochschule dagegen konnte nicht unmittelbar im Job eingesetzt werden, war und ist ihm aber beispielsweise bei Präsentationen nützlich.

Je nach Bundesland unterscheiden sich die Regeln

Dass er auch ohne direkten Nutzen für den Betrieb Bildungsurlaub beanspruchen konnte, verdankt Lichéron der Rechtslage in Hamburg. Bildungsurlaub ist in den Bundesländern unterschiedlich geregelt. Nur in wenigen wird eine ganz allgemeine Weiterbildung akzeptiert, sagt Johannes Wuppermann, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Hamburg.

"Man muss halt darauf achten als Arbeitnehmer, dass die Veranstaltung, die man besuchen möchte - sie muss in gewisser Weise berufsbezogen sein und sie muss die Handlungskompetenz des Arbeitnehmers fördern."

Anerkannte Kurse findet man beispielsweise in vielen Datenbanken im Internet, beim Betriebsrat, bei Gewerkschaften oder in Bürgerberatungsstellen der Gemeinden. Fünf Tage Bildungsurlaub pro Jahr stehen einem Arbeitnehmer zu, der in Vollzeit arbeitet. Häufig kann man auch alle zwei Jahre zehn Tage Bildungsurlaub nehmen. Meist müssen Arbeitnehmer mindestens sechs Monate im Unternehmen tätig sein, um Anspruch auf eine Weiterbildung zu haben. Je nach Bundesland muss der Antrag dem Arbeitgeber zwischen vier bis sechs Wochen vor Veranstaltungsbeginn vorliegen.

"Der Arbeitgeber muss entscheiden, ob im Betrieb die Möglichkeit besteht, den Arbeitnehmer für die Dauer, in der er den Bildungsurlaub machen möchte, tatsächlich frei zu stellen. Wenn wichtige betriebliche Veranstaltungen sind, dann kann er selbstverständlich sagen: Nein, das geht jetzt nicht."

Kosten können von der Steuer abgesetzt werden

Gerade in kleinen Unternehmen mit wenigen Mitarbeitern wird man seinen Bildungsurlaub eher verschieben müssen als in Großunternehmen, so der Arbeitsrechtler. Ist die Weiterbildung aber zu einem bestimmten Zeitpunkt akzeptiert, garantiert der Arbeitgeber die Lohnfortzahlung, während der Arbeitnehmer die Kosten für den Kurs trägt.

"Aber dennoch kann man auch zum Teil die Kosten wieder einholen mit der Steuererklärung. Und zwar sowohl die Kurskosten als auch die Nebenkosten wie zum Beispiel Fahrtkosten zu den Lehrstätten." 

In Bayern und Sachsen haben Arbeitnehmer keinen Anspruch auf Bildungsurlaub. Ist man aber von einer bestimmten beruflichen Maßnahme überzeugt und kann das seinem Chef vermitteln, dann gibt es andere Wege, die Weiterbildung doch noch durchzusetzen.

 "Dann kann er selbstverständlich das Angebot machen, ich möchte, dass du Arbeitnehmer dich fortbildest, deswegen schicke ich dich dahin, dann ist es aber nicht die Kategorie Bildungsurlaub, sondern dann ist es die Kategorie betriebliche Weiterbildung, die sehr häufig von Arbeitgebern bezahlt und finanziert werden."

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