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StartseiteVerbrauchertippGefährliche Gemütlichkeit15.11.2018

Bioethanol-KamineGefährliche Gemütlichkeit

Bioethanol-Kamine sind eine Alternative für viele, die keinen klassischen Holzfeuer-Kamin haben. Der Aufbau geht schnell, doch bei der Nutzung ist Vorsicht geboten. Bedienungsfehler können fatale Folgen haben. Von kleinen Deko-Feuerstellen für den Fußboden halten Fachleute gar nichts.

Von Claudia Ullrich-Schiwon

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Eine Frau zpndet einen Bioethanol-Kamin in ihrer Wohnung an (picture alliance/ dpa/ Inga Kjer)
Bioethanol-Kamine sind eine Alternative für viele, die keine Möglichkeit für ein klassisches Holzfeuer in der Wohnung haben (picture alliance/ dpa/ Inga Kjer)
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Energiewende Holz als Brennstoff und CO2-Speicher

Malu Chow träumte immer schon von einem knisternden Kaminfeuer. In ihrem gemieteten Reihenhaus gibt es jedoch keine Möglichkeit für ein klassisches Holzfeuer und so entschloss sich die Familie zu einem Ethanol-Kamin. Es ging ruckzuck, erzählt sie:

"Dieser Kamin, so wie er da steht, ist geliefert worden, wurde aufgebaut und dann konnte man beginnen mit Feuer machen."

Vor dem Kauf habe sie sich jedoch intensiv mit dem Brennstoff Ethanol und mit der Bedienung einer solchen Feuerstelle beschäftigt, betont sie. Flüssiges Ethanol besteht zu etwa 95 Prozent aus pflanzlichem Alkohol. Offen stehend kann sich Bioethanol in Verbindung mit Luft schon bei 21 Grad leicht entzünden und ein explosionsfähiges Gemisch mit der Luft bilden. Aus Versehen verschüttetes Ethanol muss daher sofort aufgewischt und aus der Wohnung entfernt werden.

Maximale Füllmenge beachten

Malu Chow bewahrt, ganz nach Vorschrift, ihren Brennstoff-Kanister im kühlen Keller auf und holt nur die Menge ins Kaminzimmer, die sie auch jeweils benötigt.

"Ich weiß, immer wenn ich mindestens einen Liter habe, dann reicht das so für zwei, zweieinhalb Stunden."

Die maximal angegebene Füllmenge eines Ethanolbehälters, der aus Edelstahl sein sollte, darf auf keinen Fall überschritten werden, warnt Fachmann Friedhelm Fabian. Er ist seit über 30 Jahren im Kamin- und Ofengeschäft und weist darauf hin, dass Bedienungsfehler fatale Folgen haben können:

"Bei uns im Beratungsgespräch ist es immer so, dass wir auch die Bedienung beschreiben. Das Gehörte ist manchmal besser als das Geschriebene."

Gefahr durch Deko-Feuerstellen

Die meisten Ethanol-Kamine oder Deko-Feuerstellen werden in Baumärkten oder im Internet angeboten. Dort ist die Beratung nicht immer ausreichend. Deshalb sollte man hier besonders auf sicherheitszertifizierte und zum Beispiel TÜV-geprüfte, stabile Geräte achten. Auch Wandkamine mit Sicherheitsglas und fest montiert sind eine gute Alternative, weiß Fachmann Fabian. Von kleinen Deko-Feuerstellen, die man beliebig auf den Fußboden stellen kann oder auf den Tisch, hält er allerdings nichts:

"Die halte ich für relativ gefährlich, wenn man dagegen stößt, während das brennt, da kann schon mal was überschwappen und den Tisch anbrennen."

Einmal angezündet, darf man nicht mehr nachfüllen

Ethanol-Kamine gibt es für über 1.000 Euro, jedoch auch schon ab 200 bis 300 Euro. Hier sollte man genau auf die Qualität, eine verständliche Gebrauchsanweisung sowie eine Sicherheitszertifizierung achten. Ist ein Ethanol-Ofen einmal angezündet, darf auf keinen Fall mehr nachgefüllt werden. Das könnte im wahrsten Sinne explosiv sein. Brandschutzberater Edmund Böhm:

"Beim Nachfüllen ist der gefährlichste Augenblick , wenn man die Brennkammer nicht hat abkühlen lassen, denn es ist ja immer noch eine entsprechende Wärme da, und mit dem Auffüllen des Ethanols in die Brennkammer wird es sich auch sofort entzünden. Dann habe ich den klassischen Zimmerbrand, der dann so nicht mehr beherrschbar ist von einem Laien."

Statt dem flüssigen Ethanol kann man auch eine Paste oder Gel verwenden. Das sei im Umgang ein bisschen sicherer, sagt Edmund Böhm. Wichtig sei auch häufiges Lüften, denn beim Verbrennen von Bio-Ethanol entsteht unter anderem Kohlenstoffdioxyd, das den Innenraum belastet. Darüber hinaus hält der erfahrene Feuerwehrmann die zusätzliche Investition in einen Feuerlöscher oder eine Löschdecke für unverzichtbar – nicht nur für Besitzer von Ethanol-Kaminen.

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