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StartseiteUmwelt und VerbraucherBiogemüse aus dem Gewächshaus17.10.2001

Biogemüse aus dem Gewächshaus

<strong>Rund 3 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland wird von Biobauern beackert. Die Tendenz ist steigend, und das ist ganz im Sinne der Bundesministerin für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft, Renate Künast. Derzeit laufen die Geschäfte der Biobauern gut - die Nachfrage übersteigt oft das Angebot und deshalb müssen die ökologisch wirtschaftenden Landwirte alle Möglichkeiten ausschöpfen, die es gibt, um den Anbau zu steigern. Dazu gehört auch der Anbau im Gewächs- haus für Produkte, die besonders anfällig sind für wechselhaftes Wetter oder Schädlinge, wie Tomaten beispielsweise. Was es hier zu beachten gibt, darüber informierte in Bonn die CMA, die Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft gemeinsam mit dem Bioland-Verband. </strong>

von Andrea Zimmermann

Viele Gemüsekulturen wachsen bei uns im Freiland aufgrund klimatischer Vorlieben oder zu hohem Schädlings- und Krankheitsdruck nicht oder nur sehr schlecht. Der Anbau in Gewächshäusern schafft eine Alternative zu dem ansonsten recht hohen Aufwand an Pflanzenschutzmaßnahmen für sensible Kulturen wie Tomaten, Gurken oder Auberginen auf dem freien Feld.

Im Gewächshaus kann man das Klima steuern, vor allen Dingen die Temperaturen und die Luftfeuchte sowie die Bewässerung. Dadurch, dass wir das Glas über den Pflanzen haben, haben wir keine natürlichen Niederschläge, das hat dann zur Folge, dass die Pflanzen oberirdisch trockener bleiben und dadurch viel weniger anfällig für Pilzkrankheiten und tierische Schädlinge sind. Und dadurch können wir auch auf Pflanzenschutzmittel verzichten.

Das kleine Segment des Unter-Glas-Anbaus ist auch für Ökobetriebe interessant. Uwe Hecker vom Amt für Landwirtschaft Stockach berät Gemüseerzeuger in Baden-Württemberg und sieht im geschützten Anbau beliebter Feldfrüchte eine überregionale Möglichkeit für viele Gartenbaubetriebe früh mit dem Gemüse am Markt zu sein und bis weit in den Herbst hinein zu bleiben. Hecker beurteilt den Gewächshausanbau so:

Ziel ist die gesunde Haltung der Pflanzen, dass man also durch die Klimasteuerung die Pflanzen gesünder erhalten kann. Durch das Heizen können wir den Pflanzen den Wärmebedarf geben, so dass sie höhere Erträge und auch bessere Qualitäten bekommen. Der nächste Vorteil wäre, dass auch die Arbeit im Gewächshaus angenehmer ist, als die Arbeit im Freiland und die Kulturen im Gewächshaus wachsen nicht ganz so tief am Boden, also die Arbeitshaltung ist angenehmer.

Ob deutsches Biogemüse aus dem Gewächshaus sich jedoch am Markt durchsetzen kann, steht und fällt mit der Nachfrage des Handels und der Akzeptanz der Verbraucher. Den Bedarf hiesiger Handelsketten an Tomate, Gurke und Co aus dem Öko-Glashaus sieht Katja Besselmann vom Anbauverband Bioland, Nordrhein-Westfalen, noch nicht gedeckt.

Also, der Markt will es definitiv. In der Direktvermarktung haben viele Betriebe sich auch in den vergangenen Jahren, weil es so schwer war an Unterglas-Ware zu kommen, selber entschieden ein Gewächshaus oder Folienhaus hinzusetzen, um diese Ware dem Kunden anbieten zu können, aber auch der Großhandel fragt vermehrt nach ökologischer Ware im Unterglas-Bereich, also vor allem nach Tomaten und Gurken. Im Moment können wir diesen Bedarf nur zu etwa zehn Prozent aus Deutschland decken, gerne würden aber viele Großhandelsketten diesen Bereich ausdehnen in ihrer Gemüsetheke.

In der Frischeabteilung der Supermärkte findet sich jedoch ein breites Angebot von Öko-Tomaten und Gurken aus Belgien, Holland, Spanien und den Kanaren, die zum Teil wesentlich günstiger erzeugt werden können. Katja Besselmann hofft, dass den Bekenntnissen des Handels zu mehr heimischer Ware bald auch handfeste Forderungen folgen. Auch der ökologische Substratanbau - die Kultur von Gemüse nicht auf Erde, sondern auf nährstoffhaltigem Ersatzmaterial - wird zurzeit diskutiert. Uwe Hecker erläutert das Für und Wider:

Beim Anbau in der Erde kann durch falsche Bewässerung, also wenn man zuviel Wasser gibt, Nährstoffe nach unten ins Grundwasser gelangen durch Auswaschung. Das ist halt beim Substratanbau nicht gegeben, weil da wird die Erde versiegelt mit Folie. Das Wasser, was zuviel gegeben wird, wird aufgefangen und wieder in den Kreislauf zurück eingespeist. Was natürlich in der Substratkultur ebenfalls nicht möglich ist, ist das ganze biologische Leben, wie wir es in der Erde haben zu simulieren. Da bin ich überzeugt, dass es im Erdeanbau noch viele Vorgänge gibt, die wir nicht kennen und die einen Einfluss auf Geschmack und Qualität des Gemüses haben, auch wenn wir das zur Zeit sensorisch noch nicht nachweisen können.

Ob nun Gemüse nach der europäischen Öko-Verordnung auch ohne Erde aufwachsen darf, ist zurzeit noch rechtlich umstritten. Die Verordnung lässt diesen Spielraum frei, was jedoch für die interessierten Biobetriebe noch keine Planungssicherheit bedeutet, da in kurzer Zeit bereits wieder ein anderslautender Beschluss zum Ökoanbau auf Substrat vorliegen kann.

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