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StartseiteForschung aktuellDiät lässt Rhesusaffen älter werden02.04.2014

BiologieDiät lässt Rhesusaffen älter werden

Wer weniger Kalorien aufnimmt, wird älter: Das gilt für Hefepilze, Fruchtfliegen und Ratten. Profitieren auch Primaten von einer Diät? Eine im Forschungsmagazin "Nature" vorgestellte Langzeitstudie mit Rhesusaffen bestätigt die lebensverlängernde Wirkung.

Von Christine Westerhaus

Ein Apfel mit Maßband vor weißem Hintergrund (picture alliance / Stephan Persch)
Eine verminderte Nahrungsaufnahme kann offenbar auch das Leben von Primaten verlängern (picture alliance / Stephan Persch)
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Weiterführende Information

Diät ist kein Jungbrunnen (Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 30.08.2012) 

Und sie leben doch länger. Rozalyn Anderson und ihre Kollegen von der Universität von Wisconsin konnten zeigen, dass Rhesusaffen deutlich länger leben, wenn sie auf Diät gesetzt werden. Seit 1989 hatten die Forscher das Schicksal von etwa 80 Rhesusaffen verfolgt. Die Hälfte der Tiere bekam während des Versuchs etwa ein Drittel weniger zu fressen, die Affen in der Kontrollgruppe konnten ungehindert schlemmen. Nach 25 Jahren Untersuchungszeit waren nur zehn Affen aus der Schmalkost-Gruppe gestorben, in der Kontrollgruppe waren es mehr als doppelt so viele Tiere. Damit sieht Rozalyn Anderson den Beweis erbracht, dass auch höher organisierte Säugetiere ihr Leben verlängern können, wenn sie weniger essen:

"Es sieht so aus, als ob eine verminderte Nahrungsaufnahme auch das Leben von Primaten verlängert. Wenn wir nun herausfinden können, welche Mechanismen dahinter stecken, können wir vielleicht auch verstehen lernen, warum wir bestimmte Krankheiten erst im Alter bekommen und was uns dann so empfänglich dafür macht."

Scheinbar widersprüchliche Studien

Schon 2009 hatten Anderson und ihre Kollegen Zwischenergebnisse ihrer Studie veröffentlicht. Sie zeigten, dass die Affen aus der Diät-Gruppe seltener altersbedingte Krankheiten wie Diabetes oder Krebs entwickelten. Bereits damals zeichnete sich der Trend ab, dass die kalorienreduzierten Tiere auch länger leben, als ihre Artgenossen aus der Kontrollgruppe. Doch 2012 wurden die Ergebnisse einer weiteren Langzeitstudie bekannt, die am National Institute on Aging in Baltimore durchgeführt wurde. Die Autoren dieser Studie sahen keinen lebensverlängernden Effekt der Schonkost auf Rhesusaffen. Anderson:

"Das war sehr verwirrend für uns, denn wir dachten, diese Frage bereits beantwortet zu haben. Als wir uns aber die Daten der Studie unserer Kollegen genauer angesehen haben, stellten wir fest, dass die Tiere aus deren Kontrollgruppe deutlich weniger wogen, als unsere Kontrolltiere und auch weniger, als Rhesusaffen normalerweise wiegen. Das könnte erklären, warum unsere Kollegen keinen Unterschied sehen, denn in dieser Studie wurden effektiv alle Tiere auf Sparflamme gehalten."

Auch Julie Mattison, Hauptautorin der damaligen Studie des National Institutes on Aging, räumt ein, dass das eine mögliche Erklärung sei:

"Es stimmt, die Affen in unserer Kontrollgruppe waren leicht kalorienreduziert und hatten deshalb wahrscheinlich ein gesünderes Gewicht. Und das könnte natürlich erklären, warum wir keinen signifikanten Unterschied zu den Tieren gesehen haben, die 30 Prozent weniger Kalorien zu sich nahmen."

Ergebnisse wahrscheinlich auf Menschen übertragbar

Beide Forscherteams sehen daher keinen Widerspruch in ihren Ergebnissen, denn beide Studien zeigen, dass Schonkost prinzipiell das Leben von Affen verlängert und die Entstehung altersbedingter Krankheiten herauszögern kann. Dass dieser Effekt auch bei langlebigen Primaten funktioniert, mache es wahrscheinlicher, dass eine Diät auch das Leben von Menschen verlängert, meint Rozalyn Anderson:

"Es gibt eine Studie am National Institute of Aging, die zumindest die kurzfristigen Effekte von Kalorienreduktion auf Menschen untersucht hat. Die gewünschten 25 Prozent weniger hat zwar kaum jemand erreicht, weil natürlich die Disziplin ein echtes Problem war ..., aber trotzdem deuten die Ergebnisse an, dass eine Diät ähnliche Effekte auf den Menschen hat wie auf Primaten oder Nager."

Trotz der positiven Wirkung möchte die Biochemikerin aber nicht als Befürworterin von Schmalkost verstanden werden. Ihre Forschung sei nicht dazu da, das Leben der Menschen zu verlängern, sondern soll dabei helfen zu verstehen, wie der Stoffwechsel des Körpers Alterungsprozesse beschleunigt. Anderson:

"Ich selbst träume nicht davon, auf leckeres Essen oder Getränke zu verzichten - dafür ist das Leben viel zu kurz. Wir machen also keine Werbung für einen bestimmten Lebensstil sondern wollen nur die Biologie des Alterns verstehen."

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