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StartseiteForschung aktuellDie Unschuld des Dingos15.01.2014

BiologieDie Unschuld des Dingos

Der Dingo, eine Unterart des Wolfs, kam vor etwa 4000 Jahren nach Australien. Kurz darauf verschwanden die letzten großen einheimischen Raubsäuger: der Tasmanische Tiger und der Tasmanische Teufel. Für ihr Aussterben wurde der Dingo verantwortlich gemacht - zu Unrecht.

Von Monika Seynsche

Zwei kleine Dingowelpen laufen am Dienstag (28.02.2012) im Tierpark Friedrichsfelde in Berlin durch ihr Gehege. Insgesamt vier Jungtiere wurden bei den Dingos am 03. Januar geboren. Dingos sind verwilderte Haushunde, und gelten als einziges wildlebendes Raubtier Australiens, das kein Beuteltier ist.  (picture alliance / dpa / Stephanie Pilick)
Zwei unschuldige Dingowelpen (picture alliance / dpa / Stephanie Pilick)
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Alte Hunderassen sind genetisch nichts Besonderes (Deutschlandfunk, Forschung Aktuell, 22.05.2012)

Tasmanische Teufel haben die Statur eines kleinen stämmigen Hundes, mit schwarzem Fell und weißer Halskrause. Ihren Namen verdanken sie ihren unheimlichen Schreien.

Seit mehr als 3000 Jahren erschallen diese Laute nur noch auf der, südlich vom australischen Festland gelegenen Insel Tasmanien. Auf dem Kontinent selbst sind die Teufel ausgestorben - zur gleichen Zeit wie die Tasmanischen Tiger oder Beutelwölfe. Der Ökologe Thomas Prowse wollte wissen, ob das wirklich die Schuld des Dingos war, der damals den Kontinent eroberte.

"Es gibt zwei andere mögliche Gründe für das Aussterben, die aber bislang meist ignoriert wurden. Zum einen ist die Bevölkerung Australiens in dieser Zeit stark angewachsen, darauf deuten Felszeichnungen hin. Und zum anderen hat sich das Klima vor etwa 5000 Jahren stark verändert. Davor war es auf dem australischen Festland relativ feucht. Dann begannen die El-Nino-Zyklen und der Kontinent wurde sehr viel trockener."

Thomas Prowse und seine Kollegen fütterten ein mathematisches Modell mit ihrem Wissen über die Klimaveränderungen sowie die Lebensweise und das Jagdverhalten von Beutelwölfen, Tasmanischen Teufeln, Dingos und Menschen.

"In unserer Simulation jagten Beutelwölfe und Tasmanische Teufel Kängurus. Dann setzten wir den Dingo dazu, und schauten wie er die beiden anderen Arten beeinflusst haben könnte. Entweder indem er sie direkt jagte, oder indem er ihnen ihre Beute, also die Kängurus wegfraß. Außerdem hatten wir Menschen in unserem Modell, die alles, also Beutelwölfe, Teufel, Dingos und Kängurus jagten. Und wir nahmen den Klimawandel mit auf, der wahrscheinlich in erster Linie durch geringere Niederschläge die Nahrungsgrundlage der Kängurus und damit deren Population beeinträchtigte."

Simulationen sprechen den Dingo frei

Selbst wenn die Forscher ihr Modell unter der Annahme laufen ließen, dass die Menschen nur wenige Beutelwölfe, Tasmanische Teufel und Kängurus gejagt haben, führte die Simulation schnell zum Aussterben von Beutelwolf und Teufel. Gingen sie dagegen davon aus, dass nur der Dingo eine Rolle gespielt hat, gelang es dem Modell nicht, die beiden Arten aussterben zu lassen. Das sei noch kein Beweis, betont Thomas Prowse, aber die Simulationsergebnisse deuteten darauf hin, dass die Bevölkerungsexplosion vor 5000 Jahren der mit Abstand wahrscheinlichste Grund für das Aussterben der beiden Raubsäuger sei. Der Forscher vermutet, dass zusätzlich auch der Klimawandel eine gewisse Rolle gespielt hat. Der Dingo aber sei unschuldig, betont Prowse:

"Dingos haben einen sehr schlechten Ruf als schädliche Raubtiere. Und dieser Ruf gründet zu einem Großteil auf der Annahme, dass sie die Beutelwölfe und Tasmanischen Teufel auf dem Festland ausgerottet haben. Unsere Studie nimmt dem Dingo diese Schuld, sodass wir vielleicht in Zukunft etwas unvoreingenommener über die Rolle dieser Tierart im australischen Ökosystem sprechen können."

Erst vergangene Woche wiesen australische Ökologen im Fachmagazin "Science" darauf hin, dass der Dingo gerade den kleinen australischen Säugetieren nützt, da er deren Jäger jagt - aus Europa eingeschleppte Füchse und Katzen. Möglicherweise stabilisiert er so als letzter Landraubsäuger des Kontinents das gesamte australische Ökosystem. Und er könnte sogar dem Menschen helfen, sagt Prowse:

"Zurzeit untersuchen wir, wie Dingos Rinderfarmen beeinflussen, indem sie die Kängurupopulationen unter Kontrolle halten. Dingos töten zwar gelegentlich auch Kälber aber sie fressen vor allem Kängurus und davon profitiert die Weidequalität auf den Farmen. Das könnte einen positiven Einfluss auf die Rinderproduktion haben."

Bis heute wird der Dingo in vielen Teilen des Landes gejagt. Unter Schutz steht das letzte Landraubtier Australiens nirgendwo.

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