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StartseiteSprechstundeWenn das eigene Kind betroffen ist23.07.2019

Bipolare StörungWenn das eigene Kind betroffen ist

Mit der Diagnose Bipolare Störung zu leben, stellt nicht nur die direkt Betroffenen vor große Herausforderungen. Eine Mutter erzählt von ihrem Sohn, bei dem die Krankheit schon als Kind festgestellt wurde - mit gravierenden Folgen für das Familienleben.

Von Lennart Pyritz

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Mädchen sitzt in der Schule auf dem Boden (picture alliance / ZB/Britta Pedersen)
Die Diagnose "Bipolare Störung" hat nicht nur Auswirkungen auf die Erkrankten, sondern auch auf ihr unmittelbares Umfeld. (picture alliance / ZB/Britta Pedersen)
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"Ja, mein Sohn ist bipolar. Die Diagnose kam, als er zwölfeinhalb war. Mittlerweile ist er achtzehneinhalb. Ich erzähle einfach mal von Anfang an. Also als Kind war er immer schon ein bisschen aufgeweckt, immer ein bisschen aufgedrehter als andere vielleicht. Wo Blödsinn war, war er immer zur Stelle. Das zog sich über den Kindergarten, über die Grundschule, und die ersten Schwierigkeiten traten also wirklich dann auf, als der Übergang von der Grundschule zum Gymnasium stattfinden sollte."

Im Gymnasium treten erste Anzeichen von Depressionen auf

Manchmal beginnt der Sohn zu weinen, ohne dass er es sich selbst erklären kann. Nach Gesprächen mit Kinderpsychiatern und einer ambulanten Therapie wendet sich die Familie an die Uniklinik Köln, wo der Sohn stationär aufgenommen wird. Die Diagnose: bipolar.

"Erstmal für alle überraschend. Wie geht man damit um? Also im Familienkreis haben wir jemanden mit Depression. Also das Thema war mir dann doch schon so ein bisschen geläufig. Allerdings mit bipolar, das ist ja nochmal eine ganz andere Hausnummer. Da gehen dann die Phasen nach unten, die depressiven Phasen, da gehen die Phasen nach oben, die erste hypoman und dann die manischen Phasen. Zum Teil geht das innerhalb von Tagen, dass das umschlägt. Da muss man dann reagieren. Das ist wirklich sehr, sehr schwierig, vor allem als Mutter natürlich."
 
Das Fazit der Abschlussgespräche an der Uniklinik: Der Trubel einer normalen Regelschule würde den Sohn überfordern. Die Eltern melden ihn an einem Internat mit kleinen Klassengrößen an. 

"Er ist am Ende des Uniklinikum-Aufenthaltes auf Medikamente eingestellt worden. Das ging eine zeitlang auch ziemlich gut. Die Stimmungsschwankungen waren immer noch da, aber es war handelbar. Am Anfang hatten wir die depressiven Phasen, nachher wurden eher die manischen Phasen zum Problem, weil er dann einfach sehr, sehr schlecht steuerbar war."
 
In einer manischen Phase geht der Sohn zum Beispiel nach einer ambulanten Therapiesitzung in eine Bankfiliale, und lässt sich zur Eröffnung eines Kontos beraten. Da ist er gerade 13 Jahre alt. Auch dank der souveränen Reaktionen von Mitschülern, Betreuungs- und Lehrpersonal am Internat auf die wechselnde Stimmungsphasen erreicht der Sohn nach einigen Jahren die Fachoberschulreife. Jetzt ist er 18 und möchte das Abitur machen.

Wie genau es nun weiter geht, ist ungewiss

"Das ist auch ein bisschen so die Schwierigkeit: Da muss man auch als Elternteil, ich als Mutter besonders aufpassen, dass man nicht zu sehr den Fokus auf die Krankheit legt. Man muss unterscheiden, wo hört die Pubertät auf, wo fängt die Krankheit an. Das ist nicht ganz so einfach. Man gewöhnt sich einfach ab, Pläne langfristig zu machen, dafür sind einfach schon zu viele Dinge, die abgesagt werden mussten. Auf der anderen Seite, wenn man es positiv ausdrücken möchte: Es bleibt immer spannend, das auf jeden Fall. Aber: Wir werden sehen."

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