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StartseiteKommentare und Themen der WocheElon Musk und ein Schuss Größenwahn09.02.2021

Bitcoin auf RekordkursElon Musk und ein Schuss Größenwahn

Elon Musk und sein Tesla-Konzern haben 1,5 Milliarden Dollar in die Digitalwährung Bitcoin investiert. Der Elektroauto-Pionier will den Bitcoin auch als Zahlungsmittel akzeptieren - ein Ritterschlag sei das, meint Mischa Ehrhardt. Allerdings müsse Musk dann auch zu 100 Prozent an seine Prophezeiungen glauben.

Ein Kommentar von Mischa Ehrhardt

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Elon Musk, Tesla-CEO und Chef der Weltraumfirma SpaceX, bei der Preisverleihung des Axel Springer Award.  (dpa)
Elon Musk, Tesla-CEO und Chef der Weltraumfirma SpaceX, hat öffentlichkeitswirksam Bitcoin gekauft und damit den Kurs in die Höhe getrieben. (dpa)
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Dass Elon Musk viel Macht hat, liegt auf der Hand. Schließlich ist er der reichste Mann der Welt. Ein Mann der es sich leisten kann, über dahingeworfene Twitter-Botschaften wiederholt für Kurskapriolen an den Börsen zu sorgen. Das ist überheblich bis verantwortungslos. Wer Elon Musks neuesten Bitcoin-Coup aber inhaltlich verstehen will, muss sich mit dieser Person auseinander setzen.

Musk ist ein unternehmerischer Visionär, der konsequent seine Ziele verfolgt, manchmal auch rücksichtslos. Viele Beschäftigte in seinen Fabriken haben unter fragwürdigen Bedingungen schuften müssen, um seine ehrgeizigen Ziele zu erreichen. Das muss man kritisieren, es ist die Kehrseite seines Erfolges. 

Musk hat den mit Abstand wertvollsten Autokonzern geschaffen

Denn andererseits hat er es geschafft, im letzten Jahr rund eine halbe Million Autos zu verkaufen, Tesla in die Gewinnzone zu fahren und zum mit Abstand wertvollsten Autokonzern der Welt zu machen: Sein Unternehmen ist an der Börse mehr wert als Toyota, Volkswagen, Daimler und BMW zusammen. Die Wende hin zu alternativen Antrieben hat er betrieben, während etablierte Autobauer ihn lange belächelten. Heute hecheln sie ihm hinterher. Dass Musk nun auf die Technologie Bitcoin setzt, hat etwas von Größenwahn, und von strategischem Weitblick.

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900 Milliarden Dollar Marktwert können nicht einfach verschwinden

Denn kaum jemand bezweifelt ernsthaft, dass die Blockchain-Technologie eine Zukunft hat in unserem digitalen Alltag. Und Bitcoin ist nun Mal mit Abstand die Digitalwährung Nummer eins. Ihr Marktwert ist mit rund 900 Milliarden Dollar mittlerweile so groß, dass sie sich eine eigene Realität geschaffen hat. Sie kann nicht mehr einfach verschwinden.

Deswegen liegt der eigentlich Coup von Elon Musk darin, dass er den Bitcoin quasi zum Bestandteil einer sich-selbst-erfüllenden-Prophezeiung gemacht hat. Sie lautet: Bitcoin wird im Wert steigen und Bitcoin wird sich als Zahlungsmittel etablieren. Der Kurs der Digitalwährung hat nach dem Milliardeneinstieg von Tesla bereits schwindelerregende fast 50.000 Dollar erreicht. Dass Elon Musk gleichzeitig bekannt gegeben hat, sein Konzern werde die Digitalwährung künftig wahrscheinlich als Zahlungsmittel akzeptieren, ist schlicht ein Ritterschlag für Bitcoin. Und weil Musk auf diese Art Tesla mit Bitcoin verbunden hat, hat er Bitcoinanhängern auch gleich eine weitere Anlagemöglichkeit empfohlen - nämlich Tesla.

Anderthalb Milliarden Dollar Barreserven in den Bitcoin gesteckt

Von mindestens einem Schuss Größenwahn aber zeugt es, dass er von den Barreserven seines Tesla-Konzerns anderthalb Milliarden Dollar in den Bitcoin gesteckt hat. Wer sich den bisherigen Kursverlauf der Digitalwährung auch nur oberflächlich anschaut sieht, dass Bitcoin an einem Tag um tausende Dollar steigen – und auch wieder fallen kann. Wenn Bitcoin abstürzt, schlägt sich das künftig auch in der Bilanz von Tesla nieder. Deswegen ist eines sicher: Elon Musk muss zu 100 Prozent an seine Prophezeiungen glauben!

Mischa Ehrhardt (©privat)Mischa Ehrhardt (©privat)Mischa Ehrhardt, geboren 1974 in Bayern, studierte Philosophie und Soziologie in Tübingen und Frankfurt. Nach seinem Studium absolvierte er ein Volontariat an der Evangelischen Journalistenschule in Berlin. Es folgten Moderationen und Planung von Wissenschafts- und Mediensendungen beim Hessischen Rundfunk, dort war er lange Jahre dann als Wirtschaftsjournalist tätig. Nach sechs Jahren im ARD-Börsenstudio für das Radio arbeitet er schließlich als Wirtschaftskorrespondent für den Deutschlandfunk in Frankfurt.

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