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StartseiteKommentare und Themen der WocheWir zahlen die Kosten des übermäßigen Konsums29.11.2019

Black FridayWir zahlen die Kosten des übermäßigen Konsums

Der Black Friday zeigt, wie wir uns von der Botschaft der aggressiven Werbeschlacht verführen lassen, kommentiert Jessica Sturmberg. Übermäßiger Konsum verursache Umweltkosten, die nicht im Preis der Produkte enthalten seien. Das passe nicht mehr in unsere Zeit.

Von Jessica Sturmberg

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Einige Damen wühlen in einem bunten Handtaschenberg bei Macy´s in New York. (imago stock&people)
Black Friday: Der importierte Kaufrausch aus den USA (imago stock&people)
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Heute ist Black Friday – Schwarzer Freitag – nein, das funktioniert nicht. Das eine und das andere sind doch sehr verschiedene Ereignisse. Black Friday ist ein Einkaufserlebnistag. Und der Schwarze Freitag – das ist in den Geschichtsbüchern jener Tag, an dem 1929 die Weltwirtschaftskrise begann.

Die Botschaft mit dem Black Friday funktioniert also nur in der englischen Sprache. Sie ist in unsere Köpfe hineingewandert mit der wachsenden Marktmacht der amerikanischen Internet-Giganten, allen voran Amazon.

Was passiert an so einem Black Friday? Verbraucher ziehen einen nicht unbedeutenden Teil ihrer Weihnachtskäufe vor - in der Überzeugung an diesem Tag eine Menge Geld zu sparen.

Es findet auch zusätzlicher Konsum statt, der ohne die Rabattanreize nicht gewesen wäre.

Mitmachen auf Rabatt-komm-raus

Die Sogwirkung ist inzwischen so stark, dass andere Händler mitziehen müssen, auch wenn sie eigentlich gar nicht wollen: um nicht einen gewichtigen Teil des Marktvolumens zu verlieren. Selbst dann, wenn die höheren Umsätze nicht mehr ausgleichen, was durch die geringere Marge verloren geht. Die Krux ist, dass mit jedem weiteren Händler, der mitmacht, der Black Friday weiter in unseren Köpfen verfestigt wird als der Tag, an dem man zugreifen muss, wenn man nicht blöd sein und Geld verschenken will.

Kann man was dagegen haben? Tja. Es kommt darauf an, wie sehr wir uns davon berauschen lassen. Wie stark es ausartet. Wie sehr wir uns von der Botschaft der aggressiven Werbeschlacht verführen lassen, dass maßloser Konsum in Ordnung ist. Denn das ist er nicht mehr.

Aus der Zeit gefallener Konsum-Reflex

Übermäßiger Konsum verursacht Kosten, die nicht im Preis der Produkte enthalten sind. Wir zahlen sie alle zusammen mit schlechter Luft, sinkender Wasserqualität, vermüllten Meeren, klimatischen Veränderungen. Es passt einfach nicht mehr in unsere Zeit.

Das Dilemma ist, mit diesem Hinweis schnell in der moralischen Ecke zu landen. Aber man muss ja kein Prediger des Verzichts sein, wir können es auch einmal anders sehen: Lassen wir uns nicht von den Predigern des Konsums den Lifestyle vorgeben.

Die Gefahr ist nicht gering, dass aus Black Friday sonst tatsächlich einmal ein schwarzer Freitag wird.

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