22. November 2021Blick in die Zeitungen von morgen

Im Mittelpunkt steht die Debatte um eine allgemeine Corona-Impfpflicht.

22.11.2021

Ein Mitarbeiter vom Impfzentrum hält eine Spritze mit dem Covid-19-Impfstoff in der Hand. Das Impfzentrum Bremen in der Messehalle 7 hat den Betrieb aufgenommen.
Eine Spritze mit Covid-19-Impfstoff (dpa / Vladimir Gerdo)
Die STUTTGARTER ZEITUNG meint dazu:
"Deutschland ist Welten entfernt von einer für die Herdenimmunität erforderlichen Impfquote. Die Impfpflicht wäre eine sicher wirksame Maßnahme, um die Impfquote langfristig zu erhöhen. Sie wäre ein weniger drastischer Eingriff in die Grundrechte als die, die uns höchstwahrscheinlich wieder drohen."
Der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER bemerkt:
"Die Diskussion um eine allgemeine Impfpflicht wäre weitaus weniger ideologielastig, hätte die Politik sie nicht ausgeschlossen. Dass die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel noch im Sommer vollmundig erklärt hatte, eine Impfpflicht werde es nicht geben, gehört zu den vielen Fehlern der Corona-Zeit."
Die NÜRNBERGER NACHRICHTEN äußern sich skeptisch:
"Es ist schlicht nicht vorstellbar, dass Menschen gegen ihren Willen Biontech oder ein anderes Vakzin verabreicht bekommen. Selbst wenn sie rechtlich begründbar wäre, eine Impfpflicht für alle muss wirklich als letzte Konsequenz betrachtet werden."
Die RHEIN-ZEITUNG aus Koblenz ist überzeugt:
"Auch in der Sache führt eine Impfpflicht nicht weiter: Soll die Polizei Patienten abführen und Ärzten zum Zwangsimpfen bringen? Oder will man monatelang um Bußgeld prozessieren? Wer Impfunwillige umstimmen will, muss sie in ihrem Alltag packen. Wenn Argumente sie nicht überzeugen, dann vielleicht ein exklusiver Lockdown: Wer ungeimpft nirgendwo mehr hingehen darf außer zum Supermarkt, findet vielleicht doch den Weg zum Arzt."
Und die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG warnt:
"Die große Gefahr besteht, dass sich Impfgegner, Corona-Leugner und rechtsextreme Gruppierungen weiter radikalisieren. Die versuchte Erstürmung des Bundestages und die Krawalle in etlichen europäischen Städten mahnen, die gesellschaftliche Polarisierung nicht zu ignorieren."
Im NEUEN DEUTSCHLAND ist zu lesen:
"Wenn es wirklich nicht besser wird mit der Impfquote, dann mag eine Pflicht eine Lösung sein. Davor steht der Staat allerdings in der Pflicht, das Impfen einfacher zu machen. Wer will, dass die Quote steigt, der muss die dezentralen Impfmöglichkeiten ausbauen. Der muss dafür sorgen, dass auch am Abend und am Wochenende geimpft wird. Der muss dafür sorgen, dass Unentschlossene über die Gelegenheiten regelrecht stolpern. Dorfzentren, Supermarktparkplätze, Tankstellen: Das sind die Orte, an denen mobile Teams stehen müssen, um alle zu erreichen, die sich nicht grundsätzlich verweigern."
Die AUGSBURGER ALLGEMEINE bemängelt:
"Wenn aus der Politik nun eine 'moralische Pflicht' angemahnt wird, darf man die Frage stellen, wie sich viele politisch Verantwortliche verhalten: Haben sie nicht ebenso so in den vergangenen Monaten die Realität verdrängt? Gerade die epidemische Notlage geleugnet?"