Montag, 27. Juni 2022

23. Juni 2022
Blick in die Zeitungen von morgen

Im Notfallplan Gas gilt jetzt Krisenstufe zwei - das ist ein Thema in den Kommentaren der Zeitungen.

23.06.2022

Ein gelbes Hinweisschild mit der Aufschrift "Gashaupthahn" ist an einer Hauswand befestigt.
Wird im nächsten Winter der Gashahn zugedreht? (picture alliance / SULUPRESS.DE / Torsten Sukrow)
Der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER schreibt:
"Wirtschaftsminister Habeck tut in der Energiepolitik das, was getan werden muss. Doch offenbar reicht das nicht aus. Sonst müsste er nicht die Alarmstufe im Notfallplan-Gas ausrufen. Das bedeutet noch nicht, dass die Energie rationiert wird. Doch es ist ein Zeichen, dass Gas noch teurer werden wird und die Inflation weiter steigt."
Die AUGSBURGER ALLGEMEINE kritisiert:
"Robert Habeck macht es sich leicht und verweist darauf, dass die Schuld für die Entwicklung nicht bei der amtierenden, sondern bei der Vorgängerregierung liege, die sich zu sehr von russischem Gas abhängig gemacht und die Erneuerbaren nicht hinreichend ausgebaut habe. Der Grüne vergisst allerdings, dass er selbst bereits ein halbes Jahr Zeit hatte, die Weichen zu stellen."
Und im WIESBADENER KURIER heißt es:
"Noch gibt es keinen Zwang. Aber es ist die letzte Warnung, bevor es zur Triage kommt, also zur Selektion, wer unter Umständen im Winter noch mit Gas versorgt wird und wer nicht."
Die SÜDWEST PRESSE aus Ulm erwartet einen kompletten Lieferstopp Russlands:
"Der Ruf Russlands als zuverlässiger Rohstofflieferant ist ohnehin ruiniert, wieso also sollte Wladimir Putin abwarten, dass Europa sich nach und nach selbst unabhängig macht? Mehr Freude dürfte ihm bereiten, zuzusehen, wie Deutschland ohne die begehrte Ware in eine Wirtschaftskrise schlittert und die Zustimmung der Bevölkerung zu den Sanktionen gegen sein Land bröckelt."
Die Ukraine und die Republik Moldau sind nach dem Beschluss des EU-Gipfels nun Kandidaten für einen Beitritt zur Europäischen Union.
"Der anfängliche Widerstand gegen den Kandidatenstatus für die Ukraine und die ebenfalls von Russland bedrohte Republik Moldau schmolz dahin",
bemerkt die LUDWIGSBURGER KREISZEITUNG.
"Dennoch darf sich niemand Illusionen machen: Es ist erst der Beginn eines langen Weges."
Das glaubt auch die RHEIN-ZEITUNG aus Koblenz:
"Es wird eine Weile dauern, bis in Straßburg oder Brüssel ständig die blau-gelbe Fahne weht. Also muss die Ukraine bis dahin nicht nur mit gewichtigen Absichtserklärungen, sondern mit konkretem Tun gestärkt werden. Dieses drückt sich in militärischem, wirtschaftlichem und diplomatischem Beistand aus."
Der NORDBAYERISCHE KURIER aus Bayreuth erwartet Veränderungen auch für die Union:
"Die Aufnahme der Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine drängt die EU in eine ganz neue Rolle. Die Gemeinschaft wagt damit den direkten Interessenkonflikt mit Russland, das aus seinen imperialen Ambitionen längst kein Geheimnis mehr macht. Das bedeutet für die Europäische Union, dass nicht nur in der Außenpolitik klare Linien definiert werden müssen.