Montag, 26. September 2022

22. September 2022
Blick in die Zeitungen von morgen

Das bestimmende Thema bleibt Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine - nun steht die Teilmobilisierung in Russland im Mittelpunkt.

22.09.2022

    Der russische Präsident Wladimir Putin bei einer Fernsehansprache am 21. September 2022.
    Die Teilmobilmachung in Russland ist Thema in den Zeitungen (picture alliance / Russian President Press Office )
    "Wer Putins Weg hasst und die liberale Demokratie liebt, ist uns in Deutschland herzlich willkommen", schrieb Bundesjustizminister Buschmann bei Twitter angesichts zahlreicher russischer Männer, die nun das Land verlassen. Die ALLGEMEINE ZEITUNG aus Mainz nennt Buschmanns Satz eine "beängstigend-naive Aussage" und führt aus: "Natürlich werden unter den Verweigerern auch viele Putinhasser sein. Aber sehr viele Russen fliehen aus einem einzigen Grund: Weil sie nun selbst große Angst um ihr Leben haben. Nachdem sie zuvor monatelang den brutalen Angriff auf die Ukraine gutgeheißen hatten. Für Sozial- oder Demokratisierungsromantik ist bei diesem neuen Flüchtlingsstrom also keinerlei Platz."
    Die BADISCHEN NEUESTEN NACHRICHTEN aus Karlsruhe notieren: "Putin hat jetzt eine rote Linie überschritten. Steuert Russland auf Unruhen, auf eine Revolution gegen das Abrutschen in eine Diktatur zu? Nein. Aber es ist gut möglich, dass gerade jetzt in der Volksseele die Saat gesät wird, die eines Tages aufgeht und einen Machtwechsel in Moskau erzwingt."
    Die VOLKSSTIMME aus Magdeburg bemerkt wenig innenpolitischen Druck auf Russlands Präsident Putin: "Die Phantomschmerzen einer gedemütigten Supermacht verbinden den Diktator mit großen Teilen seines Volkes. Auch deshalb riskierte Putin den Angriff auf die Ukraine. Doch könnte sich der Kremlherr mit den Einberufungen ins eigene Fleisch geschnitten haben: Je mehr russische Reservisten fallen, umso schneller wird Putin am Ende sein."
    Die Parlamentswahl in Italien, bei der Giorgia Meloni von der rechtsnationalistischen Partei Fratelli d'Italia als Favoritin für das Amt der Ministerpräsidentin gilt, beschäftigt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG: "Meloni hatte in den vergangenen Monaten moderatere Töne angeschlagen, gegen Ende der Wahlkampagne kehrt sie nun zum üblichen Diskurs zurück, für eine Schlussmobilisierung ihrer Gefolgschaft. Es könne nicht sein, sagt sie, dass europäisches Recht über nationalem stehe, europäische Interessen über italienischen. Man hört Viktor Orban sprechen, den Bauchredner der extrem Rechten. Melonis Mäßigung war eine Maske, sie fiel schnell. Das Getöse kommt gut an bei einem Teil der italienischen Wählerschaft."
    Das HANDELSBLATT aus Düsseldorf analysiert: "Ein Sieg Melonis wäre ebenso schwer zu verkraften für Europa wie der Brexit oder ein Wahlsieg Marine Le Pens in Frankreich. Rechtspopulistischer Europa-Pessimismus gewinnt überall in Europa an Kraft - und ist inzwischen selbst in der Modelldemokratie Schweden angelangt."