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20. Juli 2018Blick in die Zeitungen von morgen

Eigentlich gibt es nur ein Thema in den Kommentaren: die Sommerpressekonferenz der Bundeskanzlerin. Die Zeitungen überbieten sich darin, Auftreten und Worte von Angela Merkel zu interpretieren - und durch Metaphern zu veranschaulichen.

Die Sommer-Pressekonferenz der Kanzlerin ist das große Thema in den Samstagszeitungen. (dpa / Arne Immanuel Bänsch)
Die Sommer-Pressekonferenz der Kanzlerin ist das große Thema in den Samstagszeitungen. (dpa / Arne Immanuel Bänsch)

"Merkel, die Felsin",

schreibt etwa die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG.

"Merkel hat ein Zeichen der Stärke gesetzt",

findet der KÖLNER STADT-ANZEIGER:

"Ganz offenkundig wollte sie nicht mehr als Königin des Chaos, sondern als tatkräftige Regierungschefin wahrgenommen werden."

Die RHEIN-ZEITUNG aus Koblenz äußert sich dementsprechend respektvoll.

"Die CDU-Chefin hat in den vergangenen zehn Monaten seit der Bundestagswahl unfassbares Stehvermögen bewiesen. Jamaika-Koalition geplatzt, nächste GroKo mühsam geschafft, Bruch der Regierung abgewendet."

Für die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG lautet die Botschaft der Kanzlerin:

"Ihr könnt mich abschreiben, so oft und so lange ihr mögt, ich bewahre die Ruhe. Und rüberbringen wollte sie offensichtlich auch dieses: Auf das Niveau von Wüterichen wie Seehofer oder Trump begebe ich mich nicht herab."

Die MITTELBAYERISCHE ZEITUNG greift das Thema auf.

"Horst Seehofer hatte gewiss nicht die Absicht, als Bettvorleger der Kanzlerin zu landen. Dennoch ist er das faktisch geworden."

Kritik gibt es aber auch an der Kanzlerin, der bei weitem nicht alle Blätter Stärke bescheinigen. Im MANNHEIMER MORGEN klingt das so:

"Merkel wagt sich nun mal nicht hervor. Ihr Kreativzentrum lahmt, wenn es ein solches je gegeben hat. Hauptsache, es geht halbwegs gut voran. Doch nicht einmal das war zuletzt noch der Fall."

Die BADISCHEN NEUESTEN NACHRICHTEN fügen hinzu:

"Die Strapazen sind ihr anzusehen."

Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG ist sicher:

"Eine 'starke' Frau im Sinne der auch in Deutschland wieder verehrten 'starken' Männer will und wird die Kanzlerin nicht mehr werden. Sie bleibt Anhängerin und Anwältin der sachlichen Auseinandersetzung und des geduldigen Ringens um den mittlerweile so oft geschmähten Kompromiss. Doch reicht es in der Innen- wie in der Außenpolitik nicht, wenn nur eine(r) Bereitschaft zur Verständigung hat und zeigt."

Die PFORZHEIMER ZEITUNG fährt in diesem Sinne fort.

"Der Wunsch nach starken Führungspersönlichkeiten wächst, er trifft zusammen mit der Sehnsucht nach nationaler Identität und Stärke. Dies ist die Mischung, die einen Trump ermöglichte, einen Erdogan, einen Brexit - und die die Union aus CDU und CSU in Deutschland beinahe zerbrechen ließ, weil niemand so recht weiß, was die Antwort auf diese Sehnsüchte ist."

Und zum Schluss noch etwas Medienkritik aus der LEIPZIGER VOLKSZEITUNG. Nach ihren Worten haben die Journalisten auf Merkels PK "herumgestochert" - und zwar in, Zitat:

"... schon ausgeglühten zurückliegenden Aufgeregtheiten. In den 90 Minuten wurde nach keinem der drei wichtigsten politischen Ereignisse des kommenden Jahres gefragt: Brexit am 29. März, Europawahl am 26. Mai und die drei Landtagswahlen in Ostdeutschland - Sachsen, Brandenburg, Thüringen - im Herbst."