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16. Juli 2018Blick in die Zeitungen von morgen

Für die Kommentatoren gibt es vor allem ein Thema: Das Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Trump und Russlands Staatschef Putin in Helsinki. Während beide Politiker eine positive Bilanz gezogen haben, äußern sich die Zeitungen kritisch.

US-Präsident Trump und sein russischer Kollege Putin bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in der finnischen Hauptstadt Helsinki (dpa/ap/Alexander Zemlianichenko)
US-Präsident Trump und sein russischer Kollege Putin bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in der finnischen Hauptstadt Helsinki (dpa/ap/Alexander Zemlianichenko)

Beide haben aus Sicht der LUDWIGSBURGER KREISZEITUNG eine Art Allianz geschmiedet:

"Eine Allianz der Unberechenbaren. Die wenigen Botschaften des Treffens klingen vordergründig gut - man habe sehr konstruktiv und produktiv miteinander geredet. Russland und die USA wollen Frieden in Syrien schaffen, viele Probleme dieser Welt wolle man angehen. Doch großes Vertrauen darf man weder in den einen noch den anderen haben."

Die STUTTGARTER ZEITUNG findet es grundsätzlich wünschenswert, dass sich die Beziehungen zwischen Washington und Moskau verbessern:

"Was aber heißt das schon, wenn niemand sicher sein kann, auf welcher Seite Trump tatsächlich steht? Zwar hat Trump offenbar die russische Einmischung in den US-Wahlkampf, die Annexion der Krim und die Moskauer Unterstützung für den syrischen Diktator Assad angesprochen. Doch klingen diese Bekundungen ebenso pflichtschuldig wie leidenschaftslos."

"Zwei Alphatiere, die sich nicht wehtun wollen",

schreiben die WESTFÄLISCHEN NACHRICHTEN aus Münster:

"Trump und Putin gefallen sich in ihren Rollen als Lenker der zwei größten Atommächte auf dem Globus. Was dieser Gipfel konkret für Syrien oder die Ukraine bedeutet, haben weder Trump noch Putin beantwortet."

Die SÄCHSISCHE ZEITUNG aus Dresden ist skeptisch, ob Helsinki wirklich einen Neuanfang in den Beziehungen beider Länder darstellt:

"Der politische Effekt ist schwer kalkulierbar - wegen der Unberechenbarkeit Trumps, dem es bei der nächsten Gelegenheit einfallen könnte, Russland wieder zum schlimmsten Feind zu erklären."

Ähnlich sieht es die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG:

"Niemand sollte glauben, dass sich nach Helsinki die Interessengegensätze zwischen Russland und den Vereinigten Staaten in Luft auflösen."

Der KÖLNER STADT-ANZEIGER gibt zu bedenken, dass niemand wisse, was Trump und Putin wirklich besprochen haben:

"Ob es vertrauliche Zusagen oder Absprachen zu Lasten Dritter gab, wird man - wenn überhaupt - erst in ein paar Monaten erahnen können. Eine derart intransparente Verhandlungsweise ist in Demokratien zumindest ungewöhnlich."

Die RHEIN-ZEITUNG aus Koblenz meint mit Blick auf das Verhältnis der USA zu Europa:

"Die kommenden Jahre könnten schwierige für Europa werden. Es könnte tatsächlich eine Zeit heraufziehen, in der Europa ohne den großen Bruder USA auskommen muss, weil Präsident Nummer 45 lieber mit autoritären Herrschern teils skurrile bilaterale Beziehungen aufbaut. Auffallend jedenfalls, wozu Trump nichts gesagt hat - zur eigentlich selbstverständlichen Verteidigung freiheitlich-demokratischer Werte."

Die BADISCHEN NEUESTEN NACHRICHTEN aus Karlsruhe bemerken:

"Trumps auffällige Begeisterung für Autokraten und seine gleichzeitige Verachtung für multilaterale Organisationen wie die Vereinten Nationen, die EU oder die Nato kommen nicht von ungefähr. Gerne wäre der Herr im Weißen Haus so mächtig und unangefochten wie die Putins, Erdogans und Kims dieser Welt, die sich weder mit einer Opposition im Lande noch mit kritischen Medien herumschlagen müssen."