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19. Oktober 2018Blick in die Zeitungen von morgen

Die Volksparteien haben offensichtlich ein Problem in Deutschland: Umfragetief für Union und SPD, die Grünen dafür oben auf - das ist eins der Hauptthemen.

Grünen-Anhänger jublen über den Erfolg ihrer Partei bei der bayerischen Landtagswahl in München. (imago / Christian Mang)
Grünen-Anhänger jublen über den Erfolg ihrer Partei bei der bayerischen Landtagswahl in München. (imago / Christian Mang)

Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG urteilt:"Welch dramatischer Absturz. Union und SPD befinden sich im freien Fall. Die neuen Umfragen zeigen: Das politische Beben von Bayern dürfte nicht das letzte gewesen sein. Die Gesellschaft verändert sich, alles wird bunter und vielfältiger, und mit ihr die politische Landschaft. Gewinner sind vor allem die Grünen, denen es besonders in städtischen und eher gutsituierten Milieus gelingt, auf die Veränderungen zu reagieren. Da sie zudem jedwedes Revoluzzer-Gehabe abgelegt und mit dem Umweltschutz ein herausragendes Kernthema haben, erreichen sie ein sehr breites, auch bürgerliches Wählerpotenzial."

Die SCHWÄBISCHE ZEITUNG aus Ravensburg meint:"Die Grünen sind längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Sie sind in verschiedene Milieus anschlussfähig und haben ihre Lehre aus dem Veggie-Day-Desaster gezogen: gute Laune statt Oberlehrertum. Dass man mit Marotten wie dem Gender-Sternchen vielen Wählern auf die Nerven geht, hat sich bei den meisten Grünen auch herumgesprochen. Ein Teil der Stärke beruht schlicht darauf, dass die Grünen dort sind, wo die SPD gerne wäre: in der Opposition."

Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG sieht vor allem das Konstrukt "Große Koalition" in der bisherigen Zusammensetzung infrage gestellt:"Nach den aktuellen Umfragen wäre die Bildung einer großen Koalition gar nicht mehr möglich. Ist der Begriff auf dem Weg, in ein anderes Kleid zu schlüpfen? Sind die Farben der großen Koalition bald nicht mehr Schwarz und Rot, sondern Schwarz und Grün?"

Und der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER prognostiziert:"Es ist jedenfalls nicht zu erwarten, dass diese Trends ausgerechnet am Tag der Hessen-Wahl gestoppt werden. SPD und CDU werden ein böses Erwachen erleben. Jetzt halten alle noch still. Aber wenn die ersten Prozentzahlen feststehen, dann wird kräftig an den Stühlen des Führungspersonals gesägt. Und einige werden auch fallen."

Ein weiteres Thema sind die Forderungen der Ost-Ministerpräsidenten im Zusammenhang mit dem Braunkohle-Ausstieg.

Die LEIPZIGER VOLKSZEITUNG äußert Verständnis für das Festhalten an der "klimaschädlichen Technologie", aus Kohle Strom zu gewinnen - aus Angst um Arbeitsplätze:"Die Ängste der Menschen sind so nachvollziehbar wie begründet. Wenn die Politik Kohleausstieg und Energiewende zum Erfolg führen will, muss sie die Sorgen der Menschen ernst nehmen. Und sie muss daran arbeiten, sie zu entkräften."

Die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt/Oder kommentiert kritisch:"Nachdem Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt es einfach verpennt haben, Konzepte für die Zeit nach der Braunkohle zu entwickeln, machen ihre Ministerpräsidenten nun in ihrer Panik genau das Falsche. Anstatt den Menschen die Wahrheit zuzumuten, anstatt ihnen zu sagen, dass ein Kohleausstieg unvermeidlich ist und man nun in einer gemeinsamen Kraftanstrengung Alternativen aufbauen muss, tun sie so, als ließe sich das Ende des fossilen Brennstoffs hinauszögern."

Und die FRANKFURTER RUNDSCHAU übt ebenfalls Kritik an den Ost-Ministerpräsidenten:"Eines aber müssen sich die Herren Woidke, Kretschmer und Haseloff fragen lassen. Nämlich, ob sie und ihre Vorgänger genug für den Strukturwandel getan haben. Haben sie nämlich nicht. Traurig, aber wahr."