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StartseiteHintergrundBlutiges Ende des "Tauwetters"23.10.2006

Blutiges Ende des "Tauwetters"

Vor 50 Jahren: Der Ungarn-Aufstand 1956

1956 begann der Aufstand in Ungarn mit einer Demonstration gegen das kommunistische Regime und die sowjetische Präsenz im Land. Hunderttausende Ungarn schlossen sich den Demonstrationen spontan an. Bei der gewaltsamen Niederschlagung durch sowjetische Truppen im November wurden rund 2600 Menschen getötet und Zehntausende verhaftet.

Von Robert Baag

Aufständische kapern 1956 in Budapest einen Panzer. (AP)
Aufständische kapern 1956 in Budapest einen Panzer. (AP)
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Hass und Erbitterung der Aufständischen kannten keine Grenzen mehr. Die Zahl der Toten erhöhte sich von Stunde zu Stunde. Die Aufständischen gewannen immer mehr an Boden. Innerhalb weniger Tage befand sich das Land in der Hand der Revolutionsräte.

Bilder, Szenen, an die sich die Universitäts-Ärztin Katalin Martonsi bis heute noch gut erinnern kann. Beinahe täglich führt sie ihr Weg am Kalvin tèr vorbei, einer damals strategisch wichtigen Kreuzung. Das "Corvin"-Kino nebenan steht bis heute als Symbol für den Kampf Budapests gegen die sowjetischen Interventionstruppen im Oktober 1956. Zahlreiche Gedenktafeln sind an der halbrunden Außenwand des Kinos befestigt, ein Denkmal vor den Stufen zeigt eine kleine Gestalt mit Stahlhelm und Gewehr.

"Das war herrlich - und wir sind sehr stolz darauf. Ich habe immer Herzklopfen, wenn ich hier bin, wenn ich die Statue dieses Knaben sehe, dann möchte ich fast weinen vor Erinnerungen."

Bela Kiraly, ein heute weit über 90 Jahre alter General, der damals als gelernter Berufsoffizier mit dem Oberbefehl über die so genannte Nationalgarde der Aufständischen betraut worden war, ist noch heute begeistert von den Barrikaden-Kämpfern vom "Corvin"-Kino:

"Eine bedeutende Gruppe unserer Aufständischen kämpfte dort. Sie waren sehr erfolgreich darin, sowjetische Panzer in die Luft zu jagen - denn sie hatten schnell den riesigen taktischen Fehler der sowjetischen Seite mitbekommen, Panzer in die engen Straßen zu schicken, ohne sie durch Infanterie schützen zu lassen. - Unsere setzten sie mit Brandflaschen, so genannten 'Molotov-Cocktails' außer Gefecht. Bald war die Gegend um das "Corvin"-Kino mit ausgebrannten Sowjetpanzern übersät. - Am 28. Oktober, morgens, sollten Sowjettruppen in einem massiven Schlag die "Corvin"-Verteidiger niederkämpfen. Aber die russischen Panzer der ersten Welle brannten auch diesmal einer nach dem anderen aus. - Kurz darauf verkündete unser Ministerpräsident Imre Nagy einen Waffenstillstand - und nicht zuletzt die Russen waren darüber glücklich, denn sie hatten bis dahin gewaltige Verluste erlitten."

Begonnen hatten diese Budapester Ereignisse schon ein paar Tage zuvor. - "Wer Ungar ist, schließt sich uns an!", rufen die jungen Leute, als sie zum Denkmal von Józef Bem ziehen, einem polnischen General, der beim Freiheitskampf der Ungarn gegen die Habsburger k.u.k.-Monarchie 1848/49 die ungarischen Freischärler angeführt hatte. - Auch in Polen war dieser Sommer, dieser Herbst 1956, eine Zeit des Umbruchs. Arbeiteraufstände gegen unzumutbare Lebensbedingungen in der Messestadt Posen waren von der kommunistischen Führung gewaltsam unterdrückt worden; allerdings: nach der so genannten "Geheimrede" des sowjetischen Parteichefs Nikita Chruschtschov - ein halbes Jahr zuvor - war ein frischer Wind im "sozialistischen Lager" zu spüren. Chruschtschov hatte im Februar '56 die Verbrechen seines Vorgängers Stalin aufgedeckt - wenn auch nur zu einem kleinen Teil. Politisches "Tauwetter" im Osten hatte eingesetzt. Eine ungarische Augenzeugin damals zu einem österreichischen Rundfunk-Reporter:

"Es war eine wunderschöne Demonstration. Die jungen Kerle haben den Zug angefangen. Sie haben Fackeln getragen, haben die roten Fahnen in die Donau geschmissen - und sind so gezogen, nicht wahr? - Inzwischen ist eine Deputation zum Radio und hat Gerö zur Verantwortung ziehen wollen, weil, der hat inzwischen diese Rede gehalten, und dort hat man vier Studenten abgeschossen. - Die zweite Provokation war vor dem Stalin-Denkmal. Dort haben sie schon wieder in die Menge hineingeschossen. Der Aufruhr ist nur entstanden, weil die Ansprache von Gerö haarsträubend war!"

Ernö Gerö, als Generalsekretär der ungarischen kommunistischen Partei seit kurzem Nachfolger von Matyas Rakosi, laut Volkes Stimme des "ungarischen Stalin", sollte diesen Auftritt politisch nicht lange überleben. Der Moskauer Historiker und Ungarn-Experte Aleksandr Stykalin kennt die einschlägigen Protokolle:

"Schon in der Nacht zum 24. Oktober wird Imre Nagy mit der Erlaubnis des Kreml neuer ungarischer Ministerpräsident. Zwar galt er den Moskowitern als Opportunist, als Revisionist - sein Ruf dort war eindeutig schlecht! - Aber: Angesichts der Lage und um die Macht zu retten, entschied man sich dennoch zu diesem Schritt. Im Kreml wusste man, dass Nagy bei breiten Kreisen der ungarischen Bevölkerung Vertrauenskredit besaß. So wie damals auch Gomulka in Polen."

Janos Kádár - von ihm wird noch die Rede sein - ist nun die neue "Nummer eins" an der Spitze der Partei. - Imre Nagy indes, der neue Ministerpräsident, gewinnt rasch an nationalem wie internationalem Profil, wird schließlich zum tragischen Helden des ungarischen Herbstes 1956 - trotz seiner an sich schillernden Biographie, die der Schriftsteller Rudolf Ungvary skizziert:

"Er war ein stalinistischer Kommunist am Anfang, stammte aus ganz einfachen bäuerlichen Kreisen in Ungarn, hat die Sowjetunion während der stalinistischen Zeiten in den 30er Jahren erlebt und wusste, wie dieses System ist. Aber er hat nach 1945 keine andere Wahl gehabt. Und noch bis zum Tage der Revolution vertrat er eigentlich den offiziellen Standpunkt einer staatsparteilichen Volksdemokratie. Und dieser Mann hat sich binnen zehn Tagen in diesem Maße ändern können, dass er für die Neutralität Ungarns sich eingesetzt hat und es erklärt hat. Er war zwar ein Getriebener, aber dass er sich dazu treiben ließ, das ist nicht deshalb gewesen, weil er ein charakterloser Mensch war, sondern weil er irgendwie dasselbe in seiner Seele nachvollzogen hat, was die Bevölkerung selbst gefühlt hat."

Doch noch ist es nicht soweit. In der Nacht zum 24. Oktober setzt Moskau seine Truppen in Marsch. Die Kämpfe in der Budapester Innenstadt halten an, auch in der Provinz gehen Aufständische auf die Straße. Teile der ungarischen Armee verbrüdern sich mit ihnen, versorgen sie mit Waffen. Die Vertreter der alten Ordnung, vor allem Angehörige der verhassten ungarischen Staatssicherheit, der AVO, werden zum Ziel des Volkszorns. Es kommt zu Lynchjustiz:

"Wenn man nur bloß so hinschmeißt: 'Es war ein Volksaufstand...'- Volksaufstand war es schon. Aber nicht nur! Die faschistischen, horthystischen und sonstigen Elemente - das kann ich Ihnen ganz bestimmt sagen - waren auch mit dabei! Und ihre Rolle in dem ganzen Aufstand ist nicht gering einzuschätzen. Obschon, selbstverständlich - die Hauptursache war natürlich der Stalinismus..."

...ist Nikolaj Portugalov sogar heute noch überzeugt, Deutschland-Experte und außenpolitischer Berater des ZK der KPdSU in den siebziger und achtziger Jahren. Denn auch von außen sei dieser Aufstand gesteuert worden - über das ungarische Programm von "Radio Freies Europa", einem vom US-Geheimdienst CIA finanzierten Propagandasender. Dass dieser Vorwurf zumindest in Teilen zutrifft, räumte die Leitung des Senders einige Jahrzehnte später übrigens selbstkritisch ein. Viel drastischere und - nicht nur in ihrem Pathos - verlogene Töne produzierte damals die zeitgenössische DDR-Propaganda:

"Viel Blut ist in den Straßen der ungarischen Hauptstadt geflossen. Arbeiterblut. Blutiger Terror gegen Arbeiter und Bauern. Das ist die Freiheit der Faschisten!"

"Das ist eine helle Lüge! Wir haben immer behauptet - und nicht nur mit Worten, sondern auch in unseren Herzen - und in unseren Sinnen dafür gestanden, dass Ungarn ein sozialistisches Land bleiben soll. Aber nicht unterwürfig an einer fremden Kolonialmacht..."

...beteuerte später im Exil Anna Kethly, sozialdemokratische Ministerin in der Koalitionsregierung von Imre Nagy, der umgehend die bürgerlichen Parteien wieder zugelassen hatte. - Auch Sandor Racz vom damaligen Budapester Arbeiterrat hat den Vorwurf der Konterrevolution später lebhaft zurückgewiesen:

"Die Revolution wurde nicht angezettelt, damit die alten Fabrikanten ihren Besitz zurückbekommen. Die Revolution brach aus, weil wir die Betriebe dem Staat aus der Hand nehmen und gemeinschaftlich verwalten wollten. Wir wollten keinen Kapitalismus. Das muss man mal ganz deutlich sagen!"

"Die ungarische Revolution wollte nicht in einen blutigen Aufstand sich entarten. Wir haben damit gerechnet, dass wir einen friedlichen Übergang von einer Diktatur, von einer Ein-Partei-Herrschaft in ein demokratisches Mehrparteien-System übergehen können. Dass so viele blutige Opfer der Einmischung der Sowjetarmee gewesen waren, das ist nicht unsere Schuld!"

Am 1. November war ersichtlich, dass sowjetische Truppen erneut dabei waren, nach Ungarn einzumarschieren, obwohl Moskau sich noch einige Tage zuvor bereit erklärt hatte, seine Soldaten abzuziehen. - Als Reaktion darauf kündigte Nagy umgehend Ungarns Mitgliedschaft im Warschauer Pakt, verkündete zugleich die Neutralität Ungarns - und hoffte ansonsten auf die Hilfe der UNO. Die Sowjetunion indes blieb davon unbeeindruckt, denn - so Aleksandr Stykalin - inzwischen hatte sich das Rad der Weltgeschichte weitergedreht: Frankreich, Großbritannien, Israel und Ägypten hatten sich in der Suez-Krise ineinander verhakt. Allerdings, so Stykalin:

"Zur Veröffentlichung noch immer nicht freigegeben sind die Depeschen aus der sowjetischen Botschaft in Washington zwischen Ende Oktober und Anfang November 1956. Mit Sicherheit vorhanden sind Aufzeichnungen über Gespräche, die sowjetische Diplomaten etwa im State Departement, dem US-Außenministerium, geführt haben. Diese Meldungen lagen dem Präsidium des ZK der KPdSU bestimmt vor und haben es in der Auffassung bestärkt, dass die USA wegen Ungarn zu einem Krieg nicht bereit seien."

"Soviets never would have given up Hungary!"

"Die Sowjets hätten Ungarn nie aufgegeben!", ist dagegen Bela Kiraly überzeugt, der als Oberkommandierender der Nationalgarde den Kampf der ungarischen Revolutionäre gegen die Sowjettruppen koordiniert hatte. Das Verhängnis für Ungarn war inzwischen nicht mehr aufzuhalten. - Parteichef Janos Kádár, der auf die Seite Moskaus übergelaufen war, meldete sich am frühen Morgen des 4. November 1956 über den Provinzsender Csolnok:

"Eine ungarische revolutionäre Arbeiter- und Bauernpartei wurde gebildet. Die edlen Ziele der in unserer Heimat am 23. Oktober geborenen Massenbewegung waren die Beseitigung der partei- und volksfeindlichen Verbrechen von Rakosi und seiner Clique sowie die Verteidigung der nationalen Unabhängigkeit und Souveränität. - Die Schwäche der Regierung Imre Nagy erlaubte es den konterrevolutionären Elementen, die sich in diese Bewegung eingeschlichen und wachsenden Einfluss gewonnen hatten, unsere sozialistischen Errungenschaften, unseren Volksstaat und die Macht der Arbeiter und Bauern, ja unser ganzes Volk zu gefährden."

Doch: Auch Imre Nagy wandte sich an seine Landsleute. Über das Budapester "Radio Kossuth" lief in mehreren Sprachen der Inhalt seiner kurzen Ansprache. Nagy selbst hatte zu dieser Zeit bereits in der jugoslawischen Botschaft Asyl erhalten:

"Achtung, Achtung! Hier spricht das Freie Radio Kossuth / Budapest! Heute Morgen haben die sowjetischen Truppen die ungarische Hauptstadt angegriffen, mit dem offensichtlichen Zwecke, die gesetzliche Regierung Ungarns zu stürzen. Unsere Truppen stehen im Kampfe. Die Regierung steht auf ihrem Posten. Das gebe ich dem Volke des Landes und der Öffentlichkeit der Welt bekannt!"

Der ungleiche Kampf - David gegen Goliath - hatte begonnen. Die Weltöffentlichkeit war von der sowjetischen Brutalität schockiert. Dieser eigentlich schon hoffnungslose Hilferuf der Publizistin Eva Háy - ausgestrahlt über einen Untergrund-Sender - rührte und bewegte damals viele Menschen:

"Helft Ungarn! Helft den ungarischen Schriftstellern, Wissenschaftlern, Arbeitern, Bauern, Intellektuellen! Helft! Helft! Helft!"

In den Vereinten Nationen gab es Proteste gegen das sowjetische Vorgehen. Konkrete Hilfe aber für die bedrängten Ungarn - die gab es nicht. Deren Widerstand brach rasch zusammen:

"Achtung, Achtung! Hier spricht Radio Csokonoj. Wir unterbrechen unsere Sendungen für unbestimmte Zeit. Wir unterbrechen unsere Sendungen für unbestimmte Zeit. Lebt wohl! Es lebe die Freiheit! Es lebe das freie ungarische Volk!"

Etwa 200.000 Ungarn verließen damals fluchtartig das Land. Sie trafen auf eine große Welle der Hilfsbereitschaft in Österreich, in Deutschland und anderen westlichen Ländern, die ihnen ohne zu zögern Asyl boten. 15- bis 20.000 Menschen - so wird geschätzt - sollen im Verlauf der Kämpfe ums Leben gekommen sein. Otto Suhr, damals Regierender Bürgermeister von Westberlin, traf wohl die Stimmung der Mehrheit der Menschen, als er Anfang November 1956 in einer Sondersitzung des Abgeordnetenhauses sagte:

"Gleichgültig, wie der Kampf in Ungarn ausgehen wird, die Sowjetunion hat hier ihr Gesicht verloren. Gerade die Arbeiter, die Bauern und die Studenten, gerade diejenigen, die der Kommunismus am ersten anspricht, haben sich am leidenschaftlichsten gegen ihn gewandt."

Zynisch und dreist die Replik des DDR-Rundfunks. Moderator Karl-Eduard von Schnitzler und der SED-Spitzenpolitiker Horst Sindermann vergossen Krokodilstränen:

"Getrauert wird selbstverständlich heute mit Recht. Dass man also in Westberlin, dass Herr Suhr da aufgefordert hat, schwarze Fahnen zu hissen - die SS soll die übrig gebliebenen Fahnen wieder rausrücken wahrscheinlich - ich meine, das geschieht mit vollem Recht, denn Ungarn ist für sie eine verlorene Schlacht. - Wir trauern auch um die vielen Menschen. Aber sie trauern um die Niederlage der Konterrevolution. Das ist eine ganz andere Sache. Das hat nichts mit menschlichen Gefühlen zu tun sondern mit politischen Überlegungen zum Sturze einer sozialistischen Macht."

Und diese Macht schlug erbarmungslos zurück. Anderthalb Jahre später wurde Imre Nagy nach einem Geheimprozess im Budapester Zentralgefängnis gehenkt und anschließend mit dem Gesicht nach unten auf einem anonymen Gräberfeld verscharrt. Erst nach der Wende, 30 Jahre später, konnte er exhumiert und würdig bestattet werden. - Die Terrorjustiz des Kádar-Regimes ließ diversen Berechnungen zufolge 230 oft noch sehr junge Menschen hinrichten. Tausende verschwanden jahrelang hinter Gittern. Familien, Existenzen wurde zerstört. - Anna Kethly, sozialdemokratische Ministerin im Exil, kommentierte Mitte Juni 1958 tief erschüttert Imre Nagy's Galgentod:

"Diese Schreckensurteile und Hinrichtungen bedeuten einen grausamen Versuch, an das ungarische Volk, sie einzuschüchtern und dadurch diesen Widerstand zu brechen. Die zielbewusste Veröffentlichung der Schreckensurteile am 17. Juni, am Jahrestag des Ostberliner Aufstands ist eine höhnische Herausforderung, bedeutet aber gleichzeitig die Warnung an alle unterjochten Satellitenvölker, dass die Diktatur eine Lockerung, eine Liberalisierung der eisernen Disziplin und Unterwürfigkeit nicht duldet und nicht dulden kann."

Umso erstaunlicher, verstörender daher das aktuelle Stimmungsbild in Ungarn. Meinungsforscher wollen herausgefunden haben, das sich genau 50 Jahre nach dem "ungarischen Herbst" zwei Drittel aller Menschen dort nach der Kádár-Zeit zurücksehnen, nach dem so genannten "Gulasch-Kommunismus", nach ihrer - so das alte Klischee - angeblich "fröhlichsten Baracke im sozialistischen Lager". - Und Janos Kádár halten sie im Übrigen nicht für einen "Judas", sondern für den größten ungarischen Politiker des 20. Jahrhunderts. - Ein Befund, der den Budapester Schriftsteller Rudolf Ungvary, im Herbst 1956 in der Provinzstadt Miskolc als Student selbst in der Revolution aktiv, illusionslos feststellen lässt:

"Dieses Land hat eine glorreiche Geschichte und einen permanenten Untergang gleichzeitig gehabt. Und diese Erfahrungen haben die Leute ebenfalls skeptisch gemacht für jede Änderung. Und die heutige Nostalgie beruht einfach auf der Trägheit der politischen Kultur in der großen Masse. - Sie wollen sich nicht damit konfrontieren, dass ihr Schicksal in ihrer eigenen Hand liegt, was das Politische anbelangt. Weil das natürlich mehr Verantwortung und mehr Selbstverständnis für die eigene Identität verlangt. Und da es an der Identität mangelt, einer durchdachten und durchlebten Identität, dadurch ist der politische Charakter eines großen Teiles der Bevölkerung in einem wankenden Zustand. Und diese Art von Unsicherheit sehnt sich im Grunde genommen nach geregelten politischen Systemen. - Im Grunde genommen ist es ein Wunder, dass es in Ungarn heute doch eine Demokratie gibt!"

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