Mittwoch, 21.08.2019
 
Seit 17:35 Uhr Kultur heute
StartseiteKommentare und Themen der WocheKrüger verlässt die Bayerischen Mobbing-Werke05.07.2019

BMW-Chef Krüger verlässt die Bayerischen Mobbing-Werke

Dass eine saubere Performance wie die von BMW unter der Führung von Harald Krüger nicht zur Vertragsverlängerung reicht, sagt viel über den Druck und die Angst in der deutschen Automobil-Industrie aus, meint Michael Watzke. Um seine Zukunft muss sich Krüger dennoch keine Sorgen machen.

Von Michael Watzke

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Harald Krüger, Vorstandsvorsitzender der BMW AG bei einer Bilanzpressekonferenz des Unternehmens (dpa / Tobias Hase)
BMW trägt in der Diesel-Affäre bisher als einziger großer deutscher Autobauer eine weiße Weste (dpa / Tobias Hase)
Mehr zum Thema

BMW-Chef Krüger nimmt seinen Hut

Software-Entwicklung Neuer VW-Standort in München?

Die Abkürzung BMW steht eigentlich für "Bayerische Motoren-Werke". Man kann BMW aber auch als "Bayerische Mobbing-Werke" buchstabieren. Wie bestimmte BMW-Kreise ihren Chef Harald Krüger über Monate und Jahre weichgekocht und heute schließlich abgeschossen haben – das ist selbst im Haifischbecken Automobil-Industrie beispiellos.

Denn die Gerüchte um Harald Krüger waberten, seit der BMW-Chef 2015 auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt bei einer Modell-Präsentation auf offener Bühne zusammengebrochen war. Fortan streuten BMW-nahe und sogar firmeninterne Büchsenspanner das Gerücht, Krüger sei zu schwach für den Topjob in München. Da konnte der 53-Jährige Quartal für Quartal neue Rekordzahlen präsentieren – mehr Umsatz, höherer Gewinn, beste Rendite der Firmengeschichte - richtig zufrieden waren sie in der BMW-Niere am Olympiapark nie. Entweder hatte Daimler noch bessere Zahlen – oder ein neues Modell verkaufte sich weniger gut als erhofft. Ein einziger Quartals-Verlust reichte, um Krüger abzusägen.

Der Chef Krüger: besonnen, nicht aggressiv

Sicher hat der BMW-Chef Fehler gemacht: Er hat die Elektro-Offensive des Unternehmens nicht aggressiv genug vorangetrieben. Nach dem mäßig erfolgreichen i3 kam lange nichts nach. Teslas "Model S" lief dem 7er BMW den Rang ab.

Aber ist es nicht ironisch, dass der manisch twitternde Geld-Verbrenner Elon Musk noch immer Tesla-Chef ist, während der besonnene Krüger gehen muss? Jener BMW-Chef, dessen Firma in der Diesel-Affäre bisher als einzige der großen deutschen Autobauer eine weiße Weste trägt? Rupert Stadler, Ex-Audi-Chef: monatelang in U-Haft. Martin Winterkorn, Ex-VW-Chef: kurz vorm Knast. Dieter Zetsche, Ex-Mercedes-Chef – gerade nochmal davongekommen.

Der Ingenieur Krüger: technologieoffen

Krüger ist kein Autokrat – wie Winterkorn es war. Er ist kein Showman – wie Zetsche. Auch kein Visionär – wie Musk. Er bringt den Sachverstand und die Analytik eines Maschinenbau-Ingenieurs mit. Er ist ein glühender Verfechter der Technologie-Offenheit, das heißt: BMW forschte unter seiner Führung an Verbrennungs-, Elektro- und Wasserstoff-Antrieben. Um, so Krüger, gewappnet zu sein für jede Art zukünftiger Mobilität. Mal sehen, ob sein möglicher Nachfolger Oliver Zipse an diesem Prinzip festhält.

Um Harald Krüger muss man sich keine Sorgen machen. Bis April 2020 verdient er knapp acht Millionen Euro pro Jahr. Und er wird nicht arbeitslos werden. Aber dass eine saubere Performance wie die von BMW unter seiner Führung nicht zur Vertragsverlängerung reicht, sagt viel aus über den Druck und die Angst in der deutschen Automobil-Industrie. Krügers Nachfolger wird hart arbeiten müssen, um das Klima zu verbessern: das Weltklima ebenso wie das Klima bei BMW.

Michael Watzke  (©Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Michael Watzke (©Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Michael Watzke, geboren 1973 in Remscheid, absolvierte die Deutsche Journalistenschule. Er studierte Politik und Soziologie in München und Washington DC. Nach Stationen bei SZ und BILD arbeitete er als Chefreporter für Antenne Bayern. 2003 gewann er den Axel-Springer-Preis. Danach Ausbildung an der Drehbuch-Werkstatt der HFF München. Als Autor des TV-Dramas "Das letzte Stück Himmel" (Regie: Jo Baier) erhielt er den Robert-Geisendörfer-Preis und war für den Deutschen Fernsehpreis nominiert. Arbeit als Regisseur und Produzent. Seit 2010 berichtet er für Deutschlandradio als Bayern-Korrespondent aus München.

 

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk