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StartseiteWirtschaftsgesprächAirbus als wahrscheinlicher Branchensieger23.10.2019

Boeing-QuartalsberichtAirbus als wahrscheinlicher Branchensieger

Airbus dürfte in diesem Jahr erstmals seit Langem den Branchenführer Boeing überholen. Das zeichnet sich bereits vor der Veröffentlichung des Quartalsberichts ab. Grund sind drei Flugzeugabstürze mit der Boeing 737 Max. Der Konzern geht von einer Aufhebung des Startverbots noch in diesem Jahr aus.

Von Günther Hetzke

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Ein Flugzeug des Typs Boeing 737 Max 9 (imago images / Xinhua)
Die Unglücksmaschine Boeing 737 Max: eigentlich ein Verkaufsschlager des Konzerns (imago images / Xinhua)
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Heute geht es nicht um Staatsbeihilfen für die Flugzeugindustrie, warum ist Boing Gesprächsthema?

Heute wird der neue Quartalsbericht des Unternehmens erwartet. Wir wissen bereits, dass beim US-Flugzeugbauer der Chef der Sparte für Passagiermaschinen, Kevin McAllister, mit sofortiger Wirkung entlassen wurde. Das ist die bisher weitreichendste Personalentscheidung bei Boeing seit Beginn der Krise mit dem Maschinentyp 737 MAX.

Ein sehr trauriges Kapitel. Denn es gab zwei Flugzeugabstürze mit Maschinen von Boeing vom Typ 737 Max, bei denen insgesamt 346 Menschen starben. Daraufhin wurde das Flugzeugmodell weltweit ab März mit einem Flugverbot belegt, damit der Fehler gefunden und behoben werden kann. Es war nicht irgendein Modell, es war der Verkaufsschlager von Boeing. Jetzt hat die Ratingagentur Standard & Poor's auch noch die Kreditwürdigkeit des Konzerns von "stabil" auf "negativ" gesenkt - eine herbe Entscheidung.

Mit welcher Begründung erfolgte dieser Schritt?

Die Aufklärungsarbeit über die Unglücke läuft rundum schlecht, sogar von Täuschung ist die Rede. Boeing steht da ebenso heftig in der Kritik wie die US-Luftfahrtbehörde. Zudem ist eine Vielzahl von Klagen anhängig, unter denen die Finanzstärke des Konzerns leiden könnte. Bereits im letzten Quartalsbericht, in den Monaten direkt nach dem verhängten Flugverbot, gab es einen Umsatzeinbruch um 35 Prozent - der Konzern verbuchte Rekordverluste in Höhe von 2,6 Milliarden Euro allein in diesen drei Monaten.

Boeing wird heute einen neuen Quartalsbericht vorlegen. Wird da eine ähnliche Entwicklung erwartet?

Auch im neuen Quartalsbericht ist von einer ähnlichen Entwicklung auszugehen. Interessant könnte es jedoch unter dem Gesichtspunkt Airbus gegen Boeing werden. Auch wenn sich der Vergleich zwischen den beiden Konzernen angesichts des Leids der Angehörigen oder Freunden der Toten verbietet, wird da natürlich auch hingeguckt.

Ist schon absehbar, wer in diesem Jahr die Nummer eins auf dem Luftfahrtsmarkt sein wird?

Es liegen bereits aktuelle Zahlen zu den Flugzeugauslieferungen vor: Die sind bei Boeing von Januar bis September um 47 Prozent eingebrochen im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum. Ein Desaster.

Konkret in Zahlen: Bis einschließlich September hatte Boeing 302 Flugzeuge ausgeliefert, Airbus 571 – diesen Vorsprung für 2019 kann Boing eigentlich nicht mehr einholen. Airbus dürfte damit den bisherigen Weltmarktführer wohl erstmals seit Jahren wieder als Branchenführer ablösen.

Das könnte sich jedoch, sobald Boeing seine Probleme im Griff hat, umgehend wieder ändern. Beide Flugzeugbauer sind ausgebucht, Airbus kann also schlicht gar nicht mehr ausliefern als jetzt schon und liegt nur vorne, weil Boeing sich ausgebremst hat.

Wann wird das Startverbot für den Unglücksflieger wieder aufgehoben?

Boeing selbst geht immer noch davon aus, dass das Startverbot für den Unglücksflieger noch in diesem Jahr aufgehoben wird. Drei große US-Fluggesellschaften, die den Flieger in ihrer Flotte haben, haben den Einsatz bis Anfang, teils bis Mitte Januar gestrichen. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit, die eigene Flugtests mit der 737 MAX plant, rechnet auch mit Januar, eine wichtige US-Pilotenvereinigung sogar erst mit Februar. Aber wann auch immer der Flieger wieder abheben wird, es muss noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden. Und dieses Kapitel Aufarbeitung, das wird noch Jahre dauern.  

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