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StartseiteVerbrauchertippVerletzungen und Brände in der Silvesternacht vermeiden27.12.2019

Böller, Raketen und CoVerletzungen und Brände in der Silvesternacht vermeiden

Hohe Verletzungs- und Brandgefahr, laut, umweltschädlich: Es gibt viele Gründe, die gegen das Feuerwerk sprechen. Wer dennoch das neue Jahr mit Böllern und Raketen begrüßen möchte, sollte nicht nur beim Kauf, sondern auch bei der Lagerung und beim Entzünden einiges beachten.

Von Anja Nehls

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Silvesternacht in Berlin mit Feuerwerk (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)
Beim Kauf von Feuerwerkskörpern sollten Verbraucher unbedingt auf das CE-Zeichen achten, raten Experten (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)
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Die Feuerwerksrakete steigt hoch in die Luft – allerdings ist der Farbeffekt am Nachmittag in der strahlenden Wintersonne weniger beeindruckend. Auf dem Testgelände der Bundesanstalt für Materialforschung und Prüfung, BAM, mitten in einem Wald südlich von Berlin, geht es Prüfer Christian Lohrer aber auch nicht um Schönheit, sondern um Sicherheit. Besonders häufig kommt es beim Anzünden von Feuerwerksbatterien mit vielen Schüssen und Effekten zu Unfällen:

"Ein großes Gefährdungspotenzial bildet hier der erste Schuss. Insofern ganz wichtig, wenn Sie den Gegenstand anzünde, gehen Sie in die Knie und dann am langen Arm im Prinzip direkt an die Anzündschnur gehen, mit der Zündquelle, zum Beispiel Feuerzeug. So dass Sie, falls Wind ist und die Flamme nicht die optimale Stelle trifft, von der Anzündschnur, dass Sie den ersten Schuss nicht direkt ins Gesicht kriegen."

Schutzabstände und Sicherheitsbestimmungen unbedingt einhalten

Silvesterfeuerwerk wie zum Beispiel Raketen, Feuerwerksbatterien oder Knallkörper gehört zur Gefährdungskategorie F2. F3 ist Profifeuerwerk, das nur mit behördlicher Erlaubnis benutzt werden darf. Zur Kategorie 1 gehören Tischfeuerwerk und Wunderkerzen. Das übliche Silvesterfeuerwerk mit F2 darf nur im Freien angezündet werden und ein Schutzabstand von acht Metern ist unbedingt einzuhalten. Für das Starten von Raketen sei eine leere Flasche aber nicht ausreichend, besser wäre es, wenn die Flasche mit der Rakete stabil in einem Kasten steht, meint Lohrer:

"Die Realität vor Ort sieht häufig anders aus, da werden die Raketen entweder in Schneehaufen gesteckt oder in die Erde. Können wir nur ganz dringend von abraten, denn je nach Untergrund oder je nach Haufenzusammensetzung, die mehr oder weniger fest sein kann, reicht dann der Schub des Raketenmotors nicht aus, um in den Himmel zu kommen. Und dann haben Sie eine Ground-Explosion und dafür sind die Prüfung und Bewertung gar nicht ausgelegt."

Nur geprüfte Feuerwerkskörper verwenden

Denn bei der Prüfung von Raketen gehe man von einer Explosion in 60 Metern Höhe aus – auch im Hinblick auf den Schallpegel. Nur geprüftes Feuerwerk sollte verwendet werden, rät Christian Lohrer:

"Nicht geprüftes und damit auch illegales Feuerwerk identifiziert man damit, dass kein CE-Zeichen vorhanden ist. Können auch eindeutige Zeichen sein wie Totenköpfe, all das sind sichere Anzeichen, dass es kein ordentlich geprüftes Feuerwerk ist. Kein normaler Feuerwerkshersteller würde irgendwie Totenköpfe auf den Gegenständen anbringen. Auch wenn Sie die Schrift nicht entziffern können, wenn Sie kyrillische Buchstaben drauf haben zum Beispiel, dann ist das klar, dass der Gegenstand nicht für den deutschen Markt vorgesehen ist."

Lediglich Tischfeuerwerke und Wunderkerzen dürfen in geschlossenen Räumen gezündet werden (imago)Brennende Wunderkerze (imago)

Feuerwerkskörper sicher lagern

Wer Feuerwerk für die gesamte Nachbarschaft einkaufen will, muss ebenfalls vorsichtig sein. Mehr als 50 Kilogramm dürfen nicht transportiert werden. Und einfach im Schlafzimmer unters Bett legen geht auch nicht, sagt Alexander Von Oertzen von der BAM

"In bewohnten Räumen dürfen Sie eine Menge aufbewahren, die bis ein Kilo Nettoexplosivstoffmasse geht, von dem, was da wirklich drin ist an Schwarzpulver und anderen explosionsgefährlichen Stoffen. Diese Angabe befindet sich aber auf jedem Feuerwerkskörper drauf und dann können Sie das ein bisschen addieren.

In einem nicht bewohnten Raum in einem bewohnten Gebäude dürfen Sie bis zu 10 Kilogramm Nettoexplosivstoffmasse aufbewahren, das wäre zum Beispiel eine Kammer oder ein Kellerraum oder vielleicht ein Gästezimmer, was nicht bewohnt ist."

Zahlreiche Verletzte, schwere Brände und tote Tiere

Jedes Jahr kommt es in der Silvesternacht zu zahlreichen schweren Unfällen, teilweise mit abgesprengten Händen oder Fingern oder Verbrennung im Gesicht. Außerdem zu Tausenden Bränden und unzähligen toten Tieren, die durch die Knallerei in Panik geraten. In einigen Innenstädten in Deutschland ist das Feuerwerk inzwischen verboten. Andere Länder in Europa verzichten komplett auf Feuerwerk.

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