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StartseiteInterview"Ludwig van Beethoven reicht für die ganze Welt"20.12.2019

Bonner OB Ashok-Alexander Sridharan "Ludwig van Beethoven reicht für die ganze Welt"

Ashok-Alexander Sridharan, Oberbürgermeister von Bonn, rechnet im 250. Geburtsjahr von Ludwig van Beethoven mit Tausenden Besuchern. 2020 finde eine Veranstaltungsreihe zu seinen Ehren statt, sagte er im Dlf. Auch wenn Beethoven 22 Jahre in Bonn gelebt habe, sei seine Musik für die ganze Welt.

Ashok-Alexander Sridharan im Gespräch mit Christoph Heinemann

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Portraitfoto von Ashok Sridharan, Oberbürgermeister von Bonn (dpa)
Ashok Sridharan ist seit Oktober 2015 Oberbürgermeister von Bonn (dpa)
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Heinemann:  In Bonn gibt es eine Beethoven-Straße, eine Beethoven-Allee, eine Beethoven-Halle, ein Beethoven-Gymnasium. Sicher ist: Ludwigs Geburtsstadt wird das Beethoven-Jahr mit voller Wucht zu spüren bekommen, und deshalb ist jetzt Ashok-Alexander Sridharan am Telefon, der Oberbürgermeister der Bundesstadt. Guten Morgen!

Ashok-Alexander Sridharan: Guten Morgen, Herr Heinemann!

Heinemann: Herr Sridharan, was wäre Bonn ohne Beethoven?

Sridharan: Bonn ohne Beethoven wäre natürlich auf der einen Seite viel, viel ärmer, weil er ist einfach der größte Sohn unserer Stadt. Auf der anderen Seite wäre Bonn trotzdem eine Stadt mit einem umfangreichen Kultur- und Sportangebot, eine Wirtschaftsstadt und eine internationale Stadt mit den Vereinten Nationen.

Heinemann: Wäre es für Bonn besser gewesen, wenn Beethoven dort geblieben und nicht vom Rhein an die Donau gezogen wäre?

Sridharan: Sehen Sie, Beethoven ist ja nicht nur in Bonn am Rhein geboren, sondern er hat auch 22 Jahre seines Lebens hier verbracht, und er hat in Bonn alles gelernt, was ihn zu dem Genius in der Musikgeschichte gemacht hat. Und es ist rein spekulativ, ob er, wenn er in Bonn geblieben wäre, vielleicht noch bekannter, wenn das überhaupt geht, geworden wäre, oder ob er sich in eine andere Richtung entfaltet hätte.

Heinemann: Aber Sie müssen den Ludwig mit Wien teilen. Reicht Beethoven für zwei Städte?

Sridharan: Auf jeden Fall! Ich finde, Ludwig van Beethoven reicht für die ganze Welt und seine Musik ist ja auch für die ganze Welt. Insofern möchten wir uns gar nicht mit Wien darüber streiten, ob er jetzt Bonner oder Wiener ist. Er ist definitiv in Bonn zur Welt gekommen und hat 22 Jahre seines Lebens hier verbracht, auch die ersten Stücke hier bei uns in Bonn geschrieben und die ersten Auftritte gehabt. Insofern gönnen wir den Wienern, dass er dann auch ein paar Jahre in Wien gelebt hat, wo er letztlich auch bis zu seinem Tod war.

"Bonn hat aber auch seine Reize"

Heinemann: Sie sind, Herr Sridharan, als Oberbürgermeister Standortpolitiker. Was hatte Wien zu bieten, was Beethoven in Bonn nicht hätte haben können?

Sridharan: Das kann ich Ihnen, ehrlich gesagt, nicht sagen. Auf der einen Seite ist Wien natürlich in der damaligen Zeit die Musikmetropole, ich denke mal, weltweit gewesen. Auf der anderen Seite ist Wien auch sehr viel größer gewesen. Bonn hat aber auch seine Reize und hatte seine Reize ja auch schon zu Beethovens Zeit. Er wollte ja auch immer mal wieder nach Bonn zurückkommen, was er leider Gottes nicht geschafft hat.

Heinemann: Was bringt Beethoven der Stadt Bonn wirtschaftlich?

Sridharan: Beethoven bringt der Stadt Bonn wirtschaftlich einerseits ganz, ganz viele Besucherinnen und Besucher – nicht nur im Beethoven-Haus, sondern auch zu den Veranstaltungen, die wir anlässlich des großen Sohnes unserer Stadt immer veranstalten. Das ist das jährliche Beethoven-Fest. Das sind aber auch viele andere Veranstaltungen.

Im kommenden Jahr, im Jahr 2020, seinem 250. Geburtstagsjahr, rechnen wir mit zig tausend Besucherinnen und Besuchern, die nicht nur das neugestaltete Beethoven-Haus betrachten möchten, besuchen möchten, sondern auch eine der unzähligen Veranstaltungen, die wir anlässlich seines 250. Geburtstages bei uns in Bonn durchführen.

Heinemann: Was wird für Sie der Höhepunkt sein?

Sridharan: Es sind so viele Höhepunkte, Herr Heinemann, dass ich Ihnen nicht einen ganz besonderen benennen kann. Wir hatten einen fulminanten Auftakt am vergangenen Montag, seinem vermeintlichen 249. Geburtstag – vermeintlich deswegen, weil wir keinen Geburtseintrag haben, sondern ausschließlich den Taufeintrag für den 17. 12. Wir werden weitere, wirklich ganz großartige Konzerte haben mit Currentzis. Wir werden aber auch Open-Air-Veranstaltungen haben mit unserem Beethoven-Orchester, mit Popstars, mit weltweit berühmten Popstars. Es ist wirklich für jeden etwas dabei und den Höhepunkt werden wir dann haben, wenn unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 17. 12. Das Abschlusskonzert stattfindet.

"Er hat 22 Jahre seines Lebens hier bei uns verbracht"

Heinemann: Wird der Rummel Ludwig gerecht?

Sridharan: Es ist ja kein Rummel im herkömmlichen Sinne, sondern es ist eine Veranstaltungsreihe zu Ehren Ludwig van Beethovens, und ich bin fest davon überzeugt, dass es ihm selber gefallen hätte.

Heinemann: Was sollten die Menschen, die in Bonn leben, oder die Besucherinnen und Besucher Ende 2020 über Beethoven auf jeden Fall wissen?

Sridharan: Sie sollten auf jeden Fall wissen, dass er in Bonn zur Welt gekommen ist, dass er 22 Jahre seines Lebens hier bei uns in Bonn verbracht hat, dass seine Musik für alle Bürgerinnen und Bürger geschrieben war, für Menschen auf der ganzen Welt, und dass wir genau diesen Ansatz verfolgen, dass bei den Veranstaltungen, die wir im kommenden Jahr durchführen, für jeden und jede etwas dabei sein wird, ein Festival-Jahr für alle Bürgerinnen und Bürger.

Heinemann: Sie sind selbst gebürtiger Bonner. Wann und wie sind Sie erstmals auf den großen Ludwig gestoßen?

Sridharan: Ich bin tatsächlich hier in Bonn zur Welt gekommen, 1965. Und ich bin als junger Mensch, als Kind erstmals mit Ludwig van Beethoven in Berührung gekommen, weil ich im Schulchor gesungen habe, und das erste Konzert, an dem ich teilnehmen durfte, in der fünften Klasse damals, da haben wir die Ode an die Freude gesungen.

"Wir Rheinländer sind von Natur aus sehr fröhliche Menschen"

Heinemann: Bleiben wir mal bei der Fünften Sinfonie. Die ist ja so ungefähr 1807 oder 1808 in Wien beendet worden. Die beginnt mit einer Achtelpause, dann haben wir drei Achtelnoten G, eine halbe Note S. Die Sinfonie beginnt mit einer Pause, und Sie wissen: Der Kabarettist Konrad Beikircher hat daraus geschlossen, Beethoven sei auch in Wien immer Rheinländer geblieben, denn wo, wenn nicht im Rheinland, beginnt man eine Arbeit mit einer Pause. Erkennen Sie Ihre Stadt in dieser Werkanalyse wieder?

Sridharan: Wir Rheinländer sind von Natur aus sehr fröhliche Menschen. Wir nehmen uns auch die Zeit, wobei das beim Terminkalender eines Oberbürgermeisters schon mitunter etwas schwierig ist. Wir nehmen uns die Zeit zur Ruhe und zur Besinnlichkeit und insofern kann ich Konrad Beikircher, der ja selber auch in Bonn lebt, da sicherlich zustimmen und kann noch hinzufügen, dass Beethoven ja wirklich Zeit seines Lebens unsere Mundart gesprochen hat, die rheinische Mundart gesprochen hat. Und er war Zeit seines Lebens mit der Stadt und ihren Menschen verbunden, was sich aus dem umfangreichen Briefwechsel ergibt.

Heinemann: Welches ist Ihr Lieblingswerk?

Sridharan: Der erste Satz der fünften Sinfonie ist schon mit das Beste, was es in der Musikgeschichte gibt, und deswegen ist das mein Lieblingswerk von Ludwig van Beethoven. Aber die kurfürstlichen Sonaten finde ich auch extrem toll – nicht nur, weil er sie hier in Bonn geschrieben hat, sondern weil es der Ausdruck des jungen Ludwig van Beethovens ist, der sich dann weiterentwickelt hat. Das sind die Werke, die mir am besten gefallen.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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