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Boris Johnson in Berlin Drei legendäre Worte

"We can do it. Wir schaffen das", sagte Boris Johnson beim Antrittsbesuch bei Kanzlerin Angela Merkel in Berlin. Der britische Premierminister meinte damit eine gemeinsame Linie beim Brexit - und war damit wohl ein bisschen zu optimistisch.

Von Stephan Detjen

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, 2.v.l.) begrüßt Boris Johnson (l), Premierminister von Großbritannien, mit militärischen Ehren vor dem Bundeskanzleramt. (dpa / Bernd Von Jutrczenka)
Britischer Premierminister Boris Johnson in Berlin (dpa / Bernd Von Jutrczenka)
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Dossier: Countdown zum Brexit

Empfang mit militärischen Ehren. Das gibt's nur einmal, jedenfalls für Regierungschefs aus EU-Ländern, nämlich zum jeweils ersten, dem Antrittsbesuch. Boris Johnson zeigte sich begeistert.

"Chancelor Angela, thank you so much for that amazing welcome that I just had. I don’t think I had one like it in my life."

"So was habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gehabt", schwärmte Johnson. Neben glänzenden Uniformen in der Abendsonne und Tschingderassabum hatte es kurz davor allerdings auch laute Protestrufe von Zuschauern vor dem Ehrenhof des Kanzleramts gegeben. "No Brexit", schallte dem Besucher aus London entgegen, bis die Nationalhymnen die Rufer übertönten.

Sitzend auf weißen Lederstühlen - schon fast ein gewohntes Bild - nahmen Merkel und ihr Gast die Hymnen ab. Dann gab es viel zu besprechen, Johnson baute den Spannungsbogen über die Krisenthemen der Welt auf - und dann ist da noch eine Kleinigkeit:

"Russia, Iran, China, what’s going on in Hong Kong including of course as you say the small matter of Brexit."

Johnson: "Müssen diesen Backstop wegbekommen"

Die kleine Angelegenheit mit dem Brexit. Johnson, so hatte er vorher angekündigt, kam, um zu verhandeln.

"We do need that backstop removed." - "Wir müssen diesen Backstop wegbekommen."

Countdown zum Brexit (AFP / Tolga Akmen) (AFP / Tolga Akmen)

Das war der Satz für die Öffentlichkeit daheim in Großbritannien. Sein hartes Auftreten hat seiner konservativen Partei zuletzt wieder steigende Umfragewerte beschert, obwohl die Verhandlungspartner von Brüssel über Berlin bis Paris schon vor der Tour des Premiers auf den Kontinent immer wieder deutlich gemacht hatten, dass der im letzten Jahr mit Johnsons Vorgängerin May ausgehandelte Vertrag auf keinen Fall noch einmal aufgeschnürt werde.

Merkel hält Lösung im Grenzstreit mit Irland für möglich

Der Backstop - die Regelung zur inner-irischen Grenze - erklärt Merkel einmal mehr, sei eine Rückfallposition für den Fall, dass es innerhalb einer Übergangsfrist keine Lösung dafür gibt, wie der Brexit mit den Grenzregeln des Karfreitagsabkommens für Irland in Einklang gebracht werden können.

"Man hat gesagt, die finden wir wahrscheinlich in den nächsten zwei Jahren, aber man kann sie ja auch in den nächsten 30 Tagen finden. Warum nicht? Dann sind wir einen ganzen Schritt weiter und dann müssen wir uns anstrengen."

Boris Johnson am Rednerpult vor Downing Street No 10 (dpa-news / AP / Matt Dunham) (dpa-news / AP / Matt Dunham)Abgeordnete Hobhouse - "Johnson will den starken Mann spielen"
Die liberale britische Abgeordnete Wera Hobhouse wirft Großbritanniens Premier Boris Johnson vor, mit seinem jüngsten Brexit-Vorstoß nur die innenpolitische "Propagandamaschine warm halten" zu wollen. Es sei völlig klar, dass die EU ihre Verhandlungsposition nicht ändern werde.

Ja, 30 Tage, damit sei er zufrieden, antwortete Johnson. Er wisse, dass er nun erklären müsse, wie das genau gehen solle. Wie schon bei früheren Gelegenheiten erwähnte Johnson technische Lösungen - wie immer ohne indes zu präziseren, was genau er damit meinte. Bei dieser Reise geht es offenkundig vor allem darum, Standfestigkeit und Furchtlosigkeit zu demonstrieren:

"We can do it. Wir schaffen das, I think is the phrase. Clearly."

Bundespräsident Steinmeier zweifelt an "weiteren" Brexit-Varianten

Die Heiterkeit wähnte nur kurz. Selbst Bundespräsident Frank Walter Steinmeier hatte zuvor in ungewöhnlicher Offenheit bezweifelt, dass bei neuen Verhandlungen noch irgendwelche Varianten auf den Tisch kommen könnten, über die man nicht bereits gesprochen habe. Es gehe möglicherweise eher um Schuldzuweisungen, als um eine wirkliche Veränderung der Datenleiste, sagte Steinmeier bei einem Besuch der slowakischen Präsidentin Zuzana Caputova im Berliner Schloss Bellevue. Die zentrale Botschaft der Kanzlerin an ihren Gast aus London dürfte daher dieser Satz gewesen sein:

"Wir haben immer wieder auch gesagt, wir sind auch vorbereitet - wenn es einen solchen verhandelten Austritt nicht gibt - dass wir dann diesen Austritt vollziehen können."

Das britische Pfund geriet unterdessen weiter unter Druck. Im Laufe des Tages sank der Kurs gegenüber dem des US Dollars, der des Euro stieg. Finanzmarkt-Analysten sagten voraus, dass die anhaltende Unsicherheit die britische Währung in den kommenden Wochen weiter belasten werde.

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