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StartseiteKalenderblattDer Mann, der das Monster war03.02.2019

Boris Karloff vor 50 Jahren gestorbenDer Mann, der das Monster war

Der britische Schauspieler Boris Karloff spielte Monsterrollen im Horrorfilm, in Parodien, Satiren, Grotesken, Komödien und B-Movies. Doch sein bekanntester Part war die Titelrolle in James Whales Film „Frankensteins Monster“ von 1931. Vor 50 Jahren starb der Schauspieler und Radioliebhaber.

Von Katja Nicodemus

Boris Karloff als Frankensteins Monster im Film von 1931. (imago/Cinema Publishers Collection)
Tortur für den Schauspieler: Vier Stunden lang wurde die Maske für Frankensteins Kreatur aufgetragen (imago/Cinema Publishers Collection)
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Selbst heute, in unserer von Horrorfilmen übersättigten Welt, wirkt die 1931 gedrehte Szene immer noch unheimlich: Eine aus Leichenteilen zusammengesetzte Kreatur regt zum ersten Mal ihre Glieder. Mit ungelenken Bewegungen und natürlicher Gravität spielt Boris Karloff das Monster, das von seinem Schöpfer, Dr. Henry Frankenstein, mithilfe eines Blitzschlags zum Leben erweckt wird.

Boris Karloffs hohe Stirn und seine breiten Wangenknochen waren wie geschaffen für die Künste des legendären Make-up-Spezialisten Jack Pierce. Während der Dreharbeiten zu "Frankenstein" unterzog er Karloff einer wahren Tortur. 18 Wochen lang musste der Schauspieler um drei Uhr morgens aufstehen. Vier Stunden lang wurde die Maske aufgetragen, wurden die markanten Konturen des Monsterschädels mit den tiefliegenden Augen modelliert. Doch nicht nur ihre faszinierende Physis machte Frankensteins Kreatur zu einer der beeindruckendsten Horrorgestalten der Filmgeschichte – es ist Boris Karloffs minimalistisches Spiel, es sind seine traurigen Augen, die nach Mitgefühl mit dem Monster rufen. Boris Karloff:

"Es war eine große Herausforderung, das zu spielen. Und es war ungemein interessant. Eine völlig hilflose, sprachlose, schwerfällige Kreatur in einer feindlichen, fremden Welt. Ohne Sprache muss das Monster mit Menschen kommunizieren, und ich musste dafür einen schauspielerischen Weg finden."

Finsterling, Taschendieb, Betrüger, Räuber und Pirat

Boris Karloff wurde 1887 in London als William Henry Pratt in eine Familie britischer Verwaltungsbeamter hineingeboren. Schon als Kind spielte er in Theater- und Märchenaufführungen, als Student nahm er Schauspielunterricht. Im Alter von 21 Jahren wanderte er nach Kanada aus, schlug sich als Hilfsarbeiter durch und landete schließlich in Hollywood, zunächst als Statist in Stummfilmen. Er spielte Schwarzafrikaner, Asiaten, Inder, Araber, Indianer. Er trat als Finsterling auf, als Taschendieb, Betrüger, Räuber und Pirat. Vielleicht wäre er für immer der Mann für markante Nebenrollen gewesen – doch dann wurde der Regisseur James Whale auf ihn aufmerksam, als er für seinen "Frankenstein"-Film das Monster suchte. Zeitlebens sollte Karloff seiner Filmfigur dankbar sein. Karloff:

"Zunächst einmal möchte ich das Monster grüßen. Es ist der beste Freund, den ich je hatte. Es änderte mein Leben. Denn bis ich Frankenstein spielte, war ich ein unbekannter Schauspieler, und es gab keine Anzeichen dafür, dass sich das je ändern würde."

Der finanzielle Erfolg des "Frankenstein"-Films war so durchschlagend, dass die Firma Universal zwölf Fortsetzungen drehte, in zweien davon übernahm Boris Karloff wieder die Hauptrolle. Das Studio verpasste ihm den Spitznamen "Karloff – The Uncanny", "Karloff – Der Unheimliche", und die nächste Monster-Rolle ließ denn auch nicht lange auf sich warten.

In dem Horrorfilm "Die Mumie" spielte Boris Karloff 1932 die Rolle des ägyptischen Priesters Imhotep, der von Forschern versehentlich zum Leben erweckt wird. Und wieder transzendierte er das abschreckende Äußere seiner Filmfigur – diesmal durch seine Stimme, die ein natürliches Pathos besaß.

"You will not remember what I show you now. And yet I shall awaken memories of love and crime and death."

Kinderliteratur und Hörspiel

Boris Karloff starb am 3. Februar 1969, manche Quellen sprechen auch vom 2., im Alter von 81 Jahren. In den letzten beiden Jahrzehnten seiner Karriere arbeitete er leidenschaftlich gerne für das Medium Radio. Er übernahm unzählige Sprechrollen in Rundfunkserien, las Kinderliteratur vor und nahm Hörspieltexte nach bekannten Romanvorlagen auf. Im Kino hingegen legte man ihn bis zum Ende seiner Karriere auf furchteinflößende Parts fest.

Im Jahr seines Todes trat Boris Karloff in der mexikanischen Billigproduktion "Alien-Terror" auf. Er spielt einen Professor, dessen Körper von Außerirdischen in Besitz genommen wird. Selbst in diesem verworrenen Machwerk verströmt Karloff im weißen Jackett eine große Würde. Und auch hier, in seinem letzten Film, wirkt sein Monster humaner, als all‘ die Menschen, die es umgeben.

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