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StartseiteEuropa heuteUntergebracht auf einer ehemaligen Müllhalde17.07.2019

Bosnien-Herzegowina Untergebracht auf einer ehemaligen Müllhalde

Bei der Stadt Bihać liegt das Flüchtlingslager Vučjak. Dorthin bringt die bosnische Polizei seit Mitte Juni männliche Flüchtlinge und Migranten, die sich im Nordwesten des Landes aufhalten. Die Zustände im Lager sind jedoch verheerend.

Von Clemens Verenkotte

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Ein Mann kommt im Flüchtlingslager Vučjak bei der bosnischen Stadt Bihac an. Hier wurde einst Müll deponiert. (Deutschlandradio/Daniel Dzyak)
Ein Mann kommt im Flüchtlingslager Vučjak bei der bosnischen Stadt Bihać an. Hier wurde einst Müll deponiert. (Deutschlandradio/Daniel Dzyak)
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Die Sonne steht zur Mittagszeit über 55 kleineren Rotkreuz-Zelten und zwei Großen, in denen sich, wie das Rote Kreuz sagt, rund 450, manchmal auch bis zu 700 Flüchtlinge pro Tag aufhalten. Sie kämen vor allem aus Afghanistan, Pakistan, Syrien, Marokko und Algerien. Über offenen Feuerstellen wird Fladenbrot gebacken, Kleidung hängt zum Trocknen über den dicht zusammenstehenden Zelten, die Männer schlafen fast ausschließlich auf nacktem Boden, auf Decken. Es gibt zwei Dusch-Container, zwei Toiletten-Container, vier Wassertanks, die als Trinkwasser und Waschwasser genutzt werden. Und einmal am Tag kommt der Wasserwagen. An ihm stehen zwei Pakistani:

"Kein schönes Lager. Die ganze Hilfe kommt von der Türkei, nicht von anderen Ländern wie Deutschland, Frankreich, Italien. Keine Nahrung, keine Schlafsäcke."

"Unser Plan ist nach Deutschland, Spanien oder Frankreich zu gehen, da habe ich meine ganze Familie. Mehr wollen wir nicht. Wir sind keine Terroristen oder Kriminelle. Meine Route war von Pakistan hierher, in zwei, drei Monaten. Ja, alles zu Fuß, von Pakistan bis Bosnien."

Von der Polizei aufgegriffen und ins Lager gebracht

Seit Mitte Juni gibt es das neue Flüchtlingslager Vučjak auf dem abgelegenen Gelände der ehemaligen Müllhalde von Bihać, zehn Kilometer von der Stadt entfernt. Der Stadtrat entschied nach Monaten, in denen immer mehr Migranten in Bihać eintrafen, um vom Nordwesten Bosnien-Herzegowinas über die grüne Grenze nach Kroatien und vor dort weiter ins westliche EU-Ausland zu gelangen: Alle männlichen Migranten sollten von der Polizei in der Stadt aufgegriffen und nach Vučjak gebracht werden.

Männer waschen sich an einem Wassertank. Es gibt vier Tanks im Flüchtlingslager - für bis zu 700 Menschen.  (Deutschlandradio/Daniel Dzyak)Männer waschen sich an einem Wassertank. Es gibt vier Tanks im Flüchtlingslager - für bis zu 700 Menschen. (Deutschlandradio/Daniel Dzyak)

Alles geschah ad hoc, ohne Vorwarnung. Selam Midžić, Chef des Roten Kreuzes in Bihać, ist mit seinen wenigen Mitarbeitern verantwortlich für das Lager, er sagt:

"Als das Zentrum eröffnet wurde, hat das Innenministerium am ersten Tag 150 Migranten mit Bussen hierher gebracht. Seitdem kommen immer 50 bis 100 pro Tag. Die anderen gehen. Manchmal sind es sogar 700 im Camp. Aber wir machen jeden Tag das Essen für 600 Menschen. Uns ist es sehr wichtig, dass niemand hier Hunger leidet."

Keine Hilfe vom Staat

Die beiden anderen Lager in Bihać, die von UN-Ableger IOM, International Organisation for Migration und dem UNHCR betrieben werden, seien bereits überfüllt gewesen, sagt Edin Morankic, der Sprecher des Bürgermeisters:

"Wir sind auch nicht glücklich mit diesem Lager. Wir wissen, dass die Bedingungen nicht gut sind. Wir sehen das auch nicht als eine langfristige Lösung an. Wir bemühen uns, eine andere Stelle dafür zu finden, nicht außerhalb von Bihać."

Nach Schätzungen der Stadt halten sich derzeit rund 5.000 Flüchtlinge und Migranten in Bihać sowie dem angrenzenden Kanton Una-Sana auf. Hilfe von der Regierung in Sarajevo gebe es nicht, und ohne die Unterstützung der Vereinten Nationen würde die Stadt nicht mehr weiterwissen. Edin Morankic:

"Seit einem Jahr appellieren wir und sagen, dass Bihać voll mit Flüchtlingen ist und wir zu viele Migranten haben."

Bleiben will niemand hier. Jeden Abend machen sich kleinere Gruppen von Flüchtlingen erneut zur einen Kilometer entfernten kroatischen Grenze auf.

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