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StartseiteInformationen am MorgenFlüchtlinge: unerwünscht!29.06.2015

BrandanschlagFlüchtlinge: unerwünscht!

Auf ein Privathaus im sächsischen Meißen ist ein Brandanschlag verübt worden. Die Polizei geht von einer ausländerfeindlich motivierten Tat aus, denn hier sollten 35 Asylbewerber untergebracht werden. Politiker verurteilen den Anschlag, aber die Gruppe "Initiative Heimatschutz" macht weiter Stimmung gegen Flüchtlinge.

Von Nadine Lindner, DLF-Landeskorrespondentin Sachsen

Die noch unbewohnten Unterkunft für Asylbewerber in Meißen (Sachsen) nach einem Brandanschlag (picture-alliance/dpa/Sebastian Kahnert)
Die noch unbewohnten Unterkunft für Asylbewerber in Meißen (Sachsen) nach einem Brandanschlag (picture-alliance/dpa/Sebastian Kahnert)
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Die Spuren des Brandanschlags auf eine künftige Asylbewerberunterkunft in Meißen sind noch deutlich zu sehen: Die Fassade ist verrußt, vor dem Haus liegt ein Stapel Metallrahmen: Es sind die Federkerne der verbrannten Matratzen.

Nur wenige Meter entfernt gibt Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) ein kurzes Statement ab, zuvor hatte er sich mit Innenminister Markus Ulbig und Landrat einen Lagebericht von Polizei und Feuerwehr geben lassen.

"Wir verurteilen diesen feigen Brandanschlag, wir werden alles dafür tun, dass die Verantwortlichen, dass nämlich die den Brandanschlag begangen haben, dass die aufgeklärt werden, dass wir ihrer habhaft werden."

Es ist schon das zweite Mal in dieser Woche, dass Tillich einen kurzfristigen Termin in Sachen Flüchtlingspolitik ansetzen muss: Am Donnerstag war er bereits nach Freital gefahren. Dort demonstrieren Asylgegner mit teils rassistischen Parolen seit Tagen gegen die Einrichtung einer Erstaufnahmestelle.

In dem ausgebrannten Privathaus in Meißen sollten 35 Asylbewerber in Wohnungen untergebracht werden. Doch das Haus in der Rauhentalstraße ist bis auf weiteres unbewohnbar.

Drohung im Vorfeld

In der Nacht von Samstag auf Sonntag hatten sich Unbekannte Zutritt zu dem Haus verschafft. Im Vorfeld hatte es bereits eine Drohung gegen die geplanten Asylbewerberwohnungen gegeben. Das Operative Abwehrzentrum, die Abteilung der Polizei für potenziell politische Straftaten ermittelt und geht von Brandstiftung aus. Die Polizei prüft nun, ob mutmaßliche Rechtsextreme etwas mit dem Anschlag zu tun haben, die sich am Abend zuvor in Meißen versammelt hatten. Die Gruppe "Initiative Heimatschutz" macht seit Wochen Stimmung gegen Flüchtlinge. Via Facebook distanzierte sich die Initiative offiziell von dem Anschlag.

Doch nicht nur der Ministerpräsident Stanislaw Tillich war wegen des Anschlags nach Meißen geeilt. Auf dem Heinrichsplatz hatten sich spontan Bürger, Lokal- und Landespolitiker versammelt, um gegen Fremdenfeindlichkeit zu demonstrieren. Nach Angaben der Veranstalter kamen 200 Menschen.

Darunter war auch der Eigentümer des attackierten Hauses Ingolf Brummer. Er gibt sich trotz des immensen Schadens kämpferisch:

"Ich werde alles daran setzen, das Haus so schnell wie möglich wieder bewohnbar zu machen."

Auch der Meißener Oberbürgermeister, parteilos, ist gekommen. Er sagt, dass die Flüchtlinge vor furchtbaren Zuständen in ihren Heimatländern fliehen und auch in Meißen Schutz bekommen müssen.
Olaf Raschke: "Wir wollen diejenigen aufnehmen, die, aus welchen Gründen auch immer aus ihren Heimatländern fliehen mussten. "

Der Landeschef der Linken, Rico Gebhardt blickt mit Sorge auf die Entwicklungen in Meißen, Freital und Dresden: "Mit Pegida ist ein Deckel von einem Topf genommen worden, der allen die Möglichkeit gibt, dass man jetzt das sagen kann, was man denkt, oder das tun kann, was man immer tun wollte."

Innenminister verurteilt Anschlag

Bundesinnenminister Thomas de Maizière, verurteilte den Anschlag und sagte, dass er keine Gewalt oder Hass toleriert. Die Stadt Meißen liegt im Wahlkreis des CDU-Politikers.

Die Meißener Bürger, die nach dem Brandanschlag gefragt werden, reagieren recht unterschiedlich. Einige zeigen Betroffenheit.
"Es ist eine riesengroße Sauerei."
"Es ist eine Sache, da bleiben mir die Worte weg."

Andere wollen lieber gar nichts sagen: "Ich hab was davon gehört, aber ich kann dazu nichts sagen."

Ein Mann zuckt mit dem Schultern und sagt dann knapp: "Naja, passiert halt..."

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