Donnerstag, 19.09.2019
 
Seit 10:10 Uhr Marktplatz
StartseiteKommentare und Themen der WocheDruck auf den Bauernpräsidenten09.09.2019

BrasilienDruck auf den Bauernpräsidenten

Sanktionen hätten zwar in den letzten Jahren sehr oft ihre Wirkung verfehlt, im Fall von Brasilien scheinen sie jedoch zu funktionieren, kommentiert Ivo Marusczyk. Wenn Europa zum Schutz des Amazonas-Regenwalds jetzt auch das geplante Freihandelsabkommen mit dem Mercosur stoppe, dann gehe das aber zu weit.

Von Ivo Marusczyk

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Jair Bolsonaro, Präsident von Brasilien, hebt den Daumen (picture-alliance/dpa/Fabian Sommer)
Daumen hoch - Brasiliens Präsident Bolsonaro ist von seinem Regierungskurs überzeugt, trotz weltweiter Kritik (picture-alliance/dpa/Fabian Sommer)
Mehr zum Thema

Brasilien Bolsonaro und das Waffenrecht

Waldbrände in Brasilien Die indigene Daseinsform ist in Gefahr

Gegen Waldbrände in Brasilien Präsident Bolsonaro verspricht mehr Einsatz

Brasilien und die Amazonas-Feuer Europa ist gefragt, die eigene Komfortzone zu verlassen

Journalist über Waldbrände in Brasilien "Es ist eine Katastrophe“

Jair Bolsonaro hat zum Angriff auf den Amazonas-Regenwald geblasen. In Brasilien wurde in diesem Jahr doppelt so viel Wald vernichtet, wie im letzten Jahr. Und jetzt, zum Ende der Trockenzeit erreicht die Zerstörung einen tragischen Höhepunkt. Allein im August wurde dreimal so viel Wald niedergebrannt, gefällt und abgeholzt wie im selben Monat des Vorjahrs. Die gerodete Fläche entspricht mehr als dreimal der Fläche des Bodensees.

Doch wie lässt sich so eine rücksichtslose Politik stoppen? Ein internationaler Aufschrei beeindruckt Brasiliens Präsidenten nicht. Im Gegenteil. Wie ein bockiges Kind beharrt er auf seinem Kurs – behauptet, die Europäer – allen voran sein Lieblingsfeind Macron - wollten sich den Amazonas unter den Nagel reißen.

Handel als Druckmittel

Es gibt es nur einen Weg, Bolsonaro zu erreichen. Die Stelle, wo es ihm am meisten weh tut, ist der Geldbeutel. Eine ganze Reihe von Sportartikelherstellern und Textilhändlern kauft schon jetzt kein Leder mehr aus Brasilien. Und das macht Eindruck. Bolsonaros Freunde in der Industrie- und Agrarlobby haben ihren Präsidenten zur Mäßigung aufgerufen. Bolsonaro hat daraufhin das Abbrennen von Feldern und Weiden verboten und die Armee zum Löschen in die Wälder geschickt.

Boykotte und Sanktionen haben zwar in den letzten Jahren sehr oft ihre Wirkung verfehlt, siehe Russland oder Iran. Doch im Fall von Brasilien scheinen sie zu funktionieren. Denn Bolsonaro hängt völlig von der Unterstützung der einflussreichen Agrarfraktion ab. Konsequenterweise fordern viele, einen Schritt weiter zu gehen und das geplante Freihandelsabkommen mit dem Mercosur zu stoppen. Doch das hätte genau den gegenteiligen Effekt.

Donald Trump könnte profitieren

Nur durch enge Handelsbeziehungen können die Europäer noch Einfluss auf Brasilien nehmen. Donald Trump wedelt seinerseits schon jetzt mit einem Handelsabkommen – er verspricht Brasilien ein Abkommen ohne lästige Umweltauflagen und Einschränkungen. Wenn die Europäer Brasilien die Tür vor der Nase zuschlagen, treiben sie Bolsonaro direkt in Trumps Arme – damit ist niemandem geholfen, weder uns noch den Brasilianern und am allerwenigsten dem Regenwald.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk