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StartseiteHintergrundBraune Schwestern26.03.2008

Braune Schwestern

Die Frauen in der Neonazi-Szene

Der Treffpunkt für das Interview hat etwas Konspiratives. In der Tankstelle an der Autobahnausfahrt Sangerhausen Süd sei man zu einem Gespräch bereit, wurde per E-Mail mitgeteilt. Höchstens 45 Minuten sei Zeit, danach beginne die Vorstandssitzung des "Rings nationaler Frauen"

Von Almuth Knigge

Die NPD wird nach  wie vor von Männern dominiert. (AP)
Die NPD wird nach wie vor von Männern dominiert. (AP)
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Gitta Schüssler, Bundessprecherin des Frauenverbandes und sächsische NPD-Abgeordnete, wartet vor der Tür, die Zigarette in der Hand. Als Erkennungszeichen hatte die vierfache Oma einen langen schwarzen Mantel und ein mürrisches Gesicht angegeben, dabei ist die 47-Jährige ausgesprochen freundlich und höflich. Sie hat viel zu erzählen über die Frauen in der "nationalen Bewegung". Auf dem Flugblatt, das sie auf den Tisch legt, ist die Botschaft klar: Deutschland ist auch Frauensache, steht da. Darunter eine blonde Frau mit kräftigen Armmuskeln erinnert an die Ästhetik des dritten Reiches, blond, kräftig, gesund. Sie lächelt selbstbewusst in die Kamera. Wir wollen Anlaufpunkt sein für politisch interessierte Frauen, steht da, und - wir wollen Frauen darauf vorbereiten, politische Verantwortung zu übernehmen - anders ausgedrückt, die NPD soll ein neues Image bekommen.

"Weg von dem Klischee der Männerpartei, der Militanz des militanten Auftretens hin zu einer ganz normalen Partei halt. Gerade wenn wir eine Demonstration haben auf der Straße, wirken Frauen natürlich immer deeskalierend, auch an den Infotischen, man wird weniger angepöbelt, hab ich den Eindruck, wenn da eine Frau dabei ist."

Auch NPD-Strategen haben die wachsende Bedeutung nationalistisch denkender Mädchen und Frauen erkannt. Die weiblichen Anhänger sollen der radikalen Partei nicht nur zur Imageverbesserung verhelfen, sondern insgesamt zur Stabilisierung der Szene beitragen. "Die NPD ist keine männliche Domäne", beteuert der Generalsekretär, Peter Marx.

"Die Entwicklung in der Partei ist so, dass Frauen lange Jahre eher eine geringe Bedeutung gespielt haben in der Partei, aber mit zunehmendem Einfluss der Partei sich die Frauen doch stärker zu Wort melden, was auch von uns gewollt ist, was wir auch ganz gut finden, und zwischenzeitlich ist es so, dass weit über ein Drittel der Neumitglieder weiblich sind, wobei man sagen muss, dass viele in der politischen Aktivität sehr zurückhaltend sind."

Im ihrem Parteiprogramm von 2005 ist von dieser Frauenfreundlichkeit nicht viel zu spüren. Die NPD befürwortet zwar eine Frauenpolitik, die den "Frauen und Mädchen volle Gleichberechtigung einräumt", doch sollte die Frau nicht "aus finanziellen Gründen" außerhäuslich arbeiten müssen, da der Beruf in der Familie sie voll auslastet. Die stillen, treuen, schaffenden Frauen, seien es, die der NPD so gut täten, ist nicht nur die Haltung von NPD-Fraktionschef Udo Pastörs.

Marx: "Ich sehe das jetzt auch in meiner Eigenschaft als Generalsekretär, der hat natürlich auch die Aufgabe, die Partei nach vorne zu bringen und es ist durchaus so, dass in der Partei auch starke Positionen gibt, die das völlig anders sehen, die sagen, übertreibt mal da nicht so sehr, nehmt die Frauen mal nicht so wichtig, aber da ist Überzeugungsarbeit notwendig und ich bin da sehr zuversichtlich, dass die Partei hier auf einem sehr guten Weg ist."

Die Realität sieht anders aus. Unter den 36 NPD-Direktkandidaten zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern 2006, war zum Beispiel nur eine einzige Frau. Das soll der Ring Nationaler Frauen, der RNF, ändern: Die vielen Frauen, die in der Szene aktiv sind, vernetzen, schulen, in Ämter bringen. Das ist eine neue Qualität, sagt Rena Kenzo vom Forschungsnetzwerk Frauen und Rechtsextremismus in Hamburg. Sie forscht seit Jahren zum Frauenbild in der neuen Rechten. Frauen, sagt sie, gab es zwar schon immer in der Szene, aber sie wurden kaum wahrgenommen, auch nicht, als sich Anfang der 90er Jahre die Gründung von rechten Frauengruppen häufte.

"Ein Grund ist auch, dass Frauen anders aktiv sind, sie sind heimlich aktiv gewesen in der Vergangenheit, sie haben Wert darauf gelegt nicht in die Öffentlichkeit zu kommen und haben auch mehr im familiären Bereich ihre Aktivitäten vollzogen oder indirekt geholfen, indem sie ihre Häuser für Treffen zur Verfügung gestellt haben. Und damit sind sie nicht immer so in den Fokus von irgendwelchen Medien gekommen."

Die Frauen sorgen für reibungslose Organisation. Weil sie unauffälliger sind, also scheinbar ungefährlich, mieten sie Räume für Versammlungen und Konzerte, eröffnen Konten und Postfachadressen, verkaufen rechte Waren oder melden Aufmärsche an. Einige spitzeln auch in der linken Szene, die Gesinnung sieht man ihnen schon lange nicht mehr an. Auch der Verfassungsschutz kannte lange Zeit kaum weibliche Akteure. Nach Polizeiangaben werden nur etwa fünf Prozent rechts-extremer Straftaten von Frauen begangen, aber auch hier steigt der Anteil deutlich. Bei Propagandadelikten sind Frauen anteilsmäßig öfter an Volksverhetzungen beteiligt als Männer. Trotzdem mangelt es an öffentlichem Bewusstsein gegenüber der Rolle der rechten Frau - als Täterin -, auch vor Gericht gilt sie meist nur als harmlose Mitläuferin.

"Es gab ja den Skingirlclub Deutschland, der sich später in Skingirlfreundeskreis Deutschland umbenannt hat, der wurde erst nach zirka neun Jahren das erste Mal in einem Länderverfassungsschutzbericht erwähnt, da hatten die Frauen dann schon, da waren die bei der Gründung ungefähr 18 Jahre alt, da hatten die dann fast zehn Jahre Erfahrung gesammelt und wurden aber eigentlich von Behörden nicht wahrgenommen."

Jahrelang agierte die Aktive Frauenfraktion AFF, organisierte Konzerte und Veranstaltungen, ohne dass die Organisation dem Verfassungsschutz bekannt war. "Frau sein" galt lange Zeit als gute Tarnung in der rechten Szene, so Kenzo. Die Einschätzung von Michael Flenker vom Verfassungsschutz in Mecklenburg-Vorpommern sieht anders aus.

"Nein, also Frau sein als Tarnung, das sehen wir nicht so, wir beobachten schlichtweg die rechtsextremistischen Bestrebungen im Lande. Wir beobachten die handelnden Personen, insbesondere die Personen, die sich im politischen Raum zeigen und da sehen wir eben keine Frauen, sondern da sehen wir eben in aller Regel Männer und auch in den sonstigen Strukturen, die wir so im Blick haben, spielen Frauen aus unserer Sicht bisher keine so entscheidende Rolle, sondern sie sind eher Unterstützerinnen. Aber ich sagte ja schon, dass durchaus selbstbewusste junge Frauen in dieser Szene aktiv sind und dass sie sich an dem Frauenbild an dem traditionellen Frauenbild reiben, aber das sind eben Anfänge und wie sich das entwickelt, das werden wir mit Interesse verfolgen.""

Vor allem im Internet, auf den Seiten des Mädelrings Thüringen, bei den Unterstützerinnen des "Selbstschutz Sachsen-Anhalt" oder dem Kampfbund der nationalen Aktivistinnen aus der Schweiz, wird sehr schnell klar, welche Ideologie hinter der harmlosen Fassade steckt.

Der Mädelring ist ein Zusammenschluss aktiver nationaler Sozialistinnen, der den Befreiungskampf unterstützen möchte. Um diesen Kampf jedoch durchzustehen, brauchen wir eine intakte Bewegung. Dazu gehören allerdings auch die weiblichen Aktivistinnen. In vielen Fällen werden Frauen und Mädels nur als Anhängsel abgestempelt, ohne eigene Meinung und selbständiges Handeln. Leider begeben sich einige Frauen selber in diese Situation, sei es absichtlich oder aus Unwissenheit.

Vor allem in den strukturschwachen Gegenden steigt der Anteil junger Mädchen in Kameradschaften. Sie engagieren sich beim "Braunen Kreuz", einem so genannten "nationalen Sanitätsdienst", oder springen bei Demonstrationen als Ordner ein, weil männliche Kameraden mit Vorstrafen von den Behörden nicht zugelassen werden.

Jede Frau und jedes Mädel ist bei uns willkommen, wenn sie es ehrlich mit dem Kampf um Deutschland meint. Jeder nationalen Sozialistin sollte bewusst sein, dass unsere Sache mit sehr viel Arbeit und Anstrengungen verbunden ist und nicht aus Abenteuern besteht.
Kein rechter Online-Versand kommt mehr ohne Girlie-Sparte aus, mit Schmuck und Mode, und NPD-Männer diskutieren über Themen wie Müttergeld, das eigentlich Erziehungsgeld heißt, aber die NPD will ausdrücklich ein Müttergeld. Die weiblichen Gruppen konfrontieren junge Männer mit ihren neuen Lebensvorstellungen: Weiblichsein bedeutet nicht mehr nur Kinder und Küche.
Unsere Aktionen bestehen aus internen Treffen, aber auch aus externen Aktionen, wie Demobesuche, Infostände und so weiter. Wir verstehen uns selbst als Teil des Ganzen. Unsere Ziele bestehen darin, dass wir eine starke Mädelkameradschaft aufbauen, die den Kampf für Volk und Vaterland tatkräftig unterstützt. Auch wir können kämpfen und wir wollen für unsere Heimat einstehen.

Der Kampfbund wird noch deutlicher. Er fordert zum Beispiel:

Nur heterosexuellen, monogamen Paaren darf das Recht auf Familiengründung eingeräumt werden.

Und Müttergeld - aber nur für deutsche Frauen. Das fordert auch Gitta Schüssler. Sie ist erst 2002 in die Partei eingetreten, weil ihr Kreisverband im Chemnitzer Land einen Schatzmeister suchte. Anders Stella Hähnel. Sie ist mit dem rechten Liedermacher Frank Hähnel verheiratet, sitzt seit kurzem im Bundesvorstand der NPD. Sie ist die Pressesprecherin und seit mehr als 15 Jahren in der Szene aktiv.

Stella Hähnel lächelt und auch sie wirkt furchtbar normal. Wollpulli, Gesundheitsschuhe, langer Baumwollrock, durchaus modisch. Nur die kleinen silbernen Ohrringe verraten rein äußerlich ihre Gesinnung.

"Das ist ein Dreierschild ja, das ist das Symbol der Dreieinigkeit. Im Christlichen für die Dreifaltigkeit und im heidnischen, ist das das Symbol für Körper Geist und Seele oder für Ganzheitlichkeit, für alles, was eben so in diesem mythologischen Bereich mit "drei" zu tun hat."

Die Triskele, so heißt das Zeichen, ist das Symbol für die Gemeinschaft deutscher Frauen, in der Stella Hähnel auch aktiv ist.

Wir sind was Besonderes!

Heißt es auf der Internetseite.

Nein, nicht Du und ich - unsere Gemeinschaft! Deswegen gilt der Gemeinschaft mein ganzes Schaffen und Wirken, mein Einsatz. Was mit mir ist? Ja, ich lebe, ich fühle mich nicht unterdrückt, weil ich freiwillig, als freie Frau, einer Sache diene - meiner Gemeinschaft! Auch meine Kinder sind Teil dieser Gemeinschaft. Wir müssen weg von der Selbstherrlichkeit, von der Selbstsucht, sie macht uns nur kaputt.

Stella Hähnel stellt sich seit Jahren ganz in den Dienst der Sache. Sie entwickelt Werbe-CDs für junge Frauen, will ein Kinderbuch schreiben und bebildern, das Heimatliebe und Identität vermitteln soll. Das Buch, schreibt sie auf der Seite der Gemeinschaft deutscher Frauen, wird sich gegen den üblichen "Multikulti-Wahnsinn" in deutschen Schul- und Kinderbüchern stellen.

Wir wollen nicht mitschwimmen in diesem Konsumstrom, in diesem Brot- und Spiele-Geschichten, wir wollen nicht gefüttert werden mit ein bisschen Geld und ein bisschen Spaß, um dann alles abzunicken, was die Herrschenden machen. Wir klinken uns da aus, wir sind in dem Sinne schon etwas Besonderes, und wir wollen für uns eine Lebenskultur entwickeln, die für uns als Deutsche richtig und gut ist.

Ihre Ideologie ist eine Mischung aus Germanenverehrung, Antikapitalismus, Anti-Globalisierung, Anti-Feminismus und macht Anleihen bei den Grünen. Umweltschutz ist Heimatschutz, so das Credo.

Darum liebe GDF-Frauen, seid ihr in der GDF! Ihr wollt dienen, euch der Gemeinschaft nützlich machen und damit unserem geliebten deutschen Volk helfen. Die, die gekommen sind, um zu dienen - in Ehrfurcht vor dem heiligen Ziel.

Wie sie dieses Ziel erreichen wollen? Von Gewalt kein Wort, antidemokratisch schon gar nicht. Weniger Toleranz, vor allem gegenüber denen, die das deutsche Volk schwächen. Ausländern, und die mit ihnen paktieren. Aber aussprechen tun sie das nicht.

"Ja, gut es gibt ja viele, die das als was Positives sehen, wir sehen es als eine große Gefahr, dass Toleranz, dass das auch Selbstaufgabe wird, man muss nicht tolerant um jeden Preis sein, man muss sich abgrenzen, um seine eigene Identität zu bewahren. Gerade zum Thema Toleranz, weil, das ist ja nun... man muss nicht um jeden Preis allen gegenüber tolerant sein. Toleranz würde auf jeden Fall da aufhören, wenn ich eine Moschee vor die Haustür gebaut bekäme, das ist ein fremder Kulturkreis und eine Vermischung. Das geht nie gut, eine Vermischung kann nicht gut gehen."

"Volksgemeinschaft" heißt das Schlagwort. Die Frau ist dazu da, diese Gemeinschaft rein und lebendig zu halten.

Wir brauchen Gemeinschaft - sie ist Organisation. Sonst gelangen wir in den Strudel des Egoismus, wir werden immer unzufriedener, wie alle BRD-Bürger. Hast Du erst begriffen, dass freiwillige Unterordnung und Dienst Deiner Gemeinschaft, Deinem Volk, also auch Dir und Deinen Kindern dient, dann wirst Du zur Tat schreiten, ohne zu murren und ohne zu fragen! Du wirst begreifen, Dein Leben muss einen Sinn haben, diesen findest Du nicht im Konsum, im Genuss, bei der Party... Du findest ihn ihm täglichen Dienst an der Gemeinschaft!

"Wir brauchen Frauen in der Bewegung, damit wir noch authentischer werden und bleiben!", betonte der Anführer der "Kameradschaft München", Norman Bordin 2004 im Internet und forderte: "Nicht Volksgemeinschaft quatschen, sondern auch leben."

Damit das klappt, boomen nationale Kontaktbörsen. Auf der Internetseite der Gemeinschaft deutscher Frauen sucht Mirko J. "nach einer volkstreuen Frau, die ihm mehrere Kinder schenken will". Hilda antwortet:

"Es ist wirklich nicht einfach, einen volkstreuen Partner zu finden. Ich dachte eigentlich, über Jahre hinweg, einen gefunden zu haben. Mein Noch-Mann kann und konnte meinen politischen Aktionismus nicht mehr akzeptieren. Wenn wieder eine Partnerschaft, dann nur mit einem volkstreuen Mann. An der Seite eines "Umerzogenen" würde ich mich nie wohlfühlen, es gäbe keine Basis. "

In der Grundsatzschrift "Die Frau in der nationalen Bewegung" heißt es dazu:

Es ist jedoch selbstverständlich, dass eine deutsche Frau einem deutschen Mann zur Seite gestellt ist - ihm also von Natur aus gleichgestellt ist. Die Forderung nach einem "natürlichen Frauenbild" beinhaltet jedoch auch die Verpflichtung der deutschen Frau "für den Erhalt der eigenen Art" zu sorgen. Verweigert sie sich dem "eigenen, naturgegebenen Pflichten, "dann macht sie sich im schwersten Maße mitschuldig am Untergang des eigenen Volkes.

Kindererziehung, Schulsystem, Gesundheit und Ernährung gehören daher auch - bei den selbstbewusst auftretenden Anhängerinnen neuer Neonazi-Gruppen - zu den bevorzugten weiblichen Themen, ist die Beobachtung von Anette Kahane, von der Amadeu-Antonio-Stiftung.

"Ohne die Frauen können die Männer das nicht machen, vor allen Dingen, wenn es in der Tat und das haben wir jetzt festgestellt, gar keine Jugendbewegung ist, sondern etwas, was sich in die Mitte der Gesellschaft bewegt; das sind Frauen nun mal der Schlüssel. Sie können keine rechte Familienkultur aufbauen, wenn die Frauen da nicht mitmachen und das haben wir ja nun mal in Nationalsozialismus gesehen, die Frauen haben bei der Erziehung der Kinder und bei der Herausbildung der Familienidee und überhaupt dieser Rollenklischeeidee, spielen die da eine ganz entscheidende Rolle. Wenn die da nicht mitmachen, bricht die rechte Szene auseinander."

Dessen sind sich die jungen Frauen zunehmend bewusst. Sie arbeiten an einem neuen Frauenbild. Der Leitsatz des Mädelring in Thüringen lautet:

Deutsche Frauen wehrt euch - gegen das Patriarchat und politische Unmündigkeit!

Sie wollen, so heißt es, gleichwertige Mitgestalterin des öffentlichen Lebens sein. In den Forderungen schwingt deutliche Kritik an den männlichen Kameraden mit. Aussteigerinnen berichten immer wieder von Sexismus und Gewalt. Die ehemalige Landesvorsitzende der NPD in Hamburg, Anja Zysk wurde von Mitgliedern der freien Kameradschaften bedroht und weggemobbt. Emanzipation ja - aber nur bis zu einem gewissen Punkt.

Wenn es um das Überleben der eigenen Rasse und der eigenen Nation geht, brauchen wir intellektuelle Eliten; und da spielt die Frage nach männlich oder weiblich keine Rolle! Wir wollen natürlich nicht den Fehler machen, ein Frauenbild zu schaffen, dass sich von seiner naturgegebenen Aufgabe - dem Mutter-Dasein loslöst. Aber im Gegenzug wollen wir eine übertriebene Stilisierung der Mutterrolle vermeiden. Es ist unsere völkische Pflicht, Kinder zu bekommen.

Und zu erziehen. Viele Frauen in der rechten Szene ergreifen pädagogische Berufe. Sie engagieren sich im Elternrat oder in den Kindergärten. Es wächst mittlerweile die dritte Generation von Neonazis heran. Schokoladenpudding mit Vanillesoße kennt der Nachwuchs zum Beispiel unter Rassenschande.

"Diejenigen, die früher als Wald und Wiesenglatzen auftauchten, haben ihre Freundinnen zu Frauen gemacht und haben dann Kinder gekriegt. Diese Kindern gehen dann in den Kindergarten und die Mütter setzen sich dann da schon mal ein, dass da deutsches Liedgut gesungen wird und das man das nach so ein paar deutschen Regeln aufzieht. Also sie wachsen mit in die Schulen hinein, in die Nachbarschaft, in die sozialen Felder des Engagements und das ist natürlich sehr gefährlich, weil sie da auch sehr viel harmloser wirken als die Männer, aber sie sind es überhaupt nicht."

Vor kurzem hat sich eine neue Frauen-Organisation gegründet. Sie nennt sich Jeanne D´arc, eine Selbsthilfegruppe politisch verfolgter Frauen, in Zeiten des "BRD-Regimes. Hier kann man lesen:

Wer sich selbstverständlich mit seiner deutschen Herkunft identifiziert und konstruktiv auseinandersetzt, wird ausgegrenzt. Die meisten wollen das aus Angst nicht wahrhaben und machen sich lieber zu Handlangern ihrer Verfolger, indem sie sich als empörte Gutmenschen in ihre Doppelhaushälften zurückziehen. Jeanne D´arc wehrt sich. Jeanne D´arc liebt ihre Heimat und überlässt keinem - der dies nicht tut und sich seiner Heimat nicht verpflichtet fühlt - kampflos das Feld.

Mitinitiatorin ist Iris Niemeyer, eine Kindergärtnerin aus Rheine und dort aktives NPD-Mitglied, die wegen ihrer politischen Aktivitäten fristlos entlassen wurde. Sie holte sich Rat im Internet, in einem Juristen-Forum und trat damit eine Diskussion darüber los, ob und wann man wegen Parteizugehörigkeit oder Angehörigkeit in einer rechtsextremen Organisation sanktioniert werden kann. Diese Frage müssen sich aktuell immer mehr Familiengerichte stellen. Denn auch "nationale Ehen" sind nicht unbedingt für die Ewigkeit geschlossen. Kann dem rechtsextremen Partner das Umgangsrecht untersagt beziehungsweise das Sorgerecht entzogen werden? Viele Frauen, aber auch Männer, die aus der Szene aussteigen wollen, haben vor Gericht noch keine Antwort darauf bekommen.

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