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StartseiteWirtschaft und GesellschaftRWE hält an Tagebau fest18.09.2018

BraunkohleausstiegRWE hält an Tagebau fest

Ein früherer Ausstieg aus dem Braunkohletagebau ist für RWE keine Option. Harald Marx, Leiter der Tagebauplanung von RWE Power, erklärte, dass Bergbau auf lange Sicht angelegt sei. Er kritisiert, dass das von Ronald Pofalla vorgeschlagene Datum 2035 zu einem Strukturbruch führen würde.

Vivien Leue im Gespräch mit Sina Fröhndrich

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Der Tagebau Hambach schiebt sich an den Hambacher Forst. Der Hambacher Forst zwischen Köln und Aachen gilt als Symbol des Widerstands gegen die Kohle. RWE will für den Braunkohleabbau mehr als 100 der verbliebenen 200 Hektar Wald abholzen. (picture alliance/Federico Gambarini/dpa)
Man könne den Tagebau nicht von heute auf morgen aufgeben, dies bedürfe langfristiger Planung, argumentierte RWE-Tagebaumanager Harald Marx im Dlf (picture alliance/Federico Gambarini/dpa)
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Sina Fröhndrich: 2035 oder 2045? Wann endet die Zeit der Braunkohle in Deutschland - diese Frage ist sehr umstritten. Heute hat sich die Kohlekommission in Berlin erneut damit befasst - und während dort versucht wird, nüchtern eine Antwort zu finden, wird diese Diskussion in Nordrhein-Westfalen sehr emotional geführt. Im Mittelpunkt steht der Hambacher Forst - kann, muss, soll der Energiekonzern RWE die Bäume fällen, um weiter Braunkohle abzubauen? Dazu hat sich der RWE-Tagebaumanager geäußert - Vivien Leue konnte mit ihm sprechen. RWE zeigt sich vermutlich nicht so wirklich kompromissbereit beim Ausstiegstermin?

Vivien Leue: RWE sagt ganz klar, ein früheres Ausstiegsdatum, das geht nicht oder zumindest nicht so einfach, wie man sich das vielleicht vorstellt. Das hat mir der Leiter der Tagebauplanung von RWE Power, Harald Marx, erklärt:

O-Ton Harald Marx: "Bergbau ist auf lange Sicht angelegt. Das ist eine Planung von Anfang bis Ende. Man braucht 15 bis 20 Jahre, bis man eine geänderte Abbauplanung hat und dann schließt sich eigentlich erst eine geänderte Ausführung vor Ort an, sodass man - wenn man von dem von Herrn Pofalla vorgeschlagenen Datum 2035 ausgeht - man eben hier einen Strukturbruch erzeugen würde."

Leue: Strukturbruch heißt: Weil die Planungen so lange brauchen und dann mit einem neuen Ausstiegsdatum komplett umgestellt werden müssten, würde der Tagebau wahrscheinlich für viele Jahre stillstehen, bis dann neue Pläne vorliegen - und auch genehmigt sind. Aber: Am Tagebau hängen natürlich etliche Jobs, er kostet auch im Stillstand Unmengen an Unterhaltskosten - das ist also für RWE nicht vorstellbar.

RWE fordert mehr CO2-Einsparungen bei Verkehr und Landwirtschaft

Fröhndrich: Aber auch RWE weiß ja, wir müssen CO2 reduzieren.

Leue: Der Konzern sagt hier: Wir tun doch ganz viel. Es gibt moderne Kraftwerke, Kohlefilter - und es werden auch nach und nach Kraftwerksblöcke abgeschaltet. 

O-Ton Harald Marx: "Wir reduzieren sukzessive die CO2-Emissionen aus Braunkohle, minus 40 bis minus 50 Prozent bis 2030 und dann mit Auslaufen der Tagebaue bis Mitte des Jahrhunderts. Und dann wird die Emission durch Braunkohle bei null liegen."

Leue: RWE verweist hier auch auf die anderen CO2-Emittenten in Deutschland: den Straßenverkehr oder die Landwirtschaft. Hier werde nicht so viel getan, beziehungsweise letztlich auch eingespart.

RWE lehnt Gas als Brückentechnologie ab

Fröhndrich: Braunkohle ist ja die Brückentechnologie - weil Deutschland aus der Atomkraft aussteigt - wie steht denn RWE zu Gas als Brückentechnologie?

Leue: Als alleinige Brückentechnologie haben Gaskraftwerke laut RWE - aus klimatechnischer Sicht - keine Vorteile:

O-Ton Harald Marx: "Diese ganze Transportproblematik, die Emission und die Verluste, die bei dem Transport entstehen, dann sähe die Gesamtbilanz bei der Braunkohle nicht schlechter aus."

Leue: Unter dem Strich bleibt: Wir brauchen einfach bessere Speichertechnologien für Strom aus Erneuerbaren Energien. Wir müssen schauen, dass wir eben keine Brückentechnologien mehr brauchen. Hier sind wir aber noch nicht so weit und hier hätte vielleicht auch die Politik früher Weichen stellen müssen. Jetzt wird das Thema heiß diskutiert, aber vielleicht etwas spät.

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