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StartseiteKommentare und Themen der WocheKoalition steht - Sieling geht01.07.2019

Bremen Koalition steht - Sieling geht

Der Rückzug von Bremens Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) sei richtig, meint Felicitas Boeselager. Sieling beweise damit, dass es ihm nicht um Macht, sondern um die Ausrichtung der neuen Koalition gehe. Im Hinblick auf seine Nachfolge sei der Zeitpunkt jedoch unglücklich gewählt.

Von Felicitas Boeselager

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Carsten Sieling (SPD), noch Bürgermeister in Bremen (dpa-Bildfunk / Carmen Jaspersen)
Carsten Sieling (SPD), noch Bürgermeister in Bremen (dpa-Bildfunk / Carmen Jaspersen)

Es ist ungerecht dem scheidenden Bremer Bürgermeister Carsten Sieling jetzt vorzuwerfen sein Abgang sei peinlich, wie es der Landesvorsitzende der CDU Carsten Meyer-Heder tut. Außerdem wirkt es konstruiert, hatte die CDU doch in den vergangenen Wochen immer wieder seinen Rücktritt gefordert.

Sein Rückzug zeigt Größe

Sielings Rückzug ist nicht peinlich, sondern richtig, er zeigt Größe und auch der Zeitpunkt ist verständlich: Nach intensiven Koalitionsverhandlungen und nachdem der Vertrag vergangene Nacht fertig gestellt wurde, nimmt Sieling seinen Hut und beweist damit, dass es ihm nicht um Macht, sondern um Ausrichtung und Inhalte einer neuen Koalition geht. 

Eine Koalition, die sicher darunter gelitten hätte, wenn Sieling im Amt geblieben wäre. Schließlich war sein ohnehin nicht glänzendes Image nach der historischen Wahlniederlage stark beschädigt. Jetzt hat Sieling für seine Partei noch einmal das getan, was er besonders gut kann: Verhandeln. Das hatte er schon bei den Verhandlungen über den Länderfinanzausgleich bewiesen, als er rund 400 Millionen Euro jährlich mehr für sein Bundesland herausgeholt hat. Die neuen finanziellen Möglichkeiten und die Konsolidierung des Bremer Haushaltes sind sein Vermächtnis an die neue Regierung – sicher kann es ihm nicht leicht gefallen sein, auf die Ernte dieser Früchte zu verzichten.

Sieling ist kein Menschenfänger

Nach vier Jahren im Amt geht nun ein Bürgermeister, der bei den Wahlen im Mai ein historisch schlechtes Tief für die SPD eingefahren hat und in Bremen stets weit unter den Beliebtheitswerten seiner Vorgänger zurück geblieben ist. Dabei gilt Sieling bei den Meisten, die ihn kennen als sehr versierter Fachpolitiker, als freundlicher und ehrlicher Mann. Es ist ihm aber in seiner Amtszeit nicht gelungen, die Erfolge seiner Regierung gut zu verkaufen.

Sieling ist kein Menschenfänger, kein großer Charismat – Eigenschaften, die offenbar von einem Bürgermeister erwartet werden. Sieling wird nun als normaler Abgeordneter in der bremischen Bürgerschaft sitzen, auch das zeigt Größe.

Angesichts der Frage wer ihm nachfolgen wird, ist der Zeitpunkt seines Rückzugs allerdings doch etwas unverständlich. Der als möglicher Nachfolger gehandelte Andreas Bovenschulte wurde erst vergangene Woche zum neuen Fraktionsvorsitzenden der Bremer SPD gewählt. Ansonsten fallen einem bei der Spekulation um Nachfolger hier in Bremen kaum Namen ein, das weist auf ein Problem der Partei hin. Sie hat es versäumt, mögliche Kandidaten aufzubauen, solche die bei den Bremern so bekannt sind, dass sie als Bürgermeister, oder Bürgermeisterin auf Akzeptanz stoßen würden.

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