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StartseiteKultur heute"Bonjour, Monsieur Gauguin!"20.11.2018

Bretagne-Sehnsucht tschechischer Künstler"Bonjour, Monsieur Gauguin!"

Das ganz spezielle Licht an Frankreichs Küste hat Künstler seit dem 19. Jahrhundert in die Bretagne gelockt. Die Schule von Pont-Aven um Paul Gauguin zog seit 1850 auch viele tschechische Maler an. Die Nationalgalerie in Prag widmet dieser künstlerischen Liebe nun eine Ausstellung.

Von Peter Lange

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Bretonische Landschaften dienten Künstlern wie František Kupka als Vorlage für Ihre Malerei (imago / Westend61)
Bretonische Landschaften dienten Künstlern wie František Kupka als Vorlage für Ihre Malerei (imago / Westend61)
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Das Kinsky-Palais, ein barocker Prachtbau, am Altstädter Ring. In diesem Haus ist die Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner geboren, und Kafka Senior hatte hier zeitweise seinen Laden. Heute ist es eines von sechs Gebäuden der Tschechischen Nationalgalerie. Hier sind nun tschechische und französische Künstler zu sehen, die eines gemeinsam haben: Sie alle waren in der Bretagne. Ein Rundgang mit Jiří Fajt, dem Generaldirektor der Nationalgalerie.

"Hier am Anfang hat man die Franzosen gezeigt, und wir gehen jetzt zu den Tschechen rüber."

Circa 250 Bilder sind hier auf zwei Etagen versammelt. Die ältesten sind um 1850 entstanden, als die ersten tschechischen Künstler in die Bretagne gereist sind, wie viele andere auch angezogen vom Reiz und dem besonderen Licht dieser besonderen Landschaft.

"Man kennt zum Beispiel Josef Zíma, der war einer der bekanntesten. Bei ihm kann man die starke Beeinflussung durch dieses durchdringende Licht sehen, wie stark er das rezipiert hat, auch motivisch. Das Meer hat ihn total angezogen."

Landschaften, Alltagsleben, Häfen und Schiffe

Und dann gibt es noch die beiden Kollegen, die dort ab 1887 eine regelrechte Malschule gegründet haben: Émile Bernard und Paul Gauguin.

"Der hat viele ausländische Künstler eingeladen. Und diejenigen, die nicht von ihm eingeladen worden sind, kamen einfach hin, um mit ihm sein zu können oder ihn beobachten zu können."

Alle Motive, die sich in den Bildern anderer europäischer Zeitgenossen finden, sind auch in den Bildern der Tschechen vorhanden. Die Gesichter von bretonischen Männern und Frauen in den Aquarellen von Vojtěch Preissig, Szenen des Alltagslebens und der Arbeit bei Hippolyt Pinkas und Jaroslav Čermák, Landschaften von Wilhelm Riedel, Václav Brožík und František Kupka. Bilder von Häfen, Schiffen, Küsten und Meer.

"Jetzt sind wir hier in einem ganzen Raum mit Bildern von der Küste." - "Das sind Sachen von Otakar Lebeda. Und hier sieht man auch die berühmten Felslandschaften an der Küste in der Bretagne." - "Mit der Entfernung von ein paar Metern würde ich sagen: Wenn man nicht wüsste, dass das von Tschechen gemalt worden ist…" - "Hätte auch ein Franzose malen können." - "Oder gibt es irgendwas Spezifisches, woran Sie erkennen können: Das muss ein Tscheche sein." - "Ich glaube nicht. Sie haben völlig Recht. Das sind Sachen, die ruhig auch andere Leute, zum Beispiel Franzosen selbst, hätten malen können."

Vom klassischen Realismus über die Romantik zum Impressionismus

Alle Stile, die in der europäischen Malerei ab 1850 geprägt wurden, finden sich auch bei den tschechischen Künstlern in der Bretagne wieder: vom klassischen Realismus über die Romantik zum Impressionismus, dazu pointilistische, expressionistische und surrealistische Werke. Selbst der unverkennbare Jugendstil findet sich wieder.

"An der Ornamentik würde man wiedererkennen, dass das Mucha ist?" - "Ja." - "Aber das sind bretonische Trachten." - "Bretonische Frauen in den traditionellen Trachten. Man findet auch sogar diese ornamentale Motive auf den Trachten."

Viele tschechische Maler in dieser Ausstellung dürften für Tschechen alte Bekannte sein. Weniger bekannt dürfte sein, dass sie sich - zum Teil mehrmals oder sogar über mehrere Jahre - in der Bretagne aufgehalten haben. Die Ausstellung der Nationalgalerie im Kinsky-Palais hat deshalb auch eine politische Botschaft, die ihr Direktor Jiří Fajt auch gar nicht verschweigt.

"Kulturell gehörte diese Republik immer in den Westen"

"Kulturell gehörte diese Republik immer in den Westen. Wir haben uns auch bewusst so arrangiert, dass wir diese Verankerung im Westen auch wirklich nachweislich zeigen können."

Dass die Ausstellung ein Besuchermagnet wird, dafür könnten allein die vielen Bilder von der Meeresküste der Bretagne sorgen. Denn wenn den Tschechen etwas fehlt, dann ist es das Meer.

"Und das prägt auch die Mentalität der Tschechen, glaube ich. Die Sehnsucht nach dem Meer ist bestimmt da, ist bestimmt vorhanden." - "Dann kommen auch viele Besucher, da bin ich ganz sicher. Schon wegen der Meeresbilder." - "Ja!"

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