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StartseiteKommentare und Themen der WocheAnfang ohne Zauber31.01.2020

BrexitAnfang ohne Zauber

Der Blick nach vorn während der Abschiedsreden für Großbritannien wollte dem EU-Ratspräsident, dem EU-Parlamentspräsident und der EU-Kommissionschefin nicht so richtig gelingen, meint Peter Kapern. Briten und Europäer treten mit dem Brexit eine Reise ins Ungewisse an.

Von Peter Kapern

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EU-Ratspräsident Charles Michel, Parlamentspräsident David Sassoli und EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen bei einer Pressekonferenz am 31.1.2020 in Brüssel (AFP / John Thys)
EU-Ratspräsident Charles Michel, Parlamentspräsident David Sassoli und EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen konnten keine Zuversicht verbreiten, meint Peter Kapern (AFP / John Thys)
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Es ist ein seltsamer Abschied. Obwohl die Europäische Union eines ihrer wichtigsten Mitgliedsländer verliert, wollen die Abschiedsreden heute nicht so richtig gelingen. Am Mittwoch, im Europaparlament, da war noch echte Wehmut, echter Schmerz zu spüren. Heute, als die drei Präsidenten der EU-Institutionen dem Vereinigten Königreich Farewell sagten, da klang das Ganze arg routiniert. Keinesfalls erschüttert. Eher erleichtert. Na ja – kein Wunder, nach dem Gewürge der letzten dreieinhalb Jahre.

Unklare Zukunft

Aber auch der Blick nach vorn, den Ursula von der Leyen, Charles Michel und David Sassoli bieten wollten, um den Europäern nach dieser Zäsur Zuversicht zu vermitteln, auch dieser Blick nach vorn fiel matt und uninspiriert aus. Dafür gibt es wohl zwei Gründe. Zum einen gilt für die EU nun jener Spruch, den die britische Regierung zu Beginn des Zweiten Weltkriegs auf ein Poster drucken ließ: Keep calm and carry on. Die Probleme, vor denen die EU nun steht, haben sich nicht verändert. Nur, dass die Antworten jetzt von 27 statt von 28 geliefert werden müssen. Einem solchen Anfang wohnt aber einfach kein Zauber inne. Zum anderen, und auch das erschwert den zielgerichteten Blick nach vorn, beginnt mit dem morgigen Tag eine Reise ins Ungewisse. Und zwar für beide, für die EU-27 und für die Briten.

Die EU wird sich verändern 

Wie verschieben sich jetzt die vielfältigen Balancen innerhalb der EU? In der Wirtschafts- , in der Finanz-, in der Außen- und der Sicherheitspolitik? Niemand weiß das. Fest steht nur: Die EU ohne die Briten wird nicht mehr dieselbe sein.

Eine Reise ins Ungewisse tritt aber auch das Vereinigten Königreich an. Die Verheißungen der Brexit-Befürworter, man könne ohne den Ballast, den Brüssel angeblich bedeutet, zu einer globalen Handelsmacht aufsteigen, in der alle Bürger in Wohlstand leben – diese Verheißung wird sich bald das erweisen, was sie ist: Blödsinn. Aber was kommt stattdessen auf die Briten zu? Keiner weiß es. Und weil niemand weiß, wohin diese Reise der beiden Nachbarn ins Ungewisse führt, hat die EU ab heute vor allem eine Pflicht: Die Tür für die Briten offen zu halten, um irgendwann mit ihnen wieder die Kräfte bündeln zu können.

Peter Kapern (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré )Peter Kapern (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré )Peter Kapern, geboren 1962 in Hamm, Westfalen. Studium der Politikwissenschaften, der Philosophie und der Soziologie in Münster. Volontariat beim Deutschlandfunk. Moderator der Informationssendungen des Dlf, 2007 bis 2010 Leiter der Redaktion Innenpolitik, Korrespondent in Düsseldorf, Tel Aviv und Brüssel. 

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