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StartseiteKommentare und Themen der WocheDer Spuk nimmt kein Ende - auch nicht an Halloween11.04.2019

Brexit-VerlängerungDer Spuk nimmt kein Ende - auch nicht an Halloween

Der 31. Oktober als Mittelweg zwischen einer kurzen Brexit-Verschiebung und einer langen sei Wischiwaschi und bringe gar nichts, kommentiert Friedbert Meurer. Die Geisterschau auf der Insel wird unvermindert weitergehen. Im Moment steckten alle fest - die Briten und die EU.

Von Friedbert Meurer

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Demonstranten vor dem House of Parliament (picture alliance /Alberto Pezzali / NurPhoto )
"Am besten hätte man den Briten letzte Nacht zurufen sollen: Geht dann, wenn ihr soweit seid", kommentiert Friedbert Meurer den Brexit-Aufschub (picture alliance /Alberto Pezzali / NurPhoto )
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Jetzt soll Großbritannien also an Halloween aus der EU austreten, am 31. Oktober. Auf der Insel wird der Tag groß gefeiert. Jedes Kind kennt die Aufforderung "Trick or Treat", "Süßes oder Saures", mit der man von den Erwachsenen Süßigkeiten abpressen kann.

Die Briten zum Brexit zu bewegen, den eine gute Hälfte doch so sehnsüchtig will, ist aber nicht ganz so einfach. Der Beschluss des EU-Gipfels in Brüssel wird daran wenig ändern, die Geisterschau auf der Insel wird unvermindert weitergehen.

Niemand glaubt noch daran, dass Premierministerin Theresa May bis zum 22. Mai ihre Hardliner von den Vorzügen ihres Vertrages mit der EU überzeugen kann. Die etwa 30 harten Brexiteers nennen sich jetzt "Spartaner" und sind mit nichts, aber auch gar nichts zum Aufgeben zu bewegen. Mit Süßem nicht und mit Saurem auch nicht.

Richtig ist aber auch, dass Theresa May selbst bis vor nicht allzu langer Zeit gebetsmühlenartig gepredigt hatte, kein Vertrag sei besser als ein schlechter Vertrag. Sie hat die Spartaner erst richtig heiß gemacht, um jetzt zu erkennen, dass der Vertrag mit der EU natürlich besser ist als kein Vertrag.

Neuer Magier in Brüssel zu Halloween?

Aber der 31. Oktober als Mittelweg zwischen einer kurzen Verschiebung und einer langen, wie sie unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel wollte, ist Wischiwaschi und bringt gar nichts. Im Mai sind jetzt Kommunal- und auch Europawahlen im Vereinigten Königreich. Unter diesen Vorzeichen werden Mays Konservative und Jeremy Corbyns Labour-Partei schon gar nicht zusammenkommen.

Der 31. Oktober ist wiederum zu kurz, um eine längere Phase des Nachdenkens einzuleiten. Es ist müßig, den britischen Abgeordneten immer neue Ultimaten zu setzen. Sie wissen doch, dass ein "No Deal" sehr unwahrscheinlich ist. Der Brexit wird im Juni sicher wieder verschoben und im Oktober dann vielleicht noch einmal.

Der Mittelweg des 31. Oktobers kommt in Wahrheit den Tories gar nicht so ungelegen. Wenn sie im Mai zweimal krachend die Wahlen verlieren, sind die Tage Mays endgültig gezählt. Es ist dann noch für die Konservativen Zeit, um binnen zwei Monaten einen neuen Parteivorsitzenden und damit einen neuen Premierminister zu küren. An Halloween würde dann ein ganz neuer Magier in Brüssel die britischen Interessen vertreten, er könnte dann Boris Johnson heißen.

Alle stecken im Moment fest: Die Briten kommen nicht aus der EU heraus, die EU will und darf sie nicht vor die Tür setzen. Brüssel hat nichts Greifbares in der Hand, eine künftige britische Regierung zum Wohlverhalten bei Entscheidungen auf EU-Ebene zu zwingen. Am besten hätte man den Briten letzte Nacht zurufen sollen: Geht dann, wenn ihr soweit seid!

Friedbert Meurer (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Friedbert Meurer (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Friedbert Meurer, Jahrgang 1959, studierte Germanistik und Geschichte in Mainz und Bielefeld mit dem Abschluss Lehramt für Gymnasien. 1986/87 gehörte er zum Gründungsteam des Privatradios RPR in Koblenz und volontierte dann 1988/89 beim Deutschlandfunk. 1995 bis 1999 arbeitete Meurer als Parlamentsreporter in Bonn mit dem Schwerpunkt Außenpolitik. Bis 2015 war er Ressortleiter Zeitfunk und moderierte u. a. "Informationen am Morgen". Seit August 2015 ist er Korrespondent von Deutschlandradio in London.

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