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StartseiteUmwelt und VerbraucherBriten wollen billigen Atomstrom31.08.2012

Briten wollen billigen Atomstrom

Die Nukleardebatte in Großbritannien

Viele Deutsche würden den Slogan "Atomkraft - nein Danke!" auf jeden Fall unterschreiben. Die Mehrheit der Briten jedoch hat anscheinend gegen Atomstrom wenig einzuwenden – vorausgesetzt, er wird nicht zu teuer.

Von Friedbert Meurer

Die britische Wiederaufbereitungsanlage Sellafield (AP Archiv)
Die britische Wiederaufbereitungsanlage Sellafield (AP Archiv)
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Atomkraft, nein danke? Der Slogan gilt in Großbritannien nicht. Unweit des Piccadilly Circus mitten in London kennt Kirsty Alexander vom Verband der britischen Nuklearindustrie die letzten Umfragezahlen. Über 80 Prozent der Briten befürworten danach Atomstrom als Teil eines Energiemixes. Nach Fukushima seien alle relevanten Sicherheitsfragen von unabhängiger Stelle überprüft worden:

"Eine solche Naturkatastrophe wie in Fukushima wird es bei uns nicht geben. Wir haben die höchsten Sicherheitsstandards weltweit. Dieses Niveau gibt es sonst nirgends."

Richard George von Greenpeace Großbritannien hält in seinem Büro im Norden Londons die Umfragezahlen zwar für geschönt. Aber es stimme schon: Die Briten haben keine Sorge vor einem Tsunami und keine Angst vor dem Super-GAU. Die Briten seien eben pragmatisch – entscheidend werde daher der Preis sein.

"Sie fragen zwar, wie sicher war das alles, aber es geht um den Preis, Atomstrom halten die meisten nicht für riskant."


Sollte der französische Konzern EdF tatsächlich 165 Pfund pro Megawatt-Stunde vom britischen Staat garantiert bekommen wollen, wie unlängst die Zeitung The Times behauptete, dann wäre das das Aus für den Bau neuer Kernkraftwerke auf der Insel, meint daher selbst Atomlobbyistin Alexander:

"Das ist glücklicherweise nicht der Fall. Wir warten noch darauf, wie die Vereinbarung zwischen EdF und Regierung aussehen wird. Der Preis wird sicher unter 145 Pfund liegen, und damit mit Off-Shore-Wind wettbewerbsfähig sein."

Das ist zwar immer noch ein mehrfaches des heutigen Marktpreises – aber die Vereinbarung ziele auf das Jahr 2020. Dann sei auch zum Beispiel Strom aus Gas teurer als heute. Dass Atomstrom günstiger als andere Energiequellen ist, bestreitet man bei Greenpeace in London.

"Was den Atomfirmen versprochen wird, daraus wird ein Geheimnis gemacht. EdF will den Preis für Atomstrom billiger als für Off-Shore-Wind halten. Aber selbst die teuerste und modernste Windanlage wird noch billiger sein als ein Atomkraftwerk."

Auch in Deutschland wird inzwischen die Kostenseite des Atomausstiegs einer genauen Überprüfung unterzogen. Aber welche Zahlen in Großbritannien sind richtig? Fest steht, dass auch auf der Insel die Strompreise anziehen werden. Versorgungssicherheit hat ihren Preis – es muss investiert werden. Kirsty Alexander vom Verband der Atomindustrie glaubt, dass Ende des Jahres der Energiekonzern EdF entscheiden wird, das erste von vier geplanten neuen Atomkraftwerken zu bauen.

"Ein neuer Reaktor wird in Hinkley Point gebaut werden, im Südwesten an der Küste. In den Jahren 2019/2020 soll er Strom für fünf Millionen Menschen liefern, und das etwa 60 Jahre lang."

In Hinkley Point gibt es bereits bestehende Anlagen, auf dem Gelände käme ein neuer Reaktor dann hinzu. Auch Richard George von Greenpeace hält den Bau eines neuen Atomreaktors in Hinkley Point für kaum noch abzuwenden, aber erst habe die Regierung zehn neue AKWs bauen wollen, EdF dann sechs, jetzt vier – am Ende würden noch weniger herauskommen.

"Die Chance liegt bei 50 Prozent, dass wir nur ein oder zwei neue Reaktoren bekommen. Ein oder zwei, das ist wohl realistisch. "

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