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StartseiteRock et ceteraMelodien über Gitarrengewitter03.02.2019

Britische Band Big SpringMelodien über Gitarrengewitter

Tonnenschwere Gitarrenriffs, Pop-Melodien und alternative Rock, der an Gruppen wie Alice in Chains oder Muse erinnert: Der Sound der britischen Band Big Spring ist nicht wirklich neu, aber leidenschaftlich und überzeugend.

Von Thomas Elbern

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Das Quartett aus London und Brighton verbindet einprägsame Melodien mit ihrem Gitarrengewitter. Gigs auf dem renommierten Reading und Leeds Festivals sorgten für einen größeren Bekanntheitsgrad auch außerhalb der Insel. Interessant, denn bislang hat die Band seit ihrer Gründung 2015 nur EPs veröffentlicht und tourt unaufhörlich durch Europa. Gitarrist Olli Loring hat einen sehr intuitiven Zugang wenn es um Songwriting geht.

"Ich spiele das, was mir einfällt. Ich kann keine Noten lesen und kann andere Songs nicht einfach so nach Gehör nachspielen. Insofern bleibe ich bei dem, was mich direkt inspiriert. Oft ist es die erste Idee, die ich dann mit der Band weiter ausbaue. Ich versuche erst gar nicht perfekt zu sein oder mir einen ultimativen Refrain auszudenken. Dieser Entstehungsprozess fühlt sich für uns ehrlich an."

Mit dem eigenen Bruder in einer Band

Bei der Musik von Big Spring hat man das Gefühl, das der 90er-Jahre Grunge gerade eine Renaissance erlebt: Bands wie Stone Temple Pilots oder Pearl Jam kann man aus den Songs der Band gut heraushören. Brachiale Gitarren treffen auf Pop-Melodien. Von Anfang an dabei: die beiden Brüder Ollie und Alex Loring. Nun ist es nicht immer eine glückliche Konstellation mit dem eigenen Bruder in einer Band zu spielen. Die Rockgeschichte hat da einige Negativbeispiele parat: Die legendäre Hassliebe der beiden Kinks-Begründer Dave und Ray Davies und natürlich auch die Zwistigkeiten der Gallagher-Brüder, die zum Ende von Oasis geführt haben. Doch Ollie und Alex Loring von Big Spring sehen die Vorteile.

"Wenn du mit deinem Bruder in einer Band spielst, reagierst du anders auf Konflikte, als wenn da nur deine Freunde sind. Das funktioniert hervorragend, weil man ziemlich brutal sein darf, ohne den anderen zu verletzen. Wenn wir gemeinsam etwas komponieren und mein Bruder mir ins Gesicht sagt, das klingt furchtbar, dann ist das ok. Sagt das aber einer meiner Freunde, dann wäre ich ziemlich sauer. Mit meinem Bruder bilde ich ein gutes Team und wir ergänzen uns ziemlich gut.
Unser Sound wäre nicht, wie er ist, wenn wir nicht beide hart daran arbeiten würden."

Eskapismus? Nein danke!

Die Themenwelten von Big Spring spiegeln eine Generation wider, die sich nichts vormachen will. Davon handeln auch viele Songs der Gruppe. Beispielsweise "On a bamboo sleeping mat".                                                                                                   

"In dem Song geht es um jemanden, der im Weltraum unterwegs ist. Er schaut auf den Planeten Erde und je mehr er sich dem entfernt, desto mehr fängt er an, ihn zu vermissen. Er weiß, dass es all diese Probleme auf der Erde gibt und er hasst auch seinen Job dort, aber er fängt trotzdem an, sie zu vermissen. So etwas ist typisch für unsere Themenwelten: wie mondän kann das Leben sein und gleichzeitig zwingt es uns in einen ständigen Überlebenskampf. Sobald man es von einer anderen Seite aus betrachtet, wird einem auch die Schönheit bewusst und einem wird klar, das man sich zu lange auf die negativen Dinge konzentriert hat."

Rockstar sein bedeutet ein Leben im Tourbus, die Einnahmen reichen gerade mal bis zum nächsten Konzert und die Konkurrenz im eigenen Land ist groß. Und den Traum vom dem einen Song, der den kommerziellen Durchbruch bringen könnte, hat Ollie Loring schon länger aufgegeben.

"Früher habe ich immer versucht, diese eine große Single zu schreiben. Heute will ich einfach nur noch organisch und aggressiv klingen. Ich möchte Entwicklungen, wie beispielsweise die des Brexit in der Musik reflektieren. Also keine tolle Single, sondern ziemlich zeitnah am Geschehen sein und eine klare Message platzieren, das aber gleichzeitig mit dem typischen Big Spring Sound."

New Wave neu definiert

Eine der EPs von Big Spring heißt "New Wave". Doch mit dieser neuen Welle ist keine Reminiszenz an den Sound des britischen "New Wave" der frühen Achtziger Jahre gemeint, sondern eher eine dringende gesellschaftliche Neuorientierung.

"Mit neuer Welle meinen wir eine Art Bewusstseinsprozess. Drei Leute in der Band sind beispielsweise passionierte Veganer. So viele mögliche Lösungen unserer Probleme werden einfach ignoriert. Das meinen wir mit "New Wave". Es geht dabei allerdings nicht nur um Veganismus, sondern auch um unfähige Politiker, die ungleiche Verteilung des Kapitals, Gesetze, die verabschiedet werden und keinerlei Sinn ergeben. Bei New Wave geht es also darum, einen neuen Weg zu finden den Planeten und die Menschen zu retten und als Spezies wirklich besser zu werden."

Mehr Spaß, weniger Selbstkritik!

Big Spring sind keine Band, die ihre Zeit lieber im Studio als auf der Bühne verbringt. Das Ziel der Gruppe ist, ihren Sound gerade durch viele Livekonzerte zu entwickeln, bevor sie überhaupt ein ganzes Album herausbringt. Und auf diesem Weg hat es schon einen Entwicklungsprozess gegeben.

"Ich glaube einer der wichtigsten Momente innerhalb der Band war, als wir verstanden hatten, dass es keinen Sinn macht, unsere Live Performance zu kritisch zu sehen. Früher haben wir das immer stundenlang ausdiskutiert, wenn bei einem Gig etwas daneben ging. Heute genießen wir eher die Zeit auf der Bühne, was auch mit unseren Zuschauern zu tun hat, die jede Show so abfeiern und fast jeden Song mitsingen. Sich selbst gegenüber so brutal zu sein, ergibt einfach keinen Sinn, denn Fehler passieren und das macht alles auch natürlicher und bringt auch Spaß."

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