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StartseiteForschung aktuellVerbreitung von Bestäubern schwankt03.05.2019

Britische Insektenzählung Verbreitung von Bestäubern schwankt

Die Verbreitung von Bestäubungsinsekten in Großbritannien ist laut einer Studie in 30 Jahren um 25 Prozent gesunken. Dabei gibt es Unterschiede: Kulturpflanzen-Bestäuber wie Hummeln und Wildbienen waren weniger beeinträchtigt als Arten, die sich von Wildkräutern- und Pflanzen ernähren.

Von Joachim Budde

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Eine Honigbiene sitzt auf einer Blumenwiese auf der Blüte einer Kornblume. (imago / McPHOTO / Andreas Volz)
Bestäuber von Kulturpflanzen finden zu bestimmten Jahreszeiten ein reiches Nahrungsangebot (imago / McPHOTO / Andreas Volz)
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Eigentlich ist das Ergebnis von Nick Isaacs Studie so eindeutig wie negativ: Innerhalb von 30 Jahren ist die Verbreitung von Bestäubungsinsekten in Großbritannien – sowohl von Wildbienen als auch von Schwebfliegen – um 25 Prozent zurückgegangen. Im Schnitt.
 
Für die Erhebung haben die Forscher ein Raster aus Quadraten von einem Quadratkilometer Größe über die Landkarte Großbritanniens gelegt, in denen Hobby-Entomologen nach den Insekten Ausschau gehalten haben. Die Verbreitungsgebiete der meisten Arten sind in den 30 Jahren geschrumpft, im Schnitt um ein Viertel. Als wichtigste Gründe für die Rückgänge nennen die Autoren den Verlust von Lebensraum, den Klimawandel und Ackergifte. Der Trend insgesamt ist bei Wildbienen, zu denen auch die Hummeln gehören, und Schwebfliegen gleich, aber dennoch gibt es einige Unterschiede, sagt der Forscher vom Centre for Ecology and Hydrology, dem britischen Exzellenzzentrum für Umweltforschung in Wallingford südlich von Oxford.

Ernährung von Larven entscheidend für Bienenwachstum

Im Detail zeigen sich aber Unterschiede. Zum Beispiel zwischen Wildbienen und Schwebfliegen:

"Bei den Schwebfliegen traten die größten Verluste vor dem Jahr 2000 auf, während bei den Bienen der größte Teil der Verluste seit 2007 passiert ist. Zufällig ist 2007 das Jahr, in dem wir erstmals bemerkt haben, dass wir Bienen verlieren könnten. Verluste gab es auch schon vor diesem Jahr. Sie waren aber viel kleiner als nach 2007."

Den Unterschied erklären sich die Forscher so: Zum einen entwickeln sich bei den meisten Bienenarten die Larven in Nestern. Die Erwachsenen versorgen den Nachwuchs aktiv mit Nahrung – so ist es sowohl für die Hummeln mit ihren kleinen Staaten als auch für die allein lebenden Wildbienen. Schwebfliegen hingegen bewegen sich frei durch die Landschaft, ihre Larven suchen sich ihre Nahrung in ganz unterschiedlichen Lebensräumen selbst. Sie fressen Blattläuse, lebende oder verfaulende Pflanzenteile. Viele von ihnen wachsen unter Wasser heran. Besonders diese Arten profitierten davon, dass es in Großbritannien seit 1992 verboten ist, Abwässer ungeklärt in die Flüsse einzuleiten.

Gute Nachrichten für Landwirte

Viele Wildbienen wiederum sind auf bestimmte Pflanzen als Nahrung angewiesen. Auch davon hängt der Studie zufolge ab, wie gut es den einzelnen Arten geht. Den 23 Hummel- und Wildbienenarten, die Kulturpflanzen bestäuben, ging es weniger schlecht als den 117 Arten, die sich von Wildkräutern und -pflanzen ernähren oder auf spezielle Lebensräume angewiesen sind.

"Ihre Verbreitung ging hingegen deutlich zurück. Dieses Ergebnis ist auch mit Blick auf die Bestäubung wichtig. Unsere Studie liefert gute Nachrichten für Landwirte und Leute, denen nur die Bestäubung von Kulturpflanzen wichtig ist. Sie liefert aber wirklich schlechte Nachrichten, wenn man sich auch um die Artenvielfalt und um Wildpflanzen sorgt."

Die Bestäuber von Kulturpflanzen finden einerseits zu bestimmten Jahreszeiten ein reiches Nahrungsangebot, zum Beispiel wenn der Raps blüht. So gehört die Graue Sandbiene Andrena cineraria zum Beispiel zu den Gewinnern. Die Weibchen dieser Art mit dem schwarzen Pelz mit breiten grauen Streifen sind wichtige Bestäuber im Raps und kommen heute fünfmal so häufig vor wie noch 1980.

Verbreitungsgrad verschiedener Hummeln ist geschrumpft

Die Bestäuber von Kulturpflanzen profitieren andererseits von Schutzmaßnahmen der Landwirte.

"In den 1990ern und den frühen 2000er-Jahren wurde in Großbritannien viel öffentliches Geld für umweltfreundliche Landbewirtschaftung ausgegeben, insbesondere für blütenreiche Wiesen am Rande von Äckern. Aus wirklich guten Studien wissen wir, dass diese Blühstreifen aber besonders Hummeln zugutekommen, die zu den wichtigsten Bestäubern von Kulturpflanzen gehören. Aus dieser und unserer Studie schlussfolgern wir, dass die Maßnahmen einen positiven Effekt auf die dominierenden Kulturpflanzenbestäubern haben."

An den Arten, die auf andere Pflanzen und auf spezielle Lebensräume angewiesen sind, gehen solche Maßnahmen hingegen vorbei, etwa an der Grashummel Bombus rudearius. Diese eher kleine Hummelart – buschig schwarz bis auf die orange-rote Spitze des Hinterleibs – ist auf Wildkräuter wie Klee, Beinwell oder Wicken angewiesen. Ihr Verbreitungsgebiet ist im Vergleich zu 1980 fast um die Hälfte geschrumpft.

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