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StartseiteEuropa heuteWas folgt auf den Linksruck?06.02.2018

Britische Labour-ParteiWas folgt auf den Linksruck?

Die britische Labour-Partei ist mit 570.000 Mitgliedern die stärkste Partei Westeuropas. Das verdankt sie zum einen ihrem linken Vorsitzenden Jeremy Corbyn, zum anderen ihrer radikalen Öffnung gegenüber Unterstützern - die später zur Mitgliedern wurden. Dennoch ist unklar, wie es inhaltlich weitergeht.

Von Judith Koch

Der Vorsitzende der britischen Labour Party, Jeremy Corbyn, sitzt am 25.09.2017 in Brighton (Großbritannien) anlässlich des Labour-Parteitages vor einem Bildschirm mit der Aufschrift "For the many. Not the few". Vom 24.-27.09. kommen die Labour-Parteimitglieder zum Parteitag zusammen.  (dpa / picture alliance / Joel Goodman)
Als Grund für Labours immensen Erfolg wird Jeremy Corbyn gehandelt, er gilt als Menschenfänger und steht für einen Linksruck. Besonders populär ist er bei der Jugend. (dpa / picture alliance / Joel Goodman)
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Ob von registrierten Unterstützern oder Labour-Mitgliedern - Jeremy Corbyn hatte genug Rückendeckung, als er 2015 vom unscheinbaren Labour-Hinterbänkler zum Parteivorsitzenden aufstieg. Eine Überraschung für das Labour-Establishment. Heute ist Labour mit 570.000 Mitgliedern die stärkste Partei Westeuropas. Nicht nur die Person Corbyn, auch die radikale Öffnung der Partei gegenüber Unterstützern hat zu dem großen Zustrom beigetragen.

Erstmals in der Parteigeschichte konnten sich bei der Wahl des Parteivorsitzenden 2015 auch Nicht-Mitglieder registrieren lassen und für umgerechnet 3,50 Euro mit abstimmen. Mit Erfolg: Ein Großteil von ihnen wurde hinterher zu Voll-Mitgliedern. Als Grund für Labours immensen Erfolg wird Corbyn gehandelt, er gilt als Menschenfänger und steht für einen Linksruck. Besonders populär ist er bei der Jugend.

"Ich glaube, es gibt niemanden in der Labour Partei, der geeigneter wäre, die Partei zu führen als Corbyn. Und das Wichtige ist - es geht hier nicht nur um die Person Corbyn, es geht vielmehr um die Menschen, die er inspiriert."

Keine reine Jugendbewegung

Auch der 22-jährige Duncan Michie fühlte sich von Corbyn angesprochen. Zwar ist der Chemiestudent schon seit sechs Jahren Labour-Mitglied, richtig aktiv ist er aber erst seit 2015. Seit Corbyn. Labour mit seinen zahlreichen Neu-Mitgliedern als reine Jugendbewegung zu bezeichnen, sei falsch, meint Jessica Garland, Politikwissenschaftlerin an der University of Sussex:

"Es ist nicht so, dass alle neuen Labour-Mitglieder jung sind. Auch viele ältere Mitglieder, die die Partei für eine Weile verlassen haben, sind zurückgekommen. Wir sprechen hier über ein ganzes Spektrum an Unterstützern für den neuen Parteiführer."

Doch wie treten die Neu-Mitglieder jetzt in Erscheinung? Kevin Allen, der längere Zeit in Deutschland gelebt hat, ist Labour-Councillor für den Wahlkreis Preston Park im südenglischen Brighton. Er meint:

"Die neuen Mitglieder sind organisiert auf ganz traditionelle Weise wie früher, aber es gibt einfach mehr davon. Ja und von den 650 Mitgliedern in meinem Wahlbezirk sind nur eine kleine Minderheit organisiert und aktiv, das ist klar, aber es sind mehr als früher."

Mit ihnen kämpft Kevin Allen in seinem Wahlkreis für mehr soziale Gerechtigkeit: "Es ist furchtbar in Großbritannien was in den letzten Jahren geschehen ist. Und wir haben eine Chance, mit Corbyn etwas dagegen zu tun."

Wunsch nach mehr politischem Einfluss

Kevin Allen ist Mitglied bei Momentum, einer politisch linken Bewegung, gegründet 2015 von dem britischen Labour-Aktivisten Jon Lansman - als Unterstützer-Organisation für Labour. Momentum ist mit verantwortlich für Labours immensen Erfolg. Die 23.000 Mitglieder sind in 150 lokalen Gruppen organisiert. Und: Viele Momentum-Mitglieder sind mittlerweile auch der Labour-Partei beigetreten. Momentum startete als Initiative, die Mietervereinigungen oder Initiativkindergärten unterstützen und vernetzen wollte. Doch von dem anfänglichen sozialen Engagement ist aus Duncan Michies Sicht nicht viel übrig geblieben:

"Mittlerweile ist Momentum aber vor allem eine Wahlkampforganisation und eine Lobby-Organisation für Labour - was Momentum zwar durchaus effektiv macht, aber Momentum ist nicht mehr das, was es ursprünglich sein wollte."

Jetzt konzentriert sich Momentum vor allem darauf, neues Parteipersonal für Labour zu rekrutieren - und die Organisation will offiziell Teil von Labour werden, um die Partei noch weiter nach links zu drücken.

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