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StartseiteKultur heuteDie Gutenberg-Galaxis 16.08.2019

Buch-Experte Stephan Füssel über die Revolution der KommunikationDie Gutenberg-Galaxis

Sommerreihe "Wendepunkte: Vorher - Nachher"

Ohne die Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg gäbe es weder Zeitungen noch Massenkommunikation, sagte Stefan Füssel von der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz im Dlf. Es gäbe auch keine Öffentlichkeit im heutigen Sinn - und keine mündigen Leser.

Stephan Füssel im Gespräch mit Michael Köhler

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Der Mainzer Buchwissenschaftler Stephan Füssel hält ein Exemplar der neu erschienenen Reproduktion der Gutenberg-Bibel von 1454 in Händen (dpa / Peter Zschunke)
Blick in die reproduzierte Gutenberg-Bibel von 1454 (dpa / Peter Zschunke)

Was kam durch Gutenberg in die Welt, das vorher nicht schon da war? Gedruckte Bücher und deutsche Bibeln gab es auch schon vor ihm. Aber das Entscheidende, sagt Stefan Füssel, waren die ganz anderen Auflagen. Bücher, die bis um das Jahr 1450 in Klöstern und Schreibstuben verborgen blieben, seien für eine Öffentlichkeit verfügbar geworden.

Die Medienrevolution des Jahrtausends

Wissen, vom Rechnen bis zur Geburtshilfe, konnte geteilt werden, zusammen mit dem Schulwesen setzte das eine Bildungsrevolution in Gang, ablesbar an der Vielzahl von Universitätsgründungen, ob in Freiburg, Mainz, Basel oder Venedig. Die erste Gutenberg-Bibel, genannt B42 wegen ihrer 42 Zeilen pro Seite, ein "typographisches Meisterwerk", habe die zweite Medienrevolution nach der Erfindung der Schrift im 4. Jahrtausend vor Christus in Gang gesetzt.

Damals sei es gelungen, Wissen über Grenzen und Generationen zu erhalten. Mit Buchdruck und allgemeiner Verfügbarkeit seien Zeitungen, populäre Texte, Massenkommunikation möglich geworden, ebenso wie die moderne Autoren-Identität und der Begriff der Öffentlichkeit: "Der mündige Leser und Käufer entsteht."

Der Mainzer Buchwissenschaftler Stephan Füssel hält ein Exemplar der neu erschienenen Reproduktion der Gutenberg-Bibel von 1454 in Händen. (dpa / Peter Zschunke)Der Mainzer Buchwissenschaftler Stephan Füssel, 2018 (dpa / Peter Zschunke)

Stephan Füssel ist Professor für Buchwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz und Direktor des "Forschungsinstituts Lesen und Medien". Als Buchautor beschäftigte er sich besonders mit der Frühzeit des Buchdrucks. Neben einer Gutenberg-Monographie schrieb er das Buch "Gutenberg und seine Wirkung", erschienen im Insel-Verlag.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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