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StartseiteFrankfurter Buchmesse 2016Hat das E-Book seinen Zenit überschritten?19.10.2016

Buchmarkt Hat das E-Book seinen Zenit überschritten?

E-Books waren einmal die große Hoffnung der Verlage in Zeiten der Digitalisierung. Verleger Helge Malchow glaubt allerdings, der Hype des E-Books sei vorüber. Anders sieht das die Programmiererin und Designerin Andrea Nienhaus. Wer hat recht? Eine Gegenüberstellung.

e-Book neben einem Buch (picture alliance/dpa/Foto: Jens Kalaene)
e-Book neben einem Buch (picture alliance/dpa/Foto: Jens Kalaene)

Malchow, langjähriger Leiter des KiWi-Verlags, sieht in Deutschland immer noch eine große Leselust. "Ich sehe bei Büchern das Abendland nicht zugrunde gehen", scherzt der 66-Jährige. Auch die allgemein befürchtete Verdrängung von gedruckten Büchern durch den E-Book-Hype sieht Malchow als vergangen an. Im Verkauf von elektronischen Büchern erlebe Kiepenheuer & Witsch eher eine Stagnation, so der Verlagschef. Stattdessen ginge der Trend nun wieder zu schönen, aufwendig und hochwertig produzierten Hardcover-Büchern.

Die Gegenposition: Die Leser wollen E-Books

Anders sieht das Andrea Nienhaus. Sie programmiert und designt E-Books. Sie legt Wert darauf zu differenzieren, über welche Produkte und Veröffentlichungsformen am E-Book-Markt man genau spricht, wenn man beurteilen möchte, was davon Erfolg hat und was nicht: Wissenschaftliche Publikationen, Belletristik, Kinderbücher, Behördenveröffentlichungen?

Nienhaus geht deswegen nicht davon aus, dass das E-Book seine besten Zeiten bereits hinter sich hat: "Wir werden erst in vielen Jahren sehen, ob ein Zenit erreicht wird oder nicht," sagte sie dem Deutschlandfunk.

Sie verweist auf eine neue Studie des Digital-Branchenverbands Bitkom. Demnach ändere sich das Nutzungsverhalten der Leser. "Unterwegs oder im Urlaub will ich lieber digital lesen, zuhause vielleicht eher analog," so Nienhaus. Diese Tendenz werde nicht verschwinden, sondern sich eher verstärken, glaubt sie. Die Studie zeige außerdem, dass die Leser beide Formen wollten.

"Es wird nicht irgendwann so sein, dass 80 Prozent der Leute nur E-Books lesen und die anderen 20 auf Papier. Sondern die Entwicklung ist total schwer vorherzusehen." Für sie ist es wichtig, die Entwicklungsmöglichkeiten digitalen Publizierens zu beachten. Besonders für Kleinverlage böte das digitale Veröffentlichen Chancen: Oft werde dort "digital first" veröffentlicht – so wolle man versuchen einzuschätzen, ob sich eine Drucklegung lohnt und damit das Planungsrisiko minimieren.

Nienhaus findet E-Books allerdings zu teuer. "20 Euro für ein Hardcover-Buch und 18 für ein E-Book - das ist eine Frechheit." Es gebe keine Druckkosten, keine Materialkosten. "18 Euro für eine Datei sind zu teuer". Auch wenn man sehen müsse, dass dies unter anderem an der Buchpreisbindung liege.

cvo/pg

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