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StartseiteKultur heuteDeutsche Geschichten in Taipeh18.02.2019

Buchmesse in TaiwanDeutsche Geschichten in Taipeh

Deutsche Bücher liegen im Trend in Taiwan: Die Justizkrimis von Ferdinand von Schirach zum Beispiel sind auch dort Beststeller. Von Schirach, Miriam Meckel und weitere deutsche Autoren waren gerade auf der Buchmesse in Taipeh zu Gast - die deutsche Präsenz dort war auch ein politisches Statement.

Von Klaus Bardenhagen

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In Taipeh waren 13 deutsche Autoren zur Buchmesse zu Gast. (imago stock&people)
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Den Ehrenplatz, gleich am Eingang zur großen Messehalle in Taipeh, belegte der deutsche Stand. Mit klaren schwarzen Linien, inspiriert vom Bauhaus-Design, vielen Büchern zum Blättern auf Deutsch und in chinesischer Übersetzung. Und mit einer Bühne, auf der die 13 angereisten Autoren angeregt mit Taiwanern debattierten. "German Stories" stand als Motto über dem Stand: deutsche Geschichten am anderen Ende der Welt.

"Es gibt einfach Themen, die uns sowohl in Deutschland wie auch in Taiwan beschäftigen", sagt Jens Rösler, der als Leiter des Goethe-Instituts in Taipeh den deutschen Auftritt mitgestaltet hat. "Das sind auch Themen wie künstliche Intelligenz und Digitalisierung, die uns im Grunde weltweit beschäftigen, auch in Deutschland und in Taiwan, wo aber eben deutsche Autoren ganz interessante reflektive Ansätze bieten."

"Deutsche Autoren immer beliebter"

Wie Technologie unser Leben bereits verändert und was uns noch bevorsteht, davon erzählte zum Beispiel Marc-Uwe Kling. Sein Roman "Qualityland", den er eine lustige Dystopie nennt, soll bald in Taiwan erscheinen. Bücher aus den USA und Japan werden noch häufiger übersetzt, doch pro Jahr kaufen Taiwans Verlage immerhin zwischen 80 und 100 Lizenzen für deutsche Titel. James Chao leitet die Buchmesse und ist selbst Verleger. "Seit ein paar Jahren werden deutsche Autoren in Taiwan immer beliebter. Zum Beispiel bei Themen wie Vergangenheitsbewältigung oder Menschenrechte. Das wird in amerikanischen oder japanischen Büchern selten thematisiert: welchen Weg eine Gesellschaft nimmt und wie sie sich entwickelt."

Wie Deutschland muss auch Taiwan dunkle Seiten seiner Geschichte aufarbeiten. Bis in die neunziger Jahre war das Land eine Diktatur. Auch Ferdinand von Schirach wurde viel nach deutschen Erfahrungen gefragt. Es war sein erster Besuch in Taiwan. Die Justizkrimis des Rechtsanwalts sind auch hier Bestseller - acht seiner Bücher wurden übersetzt. "Ich habe auch hier auf der Messe Leser erlebt, was ja immer das Schönste ist. Und teilweise war das sehr berührend. Repräsentativ war eine ältere Frau, die sagte, dass meine Bücher ihr die Wahrheit sagen würden. Ich fand das einen sehr erstaunlichen Satz."

"Das Land steht im Schatten von China"

Anders als von Schirach hatte Miriam Meckel schon Taiwan-Erfahrung. Die Publizistin, die unter anderem ihr Buch über Burn-out vorstellte, hatte als Studentin vor fast 30 Jahren ein Jahr in Taipeh Chinesisch gelernt. Der direkte Kontakt ist irgendwann abgebrochen, doch über die Medien verfolgte Meckel Taiwans Demokratisierung und seine Bedrohung durch die Volksrepublik China, die Taiwan für sich beansprucht.

"Das Land steht immer im Schatten von China wegen natürlich der unfassbaren Wirtschaftskraft, die China entwickelt hat - vor allem in den letzten zehn Jahren. Natürlich aber auch, weil China einen erheblichen Druck ausübt, dass Taiwan möglichst nicht in der öffentlichen Wahrnehmung ist."

Kultur-Auftritt mit politischer Bedeutung

Durchaus mit Erfolg, denn Taiwans politische Isolation ist in Deutschland selten Thema. Wie fast alle Länder unterhält Deutschland keine diplomatischen Beziehungen, aus Rücksicht auf Peking. Immerhin gibt es einen inoffiziellen Botschafter, Thomas Prinz. Als erfahrener Diplomat kann er ein Land wie China kritisieren, auch ohne es beim Namen zu nennen. "Wir leben insgesamt in einer Zeit, wo unterschiedliche Wertvorstellungen aufeinandertreffen und autoritäre Regime teilweise ökonomisch sehr erfolgreich versuchen, ihr Modell zu exportieren. Und in dieser Auseinandersetzung müssen wir Demokraten zusammenstehen und uns gegenseitig unterstützen. Und das macht Deutschland hier mit dem großen deutschen Stand auf der Taipei Book Fair."

Der Kultur-Auftritt war also auch ein politisches Statement: Deutschland versteckt sich in Taiwan nicht. Und beide Seiten haben sich viel zu sagen. Dass aber Taiwan demnächst offizielles Gastland auf einer deutschen Buchmesse sein könnte, bleibt angesichts des Drucks aus China unwahrscheinlich.

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