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StartseiteTag für TagDer Sonnengott wohnt an der Mosel23.10.2019

Buddha-MuseumDer Sonnengott wohnt an der Mosel

In Traben-Trarbach an der Mosel haben Buddhas und weibliche Gottheiten einen großen Auftritt. Ausgestellt werden rund 2.000 fernöstliche Kultgegenstände eines privaten Sammlers. Da das Haus ohne staatliche Förderung auskommt, fällt die wissenschaftliche Einordnung jedoch teilweise dürftig aus.

Von Mechthild Klein

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Der Bodhisattva Manjushri im Lotussitz (Deutschlandradio / Mechthild Klein)
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Buddha wohnt in einer ehemaligen Weinkellerei an der Mosel. 2.000 religiöse Exponate kann man im Buddha-Museum in Traben-Trarbach sehen. Sie stammen aus Indien, Afghanistan, Thailand, China bis Japan und Vietnam. Manche sind bis zu 1.700 Jahre alt. In einem renovierten Jugendstil-Haus, das der Berliner Architekt Bruno Möhring einst erbaute, eröffnete das Museum vor zehn Jahren. Es ist die Privat-Sammlung des verstorbenen Unternehmers Wolfgang Preuß.

"Das ist das Alleinstellungsmerkmal dieser Sammlung: Wir haben aus allen Richtungen und allen relevanten Epochen typische Originalstatuen. Man kann das wirklich erleben, wie die Statuen ihre Schönheit, ihre Pracht und ihre Kraft entfalten", sagt Lydia Unger. Sie leitet das Buddha-Museum. Die Buddhistin ist von Anfang an dabei. Über den Begründer der Sammlung sagt sie:

"Er hat super Verbindungen gehabt, sich sehr bemüht und dadurch eben bei Antiquitätenhändlern Statuen gefunden, die erworben. Er hat Scouts losgeschickt. Wir haben eine Sammlung Angkor Wat, von einer Schönheit, einem Erhaltungszustand, einer Quantität, die ihres Gleichen sucht, eine Ausstellung von Weltrang. Wir haben fünf der ältesten Buddhas, die man auf der Erde finden kann. Sogenannte Gandhara-Buddhas."

Museumleiterin Lydia Unger zeigt im Depot die Stücke von denen sich das Museum trennen will und verkauft (Deutschlandradio / Mechthild Klein)Museumleiterin Lydia Unger zeigt im Depot die Stücke von denen sich das Museum trennen will und verkauft (Deutschlandradio / Mechthild Klein)

Die Skulpturen aus Schiefer oder Stuck gehören zu den ältesten Darstellungen des Buddha in menschlicher Form. Sie stammen aus dem 2. oder 3. Jahrhundert nach Christus. Gefertigt wurden sie in Gandhara, einem Gebiet zwischen Afghanistan und Pakistan, in dem hellenistische mit indischen Einflüssen verschmolzen. So wurde der Buddha dort in griechischen Gewändern dargestellt. Sein Haupt umgibt ein riesiger Nimbus. Keine Frage. Diese Stücke sind Raritäten. Sie stehen hinter Sicherheitsglaus. Lydia Unger:

"Da ergibt sich sofort die Frage, wie kann man die denn kaufen? Die wollen die ja zurück. Das ist ja gar nicht so mit rechten Dingen. Diese Statuen, die waren schon viele Jahre hier in Europa oder wo auch immer, manche in Amerika. Aber nicht mehr in den Ursprungsländern. Denn zum Beispiel Gandhara, das ist heute Afghanistan, Pakistan - der Islam erlaubt ja keine Abbilder in menschlicher Form und da werden sie in solchen Ländern zerstört. Somit ist ja jeder Buddhist glücklich, dass die Statuen jetzt hier sind."

Wohin gehören die Kulturschätze?

In Afghanistan waren beispielsweise die großen Buddha-Statuen im Felsmassiv von Bamiyan schon vor Jahrhunderten Ziel von islamischen Bilderstürmern und Milizen. Zuerst zerstörten sie die Gesichter der Figuren, dann die Hände und Geschlechtsteile. Die endgültige Sprengung der Buddha-Figuren geschah durch die Taliban im Jahr 2001. Nicht besser erging es dem Museum in Kabul, das bereits 1996 von den Taliban geplündert wurde. Und im Nachbarland China unter Mao begann bereits 1966 eine Dekade, in der zahlreiche alte religiöse Kunstschätze dem Erdboden gleichgemacht wurden. 

Unger erzählt: "In China wurden während der Kulturrevolution, die Statuen und auch die Tempel zerstört. Und wir sind daher froh, dass diese Statuen damals außer Landes gebracht wurden. Die sind irgendwo gelandet, die hat dann jemand gesammelt. In Tibet genauso. Und von daher ist es so, dass Herr Preuß ganze Sammlungen, die ihm angeboten wurden, erworben hat."

Heute müssen sich alle staatlichen Museen in Europa damit beschäftigen, ob die Stücke in ihren Sammlungen rechtmäßig erworben worden sind. Die Provenienz-Forschung, die Klärung der Herkunft der Stücke, ist ein empfindlicher Punkt für jedes Museum, denn die Ursprungsländer können Rückforderungen stellen. Das Museum bleibt dann auf seinen Kosten für den Einkauf sitzen. Andererseits stimmt es, dass manche Kunstschätze nur erhalten blieben, weil sie außer Landes gebracht und so vor ihrer Vernichtung bewahrt wurden. Religiöse Kunst hat einen Wandel durchgemacht: Stücke, die in Tempeln die Andacht und Meditation unterstützten, werden auf einem erhitzten Kunstmarkt gehandelt.

Seltene Stücke

Das Buddha-Museum in Traben-Trarbach hat manche Rarität zu bieten, etwa Skulpturen aus Thailand aus dem 6. bis 11. Jahrhundert, aus der Mon-Kultur.

"Die hat ganz stille und steinerne Buddhas, die ganz anmutig und ruhig dasitzen – hat diese Kultur entworfen. Und Räder."

Es gibt auch eine hinduistische Symbolik. Die meterhohen steinernen Räder unter deren Achse der Sonnengott Surya steht. Er hält zwei Lotusknospen in der Hand. Eines dieser Chakras aus Thailand stammt wohl aus dem 8. oder 9. Jahrhundert und steht auf dem Dachgarten des Museums.

"Es gibt vielleicht auf der ganzen Erde 50, wir haben acht, aus dem 7. Jahrhundert mit einer großen Ausstrahlung."

Der Sonnengott Surya vor seinem Chakra - hier als Symbol für die Sonne (Deutschlandradio / Mechthild Klein)Der Sonnengott Surya vor seinem Chakra auf der Dachterrasse des Buddha-Museums (Deutschlandradio / Mechthild Klein)

Das Museum ist eine wilde Sammlung fast aller buddhistischen Schulen und Epochen. Dass ein Sammler die historischen Stücke der Öffentlichkeit zeigt und ein Museum dafür einrichtet, verdient Respekt. Viele Sammler religiöser Kunst behalten ihre Stücke lieber in den eigenen vier Wänden oder in Depots. Dieses Privat-Museum an der Mosel in einer Kleinstadt fernab der großen Metropolen kommt ganz ohne staatliche Förderung aus. Dass die Beschreibungen der Objekte teilweise dürftig ausfallen, ist sicher auch dem Personalmangel geschuldet. Zwar gibt es einige kleine Lesepulte, doch für die Zuordnung zu den Figuren braucht man Geduld.

"Das Museum ist jetzt nicht so sehr dokumentarisch gedacht, als vielmehr als ein Raum der Stille und der Besinnung und der Neugier. Es ist auch schon was zum Entdecken."

Das Buddha-Museum ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet, ab November 2019 immer am Wochenende.

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