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StartseiteTag für TagBhante wird wieder zu Roland17.06.2020

BuddhismusBhante wird wieder zu Roland

Der bekannte deutsche Buddhist Bhante Nyanabodhi hat seine Robe niedergelegt, das heißt: Er ist kein Mönch mehr. Ein Grund für die Entscheidung: Er möchte nicht mehr zölibatär leben. Die Entrobung sei ein "bisschen wie Sterben", sagt ein anderer Ex-Mönch. Manchmal wird daraus eine entwürdigende Zeremonie.

Von Mechthild Klein

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Ein Mönch in Myanmar. (Deutschlandradio / Daniela Kurz)
Wenn Mönche dem Kloster den Rücken kehren, geben sie formell ihre Robe zurück (Deutschlandradio / Daniela Kurz)
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Zum letzten Mal singt der deutsche Buddhist Bhante Nyanabodhi das traditionelle Gebet in seiner Funktion als Mönch. Er verbreitet es über die Plattform Youtube. Vor zwei Wochen hat der Mann seine Robe abgelegt, das ockergelbe lange Tuch, das Mönche traditionell in der Theravada-Schule als Gewand tragen.

"Liebe Freundinnen und Freunde des Buddha-Haus-Projektes und der Metta Vihara. Vieles ist im Umbruch und so ist es auch bei uns."

Sagt Roland Nyanabodhi in seiner Videobotschaft an seine buddhistische Gemeinschaft rund um die Metta Vihara. Metta Vihara – das heißt soviel wie "Kloster der liebenden Güte".

"Bereits über die letzten Jahre wurde mir immer klarer, dass mir das traditionelle Mönchsleben immer weniger Freude bereitete und ich etwas Neues ausprobieren wollte. Gleichzeitig hatte sich im letzten halben Jahr fast die gesamte Klostergemeinschaft aufgelöst. Auch war es kaum möglich, Mönche zu finden, die sich für unsere nicht klassisch traditionelle Lebensweise begeistern konnten. In mir entstand die Frage, ob die monastische Lebensform überhaupt noch stimmig ist für die Metta Vihara."

"Ich war total gern Mönch"

Metta Vihara - das Waldkloster im Allgäuer Ort Buchenberg hatte einst die Theravada-Nonne Ayya Khema begründet. Doch zuletzt blieb nur noch ein Mönch übrig.

"Inzwischen ist auch eine sehr innige Beziehung zu Tanja entstanden, worauf sich bei uns beiden der Wunsch entwickelt hat, unsere Liebe in einer Partnerschaft zu leben."

Sagt er in seiner Botschaft. Der Mann ist konsequent: Partnerschaft und Mönchsgelübde – das geht für ihn nicht zusammen.

"So ist in mir der Entschluss gereift, die Robe nach 27 Jahren abzulegen. In den letzten Wochen und Monaten bin ich durch einen intensiven Prozess gegangen. Jetzt, wo die Entscheidung gefallen ist, spüre ich große Erleichterung und Zufriedenheit in mir. Diese Entscheidung fühlt sich sehr stimmig an. Und sie bedeutet für mich, dass ich den Weg auch in Zukunft aus ganzem Herzen und mit neuer Inspiration und Freude weitergehen möchte. Nur ohne Robe."

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Buddhistische Mönche und Nonnen leben zölibatär, um sich auf den Weg des Erwachens zu konzentrieren. Ein Verstoß gegen diese Regel wäre ein Ausschlussgrund. Das Kloster wird nun zu einem Seminarzentrum und Rückzugsort mit Laienregeln. Und der ehrwürdige Bhante nennt sich künftig mit deutschem Vornamen: Roland Nyanabodhi.

"Vielleicht an dieser Stelle noch mal: Ich war total gern Mönch, 27 Jahre, und habe alles gegeben. Und jetzt fängt etwas Neues an. Und ich freue mich total drauf."

Vom Mönch zum Laien

Soweit die formale Seite. Das Niederlegen der Robe ist ein einschneidender persönlicher Akt. Besonders, wenn man gerne Mönch war. Man bittet seinen Ordinations-Abt oder die Äbtissin um Erlaubnis für diesen Schritt. Diese Genehmigung kann auch verzögert oder verweigert werden. In einer Zeremonie schließlich gibt der Mönch seine Robe vor der Ordensgemeinschaft zurück, erläutert der ehemalige Theravada-Mönch Raimund Jinavaro Hopf.

"Und wenn man sich dann einig ist, dass du entroben darfst, dann kniet man sich nieder vor der versammelten Sangha, also den Ordinierten, ob Frauen oder Männer oder beide, und wiederholt dann dreimal, dass man das Training aufgibt. Das passiert im Pali, im Theravada-Buddhismus. Im Anschluss wird dann der Abt oder Acharya die fünf Laien-Gelübde vorsprechen, die man danach spricht, um dann ab jetzt als Laie weiter zu praktizieren."

Spenden für die Mönche im Pha That Luang Temple in Vientiane. (imago/Danita Delimont)Buddhistische Mönche müssen strenge Regeln befolgen (imago/Danita Delimont)

Raimund Hopf war bis vor fünf Jahren selbst Mönch. Seinen spirituellen Namen Jinavaro hat er beibehalten, auch im Laienstand. Seine Robe hat er in Thailand niedergelegt:

"Aber das war eine sehr traurige Geschichte für mich. Das ganze Entroben war für mich sehr entwürdigend. Während die eigentliche Ordination zum Bhikkhu, zu einem buddhistischen Mönch, sehr feierlich ist - ein großer Schritt im Leben. Sehr lange Vorbereitungszeit, Überprüfung. Man gibt alles auf, hat kein Konto mehr, keinen Besitz mehr, lebt komplett von heute auf morgen ganz anders und bereitet sich lange darauf vor."

"Sofort ist man auf der Seite der Versager"

In Thailand hatte sich Hopf zuletzt komplett in die Berge zurückgezogen, ohne den Schutz der Klostergemeinschaft. Er realisierte, dass dieser eingeschlagene spirituelle Weg eine Sackgasse für ihn war. In Deutschland warteten inzwischen familiäre Verpflichtungen auf ihn, die Pflege der alten Eltern beispielsweise. Eine Rückkehr als Mönch erschien ihm kaum möglich, wegen der vielen Auflagen der Mönchsregeln. Man darf nicht alleine leben, nicht Auto fahren, nicht kochen. Die Entscheidung, die Robe niederzulegen, ist prägend.

"Da war die eigentliche Entrobung sehr schnell und irgendwie auch entwürdigend. Sofort ist man plötzlich auf der Seite der Verlierer, Versager, und man fühlt sich auch tatsächlich so, dass man etwas nicht geschafft hat oder aufgegeben hat, weil man vielleicht zu schwach ist. Und das ist auch eine Tradition im Buddhismus, dass der Buddha selber gesagt und es vielfach überliefert hat: Für einen Mönch ist das Entroben wie der Tod."

Sobald man entrobt hat, werde man in Asien von den Laien nicht mehr so behandelt wie vorher, sagt Raimund Hopf. Anerkennung gab es nur für ordinierte Mönche, nicht für Ex-Mönche. In Deutschland sei das anders. Als er nach Deutschland zurückkehrte, zeigten sich die Laien an seiner Erfahrung interessiert, sagt er.

Die Ordensregeln sind im Westen kaum einhaltbar

Trotzdem gebe es im Buddhismus im Westen eine Spannung: Die buddhistischen Mönche in Deutschland müssten nach 2500 Jahre alten Regeln leben, die mit der Lebenswirklichkeit im Westen kaum zu vereinbaren seien. Mönche dürften beispielsweise weder Geld in die Hand nehmen, noch alleine unterwegs sein.

"Die größere Misere dahinter ist nämlich, dass es eigentlich nie einen Versuch gab, den ursprünglichen Buddhismus oder das monastische Leben so in unsere Kultur zu übertragen, dass es hier lebbar ist. Und dann entstehen viele Kompromisse, die dann sozusagen das Vinaya-Leben immer so auf die Kippe stellen."

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Der Vinaya, also die alten Ordensregeln, geht auf den Buddha selbst zurück. Aus Respekt davor hat es bislang keinen offiziellen Versuch gegeben, die Regeln im Westen in die Neuzeit zu übertragen. So legt jedes Ordensmitglied die Regeln nach eigenem Ermessen aus. Die 227 Regeln für Mönche und die 311 Regeln für Nonnen. Auch der Allgäuer Mönch Nyanabodhi hatte genau das gemacht:

"Und das war ja auch ein Prozess, wo ich die letzten Jahre so in meinem Mönchsleben so durchgegangen bin, wo ich auch gespürt habe: Ich bin mir selber nicht wirklich treu. Wenn ich jetzt nicht im Garten arbeiten darf, weil es eine der Regeln sagt: Mönche graben nicht in der Erde. Das war ... mein ursprünglicher Wunsch war immer, Selbstversorger zu sein… und jetzt darf ich nicht mitmachen. Wie absurd könnte es noch sein? Dann habe ich angefangen, dann lasse ich halt die Regel, die lasse ich halt weg."

Bei Verstößen gegen die wichtigsten Ordensregeln droht der Ausschluss aus der Glaubensgemeinschaft. Jetzt hat Nyanabodhi seine Robe niedergelegt. Er wird zwar als Nachfolger von Ayya Khema auch im Laien-Stand geistlicher Leiter bleiben – vom Buddha-Haus im Allgäu und den angeschlossenen Meditationszentren. Aber das von Ayya Khema gegründete Kloster in Deutschland geht damit zu Ende. Die Zukunft gehört den Laien. Und die muss der Ex-Mönch weiter hinter sich versammeln. Das Herbstseminar im Allgäuer Buddha-Haus ist schon ausgebucht.

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