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StartseiteUmwelt und VerbraucherDezentrale Stromversorgung fördern29.01.2014

Bündnis BürgerenergieDezentrale Stromversorgung fördern

Sigmar Gabriel will die Förderung erneuerbarer Energien reformieren. Seine Pläne stoßen jedoch beim Bündnis Bürgerenergie auf Ablehnung. Der Verein setzt sich für mehr dezentrale Stromversorgung ein. Denn die Bürgerenergie, so eine Sprecherin, sei der "Marktführer der Energiewende."

Von Philip Banse

Solarzellen befinden sich auf den Dächern vieler Einfamilienhäuser in Jühnde. Die Gemeinde ist Deutschlands erstes Bioenergiedorf. (AP)
Solarzellen befinden sich auf den Dächern vieler Einfamilienhäuser in Jühnde. Die Gemeinde ist Deutschlands erstes Bioenergiedorf. (AP)
Weiterführende Information

Gabriels Meilensteine zur Energiewende (Deutschlandfunk, Aktuell, 18.1.2014)

Solarstrom aus der Region (Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 16.1.2014)

Energiewende - Gegenwind für Sigmar Gabriel (Deutschlandfunk, Informationen am Mittag, 20.1.2014)

Das ist ein Verein, gegründet von Stiftungen, Firmen und Lobby-Gruppen, die ein Interesse haben an einer dezentralen und bürgernahen Energie-Versorgung. Mit dabei etwa das Landesnetzwerk Bürgerenergiegenossenschaften Rheinland-Pfalz, die Naturstrom AG, aber auch der Bundesverband Erneuerbare Energien. Dieses Bündnis Bürgerenergie versteht sich als Plattform, die Bürgern, die mit Sonne und Wind Strom erzeugen, eine Stimme geben will. 2012 hätten Bürger nämlich über fünf Milliarden Euro in erneuerbare Energien investiert, sagt Ursula Sladek, Mitbegründerin der Elektrizitätswerke Schönau und Trägerin des Deutschen Umweltpreises. Fast jede zweite Kilowattstunde Ökostrom stamme aus Anlagen, die Bürgern und Bürgerinnen gehörten. Damit sei Bürgerenergie der "Marktführer der Energiewende":

"Es ist wirklich ein gesellschaftlicher Wandel. Bürger übernehmen Verantwortung. Sie müssen nicht darauf warten, dass irgendjemand irgendetwas tut, sondern sie können sagen: Wir tun das jetzt. Bürgerenergie ist insgesamt etwas ganz Wertvolles, Bedeutsames, was man nicht durch Rahmenbedingungen, die Bürgerenergie schädigen oder nicht unterstützen, zerstören darf."

"Unmöglich für Bürger, an der Ausschreibung teilzunehmen"

Damit sind die Reformpläne von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) gemeint. Gabriel will die Förderung der erneuerbaren Energien reformieren, hat dazu ein Papier vorgelegt und das Bündnis Bürgerenergie stößt sich vor allem an zwei Punkten: der Ausschreibung und der Pflicht zur Direktvermarktung. Der Reihe nach. Gabriel will, dass neue Ökostromanlagen ausgeschrieben werden. Das würde dazu führen, dass Bürger außen vor blieben und die Vielfalt der deutschen Stromerzeuger zerstört werden würde, sagt Thomas Banning von der Öko-Stromhändler Naturstrom AG:

"Wenn sie im Ausschreibungsmodell sind, da wird ja nicht gesagt, in Kleinkleckersdorf in Oberbayern machen wir eine Ausschreibung für eine Fläche, sondern da geht es ja darum, dass von der Bundesrepublik ausgehend eine europaweite Ausschreibung über Kapazitäten laufen wird über X Megawatt. Nehmen sie nur dieses Modell 400 Megawatt Fotovoltaik, ist ja bisher angelegt als erste Idee in den Koalitionsverhandlungen. Das wird vielleicht über drei oder vier Tranchen laufen. Nun können sie aber als eine Bürgerenergiegesellschaft unmöglich für 100 Megawatt Fotovoltaik bieten oder Wind oder Ähnliches. Denn sie haben ja vielleicht genau ein Projekt, auf das sie sich konzentriert haben. Es ist unmöglich, daran teilzunehmen." 

Gefahren der Direktvermarktung

Wenn die Ökostrom-Anlagen dann laufen, sollen die Anlagenbetreiber ihren Strom direkt vermarkten müssen, also selber Käufer finden müssen. Heute ist es ja noch so, dass Öko-Stromer ihren Strom beim lokalen Stromnetzbetreiber loswerden - und zwar garantiert und zu garantierten Preisen. Sigmar Gabriel will, dass immer mehr Anlagenbetreiber selber Käufer für ihren Strom suchen müssen - erst nur die ganz großen Anlagen, im Lauf der Jahre sollen aber auch kleinere Anlagen dieser Pflicht zur Direktvermarktung unterliegen. Das würde Bürgergenossenschaften und dezentrale Energieerzeuger überfordern, sagt Ursula Sladek, Mitbegründerin der Elektrizitätswerke Schönau.

"Wenn es eine verpflichtende Direktvermarktung gibt, dann heißt das ja, jeder über zehn Kilowatt muss seine Anlage selber vermarkten. Das heißt, große Direktvermarktungsfirmen werden entstehen. Das wird einen Preiskampf geben. Man wird versuchen, die kleinen vom Markt zu fegen und am Ende bleiben ein paar große Direktvermarkter über, die dann die Preise bestimmen können. Das ist die Gefahr bei der Direktvermarktung."

Das Bündnis Bürgerenergie ist also gegen zentrale Punkte der Energiereform von Wirtschaftsminister Gabriel. Konstruktive Reformvorschläge waren aber auch nicht zu vernehmen. Das "Marktdesign" müsse "geändert" werden, um die Preise im Griff zu halten, hieß es. Auch sollten Verschmutzungszertifikate aus dem Markt genommen werden, um fossile Energie teurer zu machen. Nur den Bestand sichern - damit wird das Bündnis Bürgerenergie politisch nicht weit kommen.

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