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StartseiteKultur heute"Bitte loslegen!"07.12.2018

Bürgerstiftung für neues Opernhaus in Frankfurt am Main "Bitte loslegen!"

Elf einflussreiche Bürgerinnen und Bürger wollen in Frankfurt am Main den Bau eines neuen Opernhauses ermöglichen. Eine "Bürgerstiftung Neue-Oper-Frankfurt" könnte Bauherrin werden für eine Oper mit rund 1500 Plätzen. Ein leidenschaftlicher kulturpolitischer "Befreiungsschlag", meint Dlf-Hessenkorrespondent Ludger Fittkau.

Von Ludger Fittkau

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Oper und Schauspiel in Frankfurt am Main (Hessen), aufgenommen am 09.12.2013. (picture alliance / dpa / Daniel Reinhardt)
Die marode gewordenen Städtischen Bühnen in Frankfurt am Main (picture alliance / dpa / Daniel Reinhardt)
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Es ist ein Durchbruch! Die Frankfurter Bürgerschaft macht die Opernfrage nun zu ihrer Sache, wie tatsächlich so oft in der Geschichte der Kommune mit einer Stiftung aus der Mitte der Stadtgesellschaft. Sie soll "Bürgerstiftung Neue-Oper-Frankfurt" heißen und will das neue Musiktheater am Main bauen. So ist es in einem Memorandum zu lesen, das die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" heute in Auszügen vorgestellt hat.

Damit kommt nun große Dynamik in eine Diskussion, die zuletzt ein wenig stagnierte. Bereits anderthalb Jahre lang hatte die Frankfurter Öffentlichkeit darüber räsoniert, wie sie mit ihrer baulich marode gewordenen Doppelbühne Oper und Schauspiel in der Innenstadt umgehen soll: Sanierung oder Neubau? Bauen am selben Ort oder an anderer Stelle? Was tun während der Bauzeiten? Die Diskussion war bisher zäh, auch weil für einen der größten europäischen Bühnenkomplexe Kosten von rund 900 Millionen Euro im Raum standen – sowohl im Sanierungsfall als auch für einen Neubau.  Das Geld, ein besonders heikler Punkt für die Stadtpolitiker, die auch Kitas errichten und Schulgebäude sanieren müssen.

Opern-Initiative als Befreiungsschlag

Deshalb ist die Opern-Initiative aus der Bürgerschaft nun so etwas wie ein Befreiungsschlag. Elf renommierte Frankfurter Bürgerinnen und Bürger aus der Industrie, dem Bankensektor, von Kultureinrichtungen sowie ehemalige Kultur- und Stadtplanungspolitiker von CDU und SPD haben sich nun zu einem breiten Bündnis zusammengefunden, um die neue Stiftung für ein Musiktheater zu gründen. Vorbilder für das bürgerschaftliche Kulturprojekt sind die mehr als 200 Jahre alte Städel-Stiftung, die das beliebte  Kunstmuseum am südlichen Flussufer trägt sowie die ebenso alte Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung, die drei Naturkundemuseen in der Stadt finanziert.

Die neue Stiftung könnte sogar als Bauherrin für die neue Oper am Main tätig werden. 50 Millionen Euro will die Stiftungsinitiative in der Frankfurter Bürgerschaft einsammeln, um den Neubau gemeinsam mit Stadt und Land zu finanzieren. Auf einen konkreten Standort für die neue "Mainoper" legt man sich noch nicht fest. Doch vieles spricht dafür, dass es ein attraktives städtisches Grundstück am Osthafen sein könnte. Nicht weit von der Europäischen Zentralbank am Wasser gelegen. In einer Gegend, die jetzt schon tagsüber beliebter Anziehungspunkt gerade für junge Frankfurterinnen und Frankfurter ist  - mit Skaterpark, Liegewiesen am Mainufer und Außengastronomie mit Blick auf die Hochhauskulisse. Großartige Perspektiven!

Kulturpolitische Leidenschaft und verlockende Aussichten

Die neue Oper soll insgesamt rund 240 Millionen Euro kosten, 1500 statt bisher 1400 Zuschauerplätze bieten, fünf Probebühnen, davon eine ein Opernstudio mit 400 Zuschauerplätzen. Auf dem Operndach soll man flanieren oder in einer Bar sitzen und über die Stadt blicken können. Auch Wohnungen für Künstler will die Stiftungsinitiative dort bauen. Wirklich verlockende Aussichten für Musiker oder Sänger. Nach dem Umzug vom jetzigen Standort ans Mainufer könnte dort ein neues Schauspielhaus entstehen, der Verkauf eines Teils des "Filetgrundstücks" im Bankenviertel könnte der Refinanzierung der beiden neuen Theaterbauten dienen.

Noch ist die Opernstiftung aus der Bürgerschaft eine Idee, beschlossen ist nichts. Die Politik reagiert erst einmal zurückhaltend, sie will dem laufenden verwaltungsinternen Prüfverfahren zur Bausubstanz am alten Standort offiziell nicht vorgreifen. Doch mit ihrer Initiative hat die Frankfurter Stadtgesellschaft einmal mehr gezeigt, wie viel kulturpolitische Leidenschaft in ihr steckt. Da die Mainmetropole auch das Glück hat, dass viel Geld in der Stadt ist, spricht eigentlich nicht mehr viel gegen das Projekt. Bitte loslegen!

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