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StartseiteKommentare und Themen der WocheEntlarvende Hilfe für den Profi-Fußball28.07.2020

Bürgschaft für Schalke 04Entlarvende Hilfe für den Profi-Fußball

Dass Steuergelder ein Geschäftsfeld der Exzesse weiterhin am Leben halten, könne nicht im Interesse der Allgemeinheit sein, kommentiert Moritz Küpper die Landesbürgschaft für den FC Schalke 04. Entlarvend sei, dass der Proficlub wie ein Unternehmen behandelt werden will.

Von Moritz Küpper

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Naldo von Schalke bejubelt sein Tor zum 2:0 gegen Dortmund.  (dpa / picture alliance / Ina Fassbender)
FC Schalke 04 soll eine Landesbürgschaft erhalten (dpa / picture alliance / Ina Fassbender)
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Die Aufregung war groß: Millionen für die Millionäre. Hilfe für einen Klub, der nachweislich schlecht wirtschaftete. Hinzu kamen die Schlagzeilen um die umstrittene Person Clemens Tönnies. Der war nicht nur als Aufsichtsratsvorsitzender der Schalker für den bisweilen größenwahnsinnigen Kurs des Klubs verantwortlich, sondern auch – just als die Nachricht um die beantragte Bürgschaft durchsickerte – verantwortlich für den bislang größten Corona-Ausbruch hierzulande.

Doch, die Aufregung ist ein wenig wohlfeil, lässt sich das Ganze durchaus nachvollziehen. Auf der einen Seite: Schalke 04. Auch und gerade wegen Missmanagement in der jüngsten Zeit, aktuell in finanziellen Schwierigkeiten. Auf der anderen Seite das Land Nordrhein-Westfalen, das für seine Institutionen da sein muss. Für all das gibt es rechtliche Spielregeln – und auch Beispiele aus der Vergangenheit. Seit Jahren wurde und wird für Klubs gebürgt.

Bei Fußball-Bundesligisten handelt es sich, so lässt sich argumentieren, um eine Art gesellschaftliches Gut. Hinzu kommen Arbeitsplätze: Schalke ist einer der größten Arbeitgeber im von Arbeitslosigkeit gebeutelten Gelsenkirchen. Sowie die Tatsache, dass bei einer Bürgschaft nicht automatisch Geld fließt, sondern erst im Schadensfall.

Schalke will wie ein Wirtschaftsunternehmen behandelt werden

Aber dennoch ist es notwendig, sich mit dem Thema Bürgschaften für Fußball-Bundesligisten kritisch auseinander zu setzen. Zumal auch die knappe Erklärung der Knappen heute dafür Anlass bietet: Schalke 04 habe diese Bürgschaft in der Erwartung beantragt, bei der Entscheidung nicht anders als Wirtschaftsunternehmen aus anderen Bereichen behandelt zu werden, hieß es da.

Auf einem Kassenhaus vor der Veltins-Arena in Gelsenkirchen steht "Stolz ein Schalker zu sein". (dpa / Fabian Strauch) (dpa / Fabian Strauch)Bürgschaft für Schalke 04 - "Das muss Schalke jetzt selber regeln"
Ex-NRW-Innenminister Ralf Jäger hat die geplante Bürgschaft für Schalke 04 massiv kritisiert. "Der Steuerzahler sollte auf keinen Fall für einen Fußballverein bürgen", sagte Jäger im Dlf. Steuerzahler könnten nicht die Millionengehälter von Spielern und Trainern finanzieren.

Ein einfacher, aber doch verräterischer Satz. Denn gerade auf Schalke herrscht noch der Stolz vor, keine Aktiengesellschaft oder anderweitige Unternehmensform zu sein, sondern wirklich noch ein Verein. Es ist der Corona-Pandemie, ja, komisches Wort, zu verdanken, dass die Behauptung der Fußball-Funktionäre, "es ist doch nur ein Spiel", die häufig bei Polizeikosten oder anderen Unannehmlichkeiten Konjunktur hat, endgültig entlarvt wird.

Landesbürgschaft muss überdacht werden

Auch der Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga, dem Inbegriff des Kommerz, Christian Seifert, argumentierte zum Re-Start der Bundesliga endlich ähnlich ehrlich: Bei uns geht es wie in anderen Unternehmen um ein Produkt, das von Erwerbstätigen auf und neben dem Platz hergestellt wird, hat er da wörtlich gesagt. Und weiter: Von daher müssen Proficlubs rechtlich wie Unternehmen behandelt werden.

Genau dies ist nun wohl bei der Landesbürgschaft geschehen. Und dennoch lässt sich gerade deswegen noch einmal darüber nachdenken, ob der ganze Vorgang wirklich richtig ist. Denn dass Steuergelder ein Geschäftsfeld der Exzesse weiterhin am Leben halten, kann ebenso wenig im Interesse der Allgemeinheit sein, wie eine damit einhergehende, zwangsläufige Wettbewerbsverzerrung in der Bundesliga.

Moritz Küpper (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Moritz Küpper (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Moritz Küpper, Jahrgang 1980, studierte Politik- und Kommunikationswissenschaften und Volkswirtschaftslehre in München und Washington, D.C. und besuchte die Deutsche Journalistenschule. Er promovierte an der Universität Bonn und arbeitete als Redakteur bei Capital, in der Online-Redaktion des Deutschlandradios sowie der Deutschlandfunk-Sportredaktion. Seit 2015 ist er als Deutschlandradio-Landeskorrespondent in Nordrhein-Westfalen tätig.

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