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StartseiteEuropa heuteWenn Bildung zur Sackgasse wird08.10.2018

Bulgarische Schulen für RomaWenn Bildung zur Sackgasse wird

Die gut zwölf Millionen Roma und Sinti bilden die größte ethnische Minderheit in der EU. Doch von vielen Mitbürgern schlägt ihnen Ablehnung entgegen. Diskriminierung und Ausgrenzung gehören für Sinti und Roma zum Alltag. Bildung könnte Integration und Aufstieg der Minderheit befördern, doch findet die vor allem in Schulen statt, an denen fast ausschließlich Roma-Kinder lernen.

Von Rayna Breuer

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Irena Tsukeva und Rossen Bogomilov (Rayna Breuer)
Irena Tsukeva und Rossen Bogomilov (Rayna Breuer)
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"Wir renovieren gerade die Schule. Uns bleiben nur noch zehn Tage bis zum Schulbeginn. Hier sehen Sie Hakenkreuze, Beleidigungen, obszöne Worte, wir kommen gar nicht mehr hinterher, die Wände zu säubern", sagt Irena Tsukeva und zeigt auf die Fassade der Grigorij-Tsamblak-Schule in Sofia.

Es käme immer wieder zu rassistischen Schmierereien von Jugendlichen aus dem Viertel, erzählt sie weiter, denn 98 Prozent der Schülerinnen und Schüler hier seien Roma. Aber Tsukeva, die seit 40 Jahren als Schülerin und Lehrerin mit der Schule verbunden ist, und die Einrichtung seit 15 Jahren leitet, kennt auch noch andere Zeiten:

"Im Jahr 2000 setzte der Prozess der Segregation ein. Ein neues Gesetz erlaubte es den Eltern, sich die Schule für ihre Kinder selber auszusuchen. Unsere Schule wurde attraktiv für die Roma-Familien aus dem Nachbarviertel, aber dadurch schickten die nicht-Roma-Familien aus diesem Viertel ihre Kinder auf andere, zentralere Schulen. So entwickelte sich unsere Schule von einer gemischten hin zu einer reinen Roma-Schule."

Politik der Ausgrenzung

Kein Einzelfall in Bulgarien. Laut der EU-Agentur für Grundrechte ist der Anteil der Roma-Kinder, die in Bulgarien eine reine Roma-Schule besuchen in fünf Jahren von 16 auf 29 Prozent gestiegen. Der höchste Wert in der EU. Die Kinder, die in einer solchen Umgebung aufwachsen, finden später schwieriger Anschluss in der Gesellschaft. 

Ein Grund dafür: Die Ressentiments gegen Roma sind in Bulgarien allgegenwärtig. Medien und Politik unternehmen nur wenig - im Gegenteil. Oft befeuern sie die ohnehin schon aufgeladene Stimmung. Im Herbst vergangenen Jahres wurde der Vorsitzende der Partei "Nationale Front für die Rettung Bulgariens", Valeri Simeonov, von einem Gericht wegen einer Hassrede verurteilt. Er hatte Roma als "arrogant, überheblich und wilde menschenähnliche Wesen" bezeichnet, die Frauen hätten die "Instinkte von Straßenhunden". Valeri Simeonov ist auch Vorsitzender des nationalen Rates für die Integration von Minderheiten.

Gegen diese Politik der Ausgrenzung kämpft Schulleiterin Irena Tsukeva. Sie hat das Glück, durch den Lehrer Rossen Bogomilov unterstützt zu werden. Er ist der einzige Roma-Lehrer an ihrer Schule - und ein Vorbild für die Kinder. Aber sein Weg bis zur Anstellung als Lehrer war steinig, voller Ablehnung allein aufgrund seines Aussehens und seiner Abstammung.

Schwieriger Aufstieg

"Nach meinem Uni-Abschluss 2013 habe ich angefangen, mich an Schulen hier in Sofia zu bewerben. Ich wurde zwar zu Vorstellungsgesprächen eingeladen, aber am Ende wurde mir immer abgesagt. Einige Schulen haben mir klar gesagt, dass der Grund dafür meine Roma-Abstammung ist"

Sagt Rossen Bogomilov. 20 Schulen haben ihn abgelehnt, Irena Tsukeva war die einzige, die ihn mit offenen Armen und voller Hoffnung aufgenommen hat. Seit fünf Jahren ist er jetzt als Geschichts- und Geographielehrer tätig, seit Anfang September ist er sogar stellvertretender Schulleiter.

Rossen Bogomilov hat es geschafft. Trotz wiederkehrender Ablehnung hat er seinen Traum, Lehrer zu werden, nie aufgegeben und schließlich Erfolg gehabt. Seine Schüler und Schülerinnen werden es allerdings kaum einfacher haben. Denn die Rahmenbedingungen sind weiterhin schwierig und er weiß, dass sich in der bulgarischen Gesellschaft noch viel ändern muss:

"Die Integration wird erst dann gelingen, wenn es keine Roma-Ghettos mehr gibt, wenn alle gemeinsam leben, wenn es keine segregierten Schulen gibt, wenn alle gemeinsam den Unterricht besuchen. Erst dann werden sich die Einstellungen auf beiden Seiten ändern".

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