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StartseiteSport am WochenendeWeiter Hängepartie um 50plus1-Regel17.07.2021

BundesligaWeiter Hängepartie um 50plus1-Regel

Auch auf der jüngsten DFL-Mitgliederversammlung ist noch keine Bewegung bei der Diskussion um die 50plus1-Regel gekommen - umso heftiger wurde sie im Vorfeld der Versammlung geführt. Während sich die Fans klar positionieren, traut sich kaum ein Verein öffentlich aus der Deckung.

Von Thorsten Poppe

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Fans haben sich schon mehrfach für den Erhalt der Regel ausgesprochen. (picture alliance/dpa/Swen Pförtner)
Fans haben sich schon mehrfach für den Erhalt der Regel ausgesprochen (picture alliance/dpa/Swen Pförtner)
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Nach Einschätzung des Bundeskartellamts Weiter Streit um 50+1-Regel

Anpassung der 50+1-Regel Lautes Schweigen in der Fußball-Bundesliga

Der Auftrag seitens des Bundeskartellamts an die Deutsche Fußball-Liga DFL ist Ende Mai klar formuliert worden: Findet eine Lösung für die 50plus1-Regel, die im Grunde genommen kartellrechtskonform sei. Wären da nicht die Ausnahmegenehmigungen, die es Unternehmen wie Bayer oder Volkswagen nach 20 Jahren ununterbrochener Förderung erlauben, Clubs vollständig zu übernehmen. Das betrifft in der Bundesliga neben Bayer 04 Leverkusen und den VfL Wolfsburg auch die TSG Hoffenheim und ihren Eigentümer Dietmar Hopp. Denn dort könne der Einfluss des Muttervereins bis auf "0" reduziert werden, das stünde aber 50plus1 entgegen. 

Choreografie in einem Stadion mit den übergroßen Zeichen 50+1 und einem Banner mit der Aufschrift "50+1 ist unantastbar!" (picture alliance / SvenSimon | Anke Waelischmiller/SVEN SIMON) (picture alliance / SvenSimon | Anke Waelischmiller/SVEN SIMON)Mitbestimmung im deutschen Fußball - Worum es bei der Diskussion um die 50+1-Regel gehtDie Deutsche Fußball Liga berät einmal mehr über die umstrittene Investorenregel 50+1. Nicht alle der 36 deutschen Profivereine sind für ihren Erhalt. Wem nützt die Regel? Wie ist die Position der Fans? Wie sieht es in anderen Fußballligen aus? Ein Überblick.

Der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, hat schon kurz nach Veröffentlichung dieser Einschätzung seiner Behörde im Interview mit dem Deutschlandfunk das weitere Prozedere erläutert: "Wer kennt bitte sehr den Markt besser, als die Unternehmen? Das ist nicht das Bundeskartellamt. Deshalb ist es aus guten Gründen so, dass es jetzt an den Unternehmen ist, der DFL, an den Vereinen, Vorschläge auszuarbeiten, wie man diese 50plus1-Regel plus Förderausnahme, wie man dieses Gesamtkonstrukt so ausgestaltet, dass es wettbewerbskonform ist. Jetzt bin ich eigentlich der Ansicht, dass alle Beteiligten gut beraten wären, sich zu zusammenzusetzen, und gemeinsam ein gutes Ergebnis zu finden."

Fans: deutlich für den Erhalt der Regel

Kurz darauf hatte sich schon das 9-köpfige DFL-Präsidium zusammengesetzt. Letzte Woche ist nun die DFL-Mitgliederversammlung mit allen 36 Profivereinen gefolgt. Im Vorfeld davon hatten sich mit dem 1. FC Köln und Borussia Dortmund immerhin zwei Vereine klar öffentlich positioniert und für 50plus1 ausgesprochen. 

Auch die Fans hatten sich vor Versammlung noch einmal deutlich für den Erhalt der Regel ausgesprochen. So hat ProFans in einer Stellungnahme deutlich gemacht, dass - so wörtlich – der Fußball als reines Wirtschaftsunternehmen keinen gesellschaftlichen Wert hätte. Wie der Sprecher des unabhängigen Fan-Bündnisses, Sig Zelt, im Gespräch mit dem Deutschlandfunk noch einmal deutlich macht: "Die 50plus1-Regel sichert das Modell des Vereinsfußballs, um das uns andere zum Beispiel in England durchaus sehr beneiden. Sie sichert die demokratische Mitsprache der Mitglieder. Das ist ein hohes Gut finden wir. Wenn das im Fußball auch so ist, dass derjenige gewinnt, der das meiste Geld hat, dann verkommt der Fußball zu einem reinen Unterhaltungsformat, ohne jegliche gesellschaftliche Relevanz. Und darauf haben wir schlechthin keinen Bock."

Bisher keinerlei Beschlüsse

Auf der DFL-Mitgliederversammlung hat laut Informationen des Deutschlandfunks dann eine offene Diskussion wohl nicht stattgefunden, nur eine Handvoll Wortmeldungen soll es letztendlich zu diesem Tagesordnungspunkt gegeben haben. Die DFL hat im Anschluss eine Pressemitteilung veröffentlicht, und bestätigt darin, dass es dazu keinerlei Beschlüsse gegeben habe. Wörtlich heißt es zudem: "Vorgesehen ist, dass das DFL-Präsidium im nächsten Schritt zu der vorläufigen Einschätzung des Bundeskartellamts schriftlich gegenüber der Behörde Stellung nimmt. Das DFL-Präsidium wird sich dabei an der Zielsetzung des Antrags auf Grundlage der geltenden Satzung sowie dem im Rahmen der Mitgliederversammlung vom 22. März 2018 ermittelten Meinungsbild orientieren."

Damals hat die Mehrheit der Vereine für den Erhalt der Regel gestimmt.

Allerdings ist um das Thema im Vorfeld der Mitgliederversammlung heftig gerungen worden. Befürworter und Gegner hatten sich in Stellung gebracht. Allen voran die drei Clubs, für die die Ausnahmeregelung gilt, sind in einem Schreiben an alle DFL-Mitglieder in die Offensive gegangen. 

Die Liga streitet weiter

So heißt es darin unter Punkt 9, dass mit Wegfall der Ausnahmegenehmigungen die Existenz der Clubs auf dem Spiel stehen würde. Das hat wiederum zu einer Antwort in einem Offenen Brief geführt, den der Hannoversche Sportverein von 1896 e.V. veröffentlicht hat. Ralf Nestler ist beim Mutterverein von Hannover 96 Aufsichtsratsvorsitzender, und somit auch gegenüber Martin Kind weisungsbefugt, der als Geschäftsführer der ausgegliederten Profiabteilung fungiert. Ralf Nestler ist es in dem Offenen Brief wichtig gewesen, noch einmal die Unterschiede zwischen den normalen Vereinen und den Werksclubs deutlich zu machen: "Das haben leider die Ausnahmeclubs in ihrer Stellungnahme nicht getan. Neben dem wesentlichen Unterschied, dass in den normalen Vereinen demokratisches Mitbestimmungsrecht besteht, ist ein weiterer wesentlicher Unterschied in der finanziellen Seite zu sehen. Vorliegend ist es ja so, dass die Gewinne des VW-Konzerns mit Verlusten aus dem Fußballprofigeschäft verrechnet werden können. Damit zahlt der VW-Konzern deutlich weniger Steuern, und damit ist die Allgemeinheit letztendlich belastet."

Die Bundesliga streitet sich weiter um eine einvernehmliche Lösung bei der 50plus1-Regel. Kaum ein Verein traut sich dabei öffentlich aus der Deckung. Und auch die klarste Lösung scheint momentan noch keine Option: die Ausnahmeregelung zurückzunehmen.

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