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Bundesligaprofis und KarriereendeKein Plan für danach

Eine Studie im Auftrag der Spielergewerkschaft VDV zeigt: Auf die berufliche Zukunft nach dem Karriereende als Sportler sind Bundesligaprofis nicht ausreichend vorbereitet. Fast jeder zweite Profi besitzt demnach weder eine Berufsqualifikation - noch ist er dabei, eine solche zu erwerben.

Von Thorsten Poppe

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Fußballschuhe liegen auf dem Rasen. (dpa / picture alliance / Malte Christians)
Was kommt nach der Karriere als Fußballprofi? (dpa / picture alliance / Malte Christians)
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Es geht zur Sache bei 36 Grad im Trainingscamp der Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VDV). Momentan halten sich hier bis zu 22 vereinslose Spieler fit. Mit der Hoffnung, einen neuen Vertrag für die kommende Spielzeit in einer der drei deutschen Profi-Ligen zu ergattern. Arbeitslosigkeit oder das frühe Karriereende drohen. Auch der 28-jährige vertragslose Fabio Leutenecker macht sich erstmals Gedanken darüber, wie es im Fußball und danach für ihn weitergeht:

"Das ist natürlich schon keine einfache Situation. Man ist da so in Stück weit in seinem Hamsterrad des Fußballprofis drin, dass man immer nur von Woche zu Woche denkt, von Spiel zu Spiel. Es ist ja einfach Fakt, dass man sich nur darauf konzentriert das nächste Spiel anzugehen und erfolgreich zu gestalten. Und nicht mal einen Schritt zurückgehen kann und sagen kann: Moment, wie geht es eigentlich weiter? Was kommt eigentlich danach? Wenn man in einem längeren Zeitraum in diesem Fußballergeschäft tätig ist und nichts nebenher macht, dann ist es schon schwierig, von Null auf Hundert in den beruflichen Alltag zu wechseln."

Fabio Leutenecker im August 2018 beim Trainingscamp der Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VDV). (Deutschlandfunk / Thorsten Poppe)Fabio Leutenecker im August 2018 beim Trainingscamp der Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VDV). (Deutschlandfunk / Thorsten Poppe)

Eine Rechnung, die nicht aufgehen kann

Eine aktuelle Studie der Spielergewerkschaft VDV macht deutlich, dass Fabio Leutenecker damit nicht alleine ist. Auf einen Job nach der ersten Karriere sind Bundesligaprofis ungenügend vorbereitet. Sie nutzen trotz guter Schulbildung kaum vorhandene Weiterbildungschancen bei der Vorbereitung auf die Karriere nach dem Profifußball. Zum Beispiel bei Fernstudium-Angeboten, erklärt Dirk Mazurkiewicz von der Hochschule Koblenz. Er hat im Auftrag der Spielergewerkschaft dafür 230 Profi-Fußballer aus den obersten drei Ligen befragt:

"Kritisch ist sicherlich, dass sie sich dabei weniger auf Qualifikationen verlassen wollen als auf ihren Namen, Karriere, und Kontakte. Prekär müsste man die Ergebnisse einordnen, hinsichtlich ihrer beruflichen Perspektiven. So will der allergrößte Teil sich weiterhin im Fußball-Business bewegen. Und in dieser Gruppe wollen dann über die Hälfte Trainer werden. Wenn man sich die Zahl der verfügbaren, qualifizierten Trainerstellen anschaut und die Zahl der Fußballprofis, die wir haben - ist das eine Rechnung, die niemals aufgehen kann."

Die VDV-Studie macht zwar deutlich, dass sich die Profis verstärkt um ihre Zukunftsplanung kümmern. Dennoch besitzt fast jeder zweite Profi weder eine Berufsqualifikation noch ist er dabei, eine solche zu erwerben. Ein großes Manko, auch weil sich dafür im Profi-Fußball außer der VDV offenbar keiner richtig zuständig fühlt. Auf Anfrage des Deutschlandfunks erklärt die Deutsche Fußball-Liga dazu, dass sie jegliche Maßnahmen in dieser Hinsicht begrüßt und sich über dieses Thema auch ständig mit der Spielergewerkschaft austauscht. Der Leiter der Studie Dirk Mazurkiewicz zieht den Schluss, dass sich Profis und Spielerberater rechtzeitig darüber Gedanken machen müssen:

"Wenn man bedenkt, wie oft auch schon junge Spieler Vereine wechseln, ist eine kontinuierliche Zusammenarbeit hinsichtlich Qualifizierung etc. für Vereine, als auch für Verbände nur schwer möglich. Hier sind sicherlich die Spieler selber, eventuell auch deren Berater gefragt, die dafür sensibel machen müssen, sich bereits innerhalb der aktiven Fußballkarriere intensiv mit der Nachkarriere auseinanderzusetzen."

Zu wenig Zeit und Kraft für parallele Weiterbildung

Wir haben deshalb auch bei der Deutschen Fußballspieler-Vermittler Vereinigung DFVV nachgefragt. Sie ist ein Zusammenschluss von Spielerberatern und zählt laut eigener Aussage über 75 Mitglieder. Beim DFB sind allerdings allein für die kommende Saison schon doppelt so viele Berater vorregistriert. Die DFVV vertritt demnach nicht alle, aber die größte Gruppe der Spielerberater in Deutschland. Ihr Geschäftsführer Gregor Reiter sieht den stressigen Alltag als Profi als größte Hürde für Qualifizierungsmaßnahmen an:

"Das hängt zum einen damit zusammen, dass der Beruf des Fußballprofis äußerst zeit- und kraftintensiv ist. So dass viele Berufsfußballspieler bei den hohen Anforderungen einer parallelen Weiterbildung häufiger an ihre Grenzen stoßen. Darüber hinaus sind strukturierte Angebote für den Berufsfußballspieler rar. Wir betrachten es gemeinsam mit den betreffenden Verbänden als eine unserer zentralen Aufgaben in der DFVV Berufsfußballspieler auf entsprechende Weiterbildungsmaßnahmen hinzuweisen, und diese sichtbar zu machen."

Laut der Studie glauben mehr als die Hälfte der befragten Profis, dass ihre bis dahin erworbenen Qualifikationen bereits für die Karriere nach der Karriere ausreichend seien. Ein Trugschluss, wie jetzt auch Fabio Leutenecker aus dem VDV-Camp begriffen hat. Er will deshalb in seiner gegenwärtigen Situation als vertragsloser Spieler entgegensteuern - selbst wenn es mit einem neuen Engagement im Profi-Fußball klappen sollte:

"Bei mir war es dann auch so, dass ich ein Stück weit zu bequem war in den letzten Jahren da etwas nebenher anzufangen. Dazu werde ich mich jetzt zwingen, auch wenn ich jetzt hoffentlich einen neuen Arbeitgeber finde, bei dem ich mich wohlfühle, bei dem ich mich entfalten und entwickeln kann. Dann noch parallel sowas in die Richtung Fernstudium anzufangen, das wäre eine tolle Situation, denke ich!"

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